"Von der ersten bis zur letzten Minute zeigte das Team eine sehr seriöse und konzentrierte Leistung", lobte Trainer Okan-Tamer Özbay seine Mannschaft. Diese hatte kurz zuvor ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt: Mit 7:0 überrollte Frechen 20 den abstiegsgefährdeten FC Pesch und feierte den bislang klarsten Sieg der Saison: "Kommunikation, Kompaktheit und kreative Aktionen am Ball haben gestimmt - das war ein rundum stimmiger Auftritt."
Stürmer Patrick Friesdorf, seit Jahren Torgarant des Teams, glänzte mit fünf Treffern. "Das war ein Sahnetag für unseren Mittelstürmer", so Özbay. "Er zeigte starke Präsenz im Torraum und lieferte sogar noch Vorlagen - genau so wollen wir ihn sehen." Mit dem Sieg kletterte Frechen auf Rang fünf. Trotz des Höhenflugs bleibt der Coach aber vorsichtig und betont: "An diesem Wochenende haben viele Favoriten verloren. Allerdings sollten wir uns nicht zu viel mit der Tabelle beschäftigen." Es gelte, konzentriert weiterzuarbeiten.
Zwischen Anspruch und Realität
Vor allem an der Abwehr gilt es trotz des zu Null-Spiels gegen Pesch weiter zu arbeiten. Das Torverhältnis von 20:13 unterstreicht die offensive Stärke - aber auch die noch wacklige Defensive. "Wir machen vieles richtig, aber wir kassieren immer noch zu einfache Gegentore", analysiert der 32-Jährige. Besonders das 3:4 beim 1. FC Düren vor zwei Wochen war sinnbildlich. Erst beim Stand von 0:4 brachte seine Mannschaft die nötige Intensität auf den Platz.
Die Qualität des Kaders steht außer Frage, doch an der Konstanz hapert es noch. Zwar erwartet niemand den Aufstieg, doch die Ambitionen in Frechen sind klar: Die Mannschaft will sich im oberen Tabellendrittel etablieren - und weiter an ihrer Entwicklung arbeiten. Unter Özbay hat Frechen 20 in den vergangenen Jahren einen klaren Spielstil etabliert: kontrollierter Ballbesitz, kompaktes Defensivverhalten und variables Positionsspiel. "Wir wollen mit und gegen den Ball aktiv sein, haben eine klare Struktur und ein flexibles System", erklärt der Trainer. Dazu setzt das Trainerteam moderne Technik ein. Ein Kamerasystem erfasst Laufdaten, jede Szene wird individuell analysiert - ein weiterer Beleg für den professionellen Anspruch des Mittelrheinligisten. "So können wir jede Einheit gezielt auswerten und die Spieler individuell fördern", sagt Özbay.
Die Mischung im Kader scheint zu stimmen: Rund zehn Spieler unter 21 Jahren stehen im Kader, ergänzt durch erfahrene Kräfte, die Stabilität bringen. Einer von ihnen ist Koray Kacinoglu (kam vom FC Pesch, stand vor vielen Jahren im Profikader des 1. FC Köln) der als Defensiv-Allrounder die jungen Spieler führen soll. Zu den interessantesten Talenten zählt Torwart Oskar Hill, (19) der von Viktoria Köln kam. "Die Älteren bringen Ruhe, die Jungen sind hungrig - das ergibt eine gute Einheit", sagt Özbay. Dass das Konzept aufgeht, zeigt der Weg des Torwarttalents Juri Schüchter, der den Verein in Richtung Borussia Mönchengladbach II verließ - ein Beispiel für Frechens Rolle als Sprungbrett für Talente.
Professionalisierung und Strukturen
Lange Zeit arbeitete Özbay ehrenamtlich. Seit Sommer 2023 ist er hauptberuflich Geschäftsführer Sport. "Das ist für uns ein Meilenstein", betont Präsident Sahin Yildirim nicht ohne Stolz. Özbay sieht seine Aufgabe langfristig angelegt: "Am Ende des Tages steht und fällt vieles mit Geld und einem Partnernetzwerk, das spürt, dass hier etwas wächst." Trotz seiner Doppelfunktion als Trainer, Geschäftsführer und Jugendförderer bleibt er bodenständig. Neben den Senioren trainiert er weiterhin zweimal pro Woche die Bambinis: "Das ist ein Herzensprojekt." Yildirim pflichtet ihm bei: "Ohne Leidenschaft wäre dieses Pensum gar nicht zu bewältigen."
Zugleich treibt Yildirim auch die Entwicklung der Vereinsinfrastruktur voran. Wie er erklärt, hat sich der Sportausschuss bereits mit Plänen befasst, das Stadion am Kurt-Bornhoff-Sportpark perspektivisch regionalligatauglich zu machen. Voraussetzung dafür sei sportlicher Erfolg - dann, so Yildirim, würde die Stadt ihr Engagement ausbauen. Auf lange Sicht soll die Anlage so gestaltet werden, dass sie auch für einen möglichen Aufstieg genutzt werden kann. "Uns fehlen derzeit vor allem Umkleiden und eine Tribüne, aber das ist machbar", sagt der Vereinschef. Doch um irgendwann diesen Schritt zu gehen, muss Frechen konstanter auftreten. Ein echter Prüfstein wird das Auswärtsspiel am kommenden Sonntag. Um 15.30 Uhr gastiert das Team beim Tabellenführer VfL Vichttal.