An den ersten elf Spieltagen gehörte Julius Langfeld (30) in der Regionalliga West immer zur Startformation des FC Gütersloh. Ausgerechnet in der vorgezogenen Partie bei seinem vorherigen Verein SC Paderborn 07 II musste der Offensivspieler - nach zuvor fünf Partien ohne Torbeteiligung - erstmals mit einem Platz auf der Ersatzbank vorlieb nehmen.
Langfeld, der in der Vorsaison bei 32 Einsätzen zehn Treffer und fünf Assists für die Paderborner beigesteuert hatte, antwortete nach der Einwechslung an seiner früheren Wirkungsstätte auf seine Art. Mit zwei sehenswerten Treffern bescherte er seinem neuen Klub nicht nur den 2:0-Auswärtserfolg beim Nachwuchs des Zweitligisten, sondern auch den Sprung an die Tabellenspitze, erstmals seit dem 2. Spieltag. "Julius hat es zweimal super gemacht", lobte FCG-Trainer Julian Hesse (36). "Das war eine Top-Antwort von ihm darauf, dass er zunächst einmal draußen saß."
Peters ist zur Stelle
Entscheidenden Anteil am zweiten Derbysieg nacheinander (zuvor 1:0 gegen den SC Wiedenbrück) hatte auch Güterslohs Torhüter Jarno Peters (32). Zunächst war der erfahrene Schlussmann in der ersten Halbzeit bei den besten Chancen der Gastgeber zweimal glänzend auf dem Posten, dann leitete er nach der Pause mit einem langen Ball auf Torjäger Patrik Twardzik (32) gedankenschnell den Konter ein, den Langfeld nach Twardziks Vorlage mit der Hacke zum 1:0 abschloss. "Jarno hat die Situation sehr gut erkannt", so Hesse: "Zuvor hat er uns sehr gut im Spiel gehalten, aber dafür haben wir ihn aber auch."
Insgesamt fiel das Fazit des langjährigen Gütersloher Cheftrainers, der bereits seit März 2019 im Amt ist, zweigeteilt aus. "Gegen eine sehr gute Paderborner Fußballmannschaft fand ich uns in der ersten Halbzeit sogar spielerisch deutlich sauberer und besser als nach der Pause", erklärte Julian Hesse: "In der zweiten Hälfte war es dann eher eine Verteidigungsschlacht, in der wir jedoch in den entscheidenden Situationen eiskalt waren. Unter dem Strich haben wir uns die drei Punkte hart erarbeitet. Der Sieg geht in Ordnung, weil wir eine totale Überzeugung hatten und intensiv gefightet haben."
Ohne eine Floskel zu bemühen, konnte der Trainer später in Bezug auf die Tabellenführung von einer "schönen Momentaufnahme" sprechen, "die wir eine Woche lang genießen dürfen". Schließlich steht schon fest, dass Platz eins zumindest nicht von Dauer sein wird, da die beiden direkten Verfolger FC Schalke 04 II und Fortuna Köln am kommenden Freitag ab 19.30 Uhr aufeinandertreffen. Dadurch wird mindestens eines der beiden Teams wieder am FC Gütersloh vorbeiziehen. Fest steht aber auch: Der aktuelle Vizemeister hat sich erneut in der Spitzengruppe der Liga etabliert und setzt sein Saisonziel, im oberen Tabellendrittel mitzuspielen, in dieser Saison von Beginn an um.
Kompensation durch Intensität
Daran änderte auch die schwere Verletzung von Kapitän Björn Rother (29) bisher nichts. Der zweikampfstarke Mittelfeldspieler hatte sich beim Aufwärmen vor dem Wiedenbrück-Spiel, wie Untersuchungen inzwischen bestätigten, einen Riss der Achillessehne zugezogen und wird dem Team damit sechs bis neun Monate fehlen. Gut möglich also, dass die Saison für den langjährigen Zweit- und Drittligaprofi bereits vorzeitig beendet ist. Die notwendige Operation wurde bereits in der Uniklinik Münster durchgeführt. "Björns Verletzung ist eine absolute Hiobsbotschaft. Aber wir werden alles versuchen, um das auch weiterhin aufzufangen", sagt Trainer Hesse. "Jeder muss jetzt noch zwei bis drei Schritte mehr laufen. Wir wollen das über die Intensität auffangen."
Nach dem Derbysieg in Paderborn geht es für den FCG bereits am Mittwoch ab 19 Uhr, mit dem Achtelfinale im Westfalenpokal beim Dortmunder Verbandsligisten BSV Schüren weiter. Dann wird neben Rother wohl auch Offensivspieler Sandro Reyes (22) noch fehlen, weil er sich aktuell mit der A-Nationalmannschaft der Philippinen auf Länderspielreise befindet. Der Pokalwettbewerb hat für die Ostwestfalen einen hohen Stellenwert, da er die gute Chance bietet, sich erneut für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Im Viertelfinale würde auf den FCG eine Auswärtspartie bei einem Oberligisten (SG Wattenscheid 09 oder SV Westfalia Rhynern) warten.