Was sich am Samstagabend in Basel ereignete, dürften die deutschen Nationalspielerinnen nie vergessen. "So ein Spiel habe ich noch nie gemacht, wow", gab Sjoeke Nüsken nach dem 6:5 im Elfmeterschießen gegen Frankreich zu.
Dass es überhaupt zu einem solch denkwürdigen Abend gekommen war, lag jedoch an einer der Erfahrensten im DFB-Team. Denn Kathrin Hendrich, die erstmals bei dieser EM in der Startelf stand, hatte Griedge Mbock abseits des Balls bei einem Freistoß völlig ohne Not an den Haaren gezogen. Die Folge: eine Rote Karte und ein Elfmeter, der nach einer Viertelstunde zur französischen Führung führte. Angesprochen auf Hendrichs Aktion wollte sich Christian Wück, der kurz darauf wegen Meckerns noch die Gelbe Karte gesehen hatte, im ZDF nicht äußern.
Dafür gab er jedoch einen Einblick in den Matchplan für die lange Unterzahl. Erst einmal sollte sein Team ein weiteres Gegentor verhindern, "weil wir wussten, dass, wenn wir eine Standardsituation bekommen, wir die Qualität haben, Tore zu machen".
Damit behielt er tatsächlich Recht - vielleicht auch aufgrund vorangegangener Kritik. Denn nachdem Wück im Vorfeld die offensiven Standardsituationen bemängelt hatte, schlug Nüsken gleich nach der ersten Ecke der Partie zu: Sie setzte sich vor dem ersten Pfosten ab und nickte anschließend in die lange Ecke. "Die war genauso abgesprochen. Das war genau eine Variation, die wir machen wollten", sagte Wück.
Noch mehr als über die gelungene Variante dürfte er sich über die aufopferungsvolle Darbietung seiner Spielerinnen freuen: Deutschland verteidigte über die gesamten 120 Minuten leidenschaftlich und unterstützte sich gegenseitig - selbst Nüskens verschossener Elfmeter sorgte für keinen Rückschlag. "Wir hätten es nicht hinbekommen, wenn nur eine weggebrochen wäre. Das sind sie Gott sei Dank nicht und deswegen bin ich so stolz auf diese Mannschaft", erklärte der Bundestrainer, der selbst "fix und fertig" war.
Den betriebenen Aufwand dürften die DFB-Frauen in den kommenden Tagen sicherlich spüren. Schon am Mittwoch wartet das Duell mit Top-Favorit Spanien (21 Uhr). "Ich glaube, wir brauchen jetzt drei Tage Eistonne und Erholung und dann schauen wir, ob wir noch elf Spielerinnen gegen Spanien aufstellen können", erläuterte Wück. Trotz der geringen Erholungszeit zeigte sich der 52-Jährige zuversichtlich. Diese zog er aus dem außergewöhnlichen Abend: "Das gibt uns mental noch mal einen riesigen Push."