Wie lief die vergangene Saison?
Nach der furiosen Überraschungs-Spielzeit 2023/24 kam der große Einbruch: 20 statt 35 Punkte - aber für riesige Enttäuschung in Essen sorgte das nicht. Dafür war es in der Vorsaison einfach zu gut gelaufen.
Weil es nur einen Absteiger gab, musste die SGS nie um den Klassenerhalt bangen, auch wenn sie von Mitte Oktober bis Anfang Februar mal sechs Pflichtspiele in Serie kein einziges Tor schoss. Einige Stammspielerinnen hatten mit einem Abfall der Formkurve zu kämpfen.
Was war auf dem Transfermarkt los?
Im Sommer endete eine Ära: Rekordtrainer Markus Högner verließ die SGS gen Dortmund nach fast 300 Pflichtspielen. Mit dem zuvor als Co-Trainer tätigen Robert Augustin (33) entschied sich der Klub für einen internen Nachfolger als Teamchef, der gemeinsam mit Trainer Thomas Gerstner wirken soll.
Augustin möchte wieder offensiver, ansehnlicher spielen lassen und Nationalspielerinnen ausbilden. Eine solche ist abhandengekommen: Torhüterin Sophia Winkler wechselte nach Frankfurt, auch Annalena Riekes Weggang zur AS Rom wiegt schwer. Zudem fällt mit Lilli Purtscheller (Kreuzbandriss) die wohl spannendste Spielerin aus.
Auch angesichts dessen ist es bemerkenswert, dass die Essener nur drei externe Neuzugänge holten - die geringste Zahl der Liga: Torhüterin Luisa Palmen aus Mönchengladbach, Rückkehrerin Jana Feldkamp von der TSG Hoffenheim sowie Kreativkraft Shari van Belle von Standard Lüttich, die laut Augustin das "besondere Etwas" mitbringt. Letztere zwei standen bei der Generalprobe vor Saisonbeginn in der Startelf, Palmen nicht.
Auf wen kommt es besonders an?
Die defensive Hälfte der Achse um Feldkamp und die unangefochtene Abwehrchefin Jacqueline Meißner steht. Nun ist es wichtig, dass in der Offensiv-Abteilung Edeltechnikerin Natasha Kowalski und Sturm-Vorkämpferin Ramona Maier ihre Leistungsdellen aus den vergangenen Monaten überwinden. Können sie an die frühere Form anknüpfen, sind sie Unterschiedsspielerinnen. In der Vorbereitung sah das wieder vielversprechend aus.
Wichtig für die Kabine ist Routinier Julia Debitzki, die im Juni abermals verlängerte und sich als "Omi der Mannschaft" bezeichnet. Die 34-Jährige wird im defensiven Mittelfeld hinter Feldkamp und der jungen Paulina Platner aber vorerst nur Back-up sein.
Die kicker-Prognose
An der Hafenstraße weiß man, dass es um die untere statt die obere Tabellenhälfte gehen wird. Die Konkurrenz wächst - und kann meist mehr investieren. Dennoch hat der Kader auf dem Papier genügend Qualität, um sich vom schärfsten Abstiegskampf rechtzeitig zu distanzieren.