Wenngleich der FC Barcelona zumindest bis zu Real Madrids Sonntagabendspiel bei Getafe (21 Uhr, LIVE! bei kicker) die spanische Liga anführt, musste sich Hansi Flick abermals eingestehen, dass sein Team bislang zu selten an das spielerische Niveau aus der meisterlichen Vorsaison anknüpfen kann. Nach dem katalanischen Derby gegen Girona durfte der Trainer dennoch jubeln - und musste sich im Anschluss an den 2:1-Erfolg genau dafür erklären.
Doch der Reihe nach. Erstmals für Aufsehen hatte Flick schließlich bereits zu Beginn der Nachspielzeit gesorgt, als ihm Schiedsrichter Jesus Gil Manzano binnen weniger Augenblicke nicht nur die Gelbe, sondern letztlich sogar die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte.
Licht ins Dunkel, wie es zu diesem durchaus untypischen Platzverweis kommen konnte, brachte im Nachgang der Bericht des Referees: Die erste Verwarnung vollzog Gil Manzano demnach "wegen Applaus für eine meiner Entscheidungen als Zeichen des Protests". Die zweite folgte unmittelbar darauf "wegen einer Geste der Missbilligung", nachdem Barcas Coach "bereits verwarnt worden war".
Flick rechtfertigt sich
Flick selbst erklärte daraufhin, dass der im Bericht aufgeführte "Applaus" nicht dem Unparteiischen, sondern seinem Mittelfeldspieler Frenkie de Jong gegolten habe, der in diesem Moment hinter Gil Manzano gestanden hatte. "Und wofür es die zweite Karte gab, weiß ich nicht", so Flick, der dadurch - sofern Barcelona keinen Einspruch einlegt - den Clasico am kommenden Sonntag (16.15 Uhr) verpassen wird.
Dass der 60-Jährige im Spitzenspiel in Madrid nicht an der Seitenlinie stehen kann, ist einerseits bitter, andererseits hätte Flick durchaus auch mit einer längeren Sperre rechnen können. Der Grund: sein abfälliger Jubel nach dem späten Siegtreffer, im Zuge dessen sich der Deutsche zweimal mit der linken Hand in die rechte Armbeuge geschlagen hatte. Allen voran in Katalonien ist die sogenannte "Butifarra"-Geste als Zeichen von Verachtung und Spott bekannt.
„Vielleicht war es wegen unseres Spiels, wegen unserer Leistung.“ (Hansi Flick)
"Das wusste ich nicht", versicherte Flick im Anschluss an die Partie und stellte zugleich klar: "Das am Ende war gegen niemanden gerichtet. Vielleicht war es wegen unseres Spiels, wegen unserer Leistung oder weil wir so gewonnen haben." Er greife "nie jemanden an" und habe die Entscheidungen des Schiedsrichters zu "akzeptieren".
Da dieser wiederum weder die provokante Geste noch die Tatsache, dass Flick in der Folge seines Platzverweises weiterhin am Spielfeldrand verweilt hatte, in seinem Bericht vermerkte, sollte der Übungsleiter zumindest im übernächsten La-Liga-Spiel gegen Elche (2. November, 18.30 Uhr) bereits wieder regulär in der Coachingzone agieren dürfen.
Araujo entscheidet in Torjäger-Manier
Am Dienstag jedenfalls, wenn Barca in der Champions League auf Olympiakos Piräus trifft (18.45 Uhr), wird Flick seine Mannschaft definitiv betreuen können. Für die Blaugrana geht es dann auch darum, eine bessere Leistung als am Samstag zu zeigen - und sich möglichst nicht nochmal auf die versteckten Qualitäten von Ronald Araujo verlassen zu müssen.
Den nominellen Verteidiger hatte Flick in der Schlussphase des katalanischen Duells eingewechselt - als Mittelstürmer: "Bevor wir diesen Wechsel vorgenommen haben, habe ich mit ihm gesprochen und gesagt: 'Glaubst du, dass du das spielen kannst?' Und er sagte: 'Ja, ich kann das spielen'" - und sorgte wenig später in Torjäger-Manier für den viel umjubelten Lucky Punch. "Ich freue mich wirklich für ihn, weil er immer mit ganzem Herzen für diesen Verein, für diese Mannschaft spielt", so Flick.