Für den FC Red Bull Salzburg wird es am Mittwoch (19 Uhr, LIVE! bei kicker) Ernst, wenn die Elf von Thomas Letsch bei Brann Bergen zu Gast ist. Der norwegische Vizemeister soll dabei nicht zum Stolperstein werden, doch ein leichtes Unterfangen wird das Spiel im hohen Norden keinesfalls.
Einer, der die norwegische Liga und auch den Salzburger Kontrahenten bestens kennt, ist Martin Pusic. Der österreichische Ex-Profi spielte zwischen 2012 und 2014 in Norwegen, 2013 auch eine Saison für Brann Bergen. "Die Atmosphäre dort ist top. Der Verein hat eine große Tradition", erzählt er dem kicker. Die großen, europäischen Erfolge liegen aber weit zurück. In der Saison 1996/97 schaffte es Brann bis ins Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger, musste sich dort dem FC Liverpool geschlagen geben.
Anders als TV-Experte Jan Aage Fjörtoft, für den es "keine Überraschung" wäre, wenn "Brann Bergen über zwei Spiele gewinnt", sieht Pusic die Bullen leicht in der Favoritenrolle. "Es werden zwei sehr umkämpfte Spiele, aber ich glaube, dass sich Salzburg am Ende knapp durchsetzen wird." Doch auch der mittlerweile 37-Jährige warnt vor der Spielweise und Qualität der Norweger. "Norwegische Mannschaften spielen körperbetont, sind sehr zweikampfstark. Das sind alles Mentalitätsmonster." Und Brann sei nicht umsonst Vizemeister geworden. Zwar könne man die beiden Ligen nicht eins zu eins vergleichen, doch verstecken müssen sich norwegische Klubs vor österreichischen keineswegs.
Medialer Druck
Besonders in den vergangenen Jahren haben die Norweger bewiesen, dass sie mit europäischen Top-Klubs mithalten können. So hat Bodö/Glimt Lazio Rom erst in der vergangenen Saison im Viertelfinale der Europa League bezwungen.
Achtungserfolge wie dieser haben mitunter dazu geführt, dass Fans und Medien mehr von den Klubs erwarten, bestätigt Pusic: "Es gibt dort einige Medien, die ordentlich Druck erzeugen. So wird auch von den Spielern von Brann Bergen sehr viel erwartet. Also der mediale Druck ist enorm. Die große Frage wird daher sein, ob sie dem Druck standhalten oder daran zerbrechen."
Ehemaliger Mitspieler noch immer bei Brann
Seit Pusics Abgang zu Jahresende 2013 hat sich in Bergen vieles verändert. Doch einer kickt nach wie vor für den dreifachen Meister: Stürmer Baard Finne. "Der war damals ganz jung, gerade einmal 16 oder 17. Er wurde zur ersten Mannschaft hochgezogen und hat mit uns mittrainiert", erinnert sich Pusic. "Er ist ein quirliger Stürmer. Mittlerweile ist er schon 30 Jahre alt, aber wird der Mannschaft mit seiner Erfahrung sicher guttun."
Pusic selbst hatte es in Bergen nicht einfach. Besonders mit dem häufigen Regen hatte der Wiener zu kämpfen. "Meines Wissens ist das eine der regnerischsten Städte der Welt. Das macht schon etwas mit der Psyche. Ich war damals alleine, es war eine sehr schwierige Zeit, hat mich aber gehärtet und mir für meine weitere Karriere Kraft gegeben." Nach seiner Zeit in Norwegen verbrachte Pusic viele Jahre in Dänemark. Zuletzt war er für 1860 München aktiv, im Jahr 2022 beendete er seine Profi-Laufbahn.