Herr Gkezos, halten Sie sich noch auf dem Laufenden darüber, was gerade in Klagenfurt passiert?
Ich versuche es, aber es gibt noch nicht wirklich viele News über eine neue Mannschaft.
Außer Urgestein Jaritz und ein paar Jungen ist nicht mehr viel übrig. Gibt es eine Chance, dass Sie doch bleiben oder haben Sie schon andere Pläne?
Nein, ich habe Klagenfurt schon Goodbye gesagt. Für mich könnte es Zeit sein, nach Griechenland zurückzukehren. Aber wenn ein Angebot aus dem Ausland kommt, das ich nicht ablehnen kann, bin auch auch dafür offen. Mal sehen, was kommt.
Könnte es auch exotisch werden, Sie sind ja Südamerika-, speziell Argentinien-Fan?
Es könnte alles sein, aber das ist nicht realistisch. Ich bin kein junger Hupfer mehr und möchte die Jahre, die ich noch habe im Fußball, genießen. Was ich nicht mehr will, wenn ich mir's aussuchen kann, ist gegen den Abstieg zu kämpfen.
„Wir waren viele Jahre so stabil in der Bundesliga. Und dann blinzelst du einmal und bist in der 2. Liga.“ (Kosmas Gkezos)
War es schwierig für Sie, Austria Klagenfurt wieder da zu verlassen, wo Sie vor sechseinhalb Jahren angefangen haben - nämlich in der 2. Liga?
Absolut. Es war wirklich schwierig zu verarbeiten und zu verstehen, was da passiert ist. Wir haben so große Schritte gemacht, waren viele Jahre so stabil in der Bundesliga. Und dann blinzelst du einmal und bist in der 2. Liga. Das sagt auch viel über den österreichischen Fußball aus. Du kannst dich nicht einen Moment zurücklehnen. Wenn du glaubst, dass dir nichts passieren kann, bist du erledigt.
Hat sich der Niedergang abgezeichnet?
Wir konnten schon sehen, dass es nicht mehr dasselbe war wie in den letzten Jahren. Aber wir hatten immer noch ein gutes Team. Und wir waren bis zu den "Play-outs" ja eigentlich auch nie in Schwierigkeiten. Bis zu den letzten Spielen haben wir nie richtig gespürt, dass wir absteigen könnten. Das war wahrscheinlich auch das Problem. Wir waren nicht bereit für das, was auf uns gewartet hat.
In den letzten Wochen der Saison ist es ziemlich chaotisch geworden mit dem neuen Geldgeber und dem Trainerwechsel. War der aus Ihrer Sicht notwendig?
Ich weiß es nicht, ob es notwendig war. Was wir gebraucht hätten, war Stabilität in unserem Spiel. Wir haben nicht mehr gut gespielt, nichts hat mehr funktioniert. In dieser Situation kann man schon an einen Trainerwechsel denken. Ob es uns geholfen hat, weiß ich nicht. Aber es hat in dieser Phase viele Entscheidungen gegeben, die nicht hilfreich waren.
Fürchten Sie um die Zukunft des Klubs?
Ich hoffe nicht, dass ich um den Klub fürchten muss, aber er wird Hilfe brauchen. Ich hoffe, dass Investoren helfen. Denn die 2. Liga ist keine einfache Liga, ohne entsprechende Mannschaft bist du auch da schnell in Schwierigkeiten. Für mich ist es in erster Linie schade, weil wir schon so weit oben waren. Und Austria Klagenfurt ist ein wunderbarer Klub mit einem tollen Stadion und super Trainingsmöglichkeiten. Die Voraussetzungen sind top, ich hoffe, der Klub findet schnell den Weg zurück.
Wie war der Abschied, ist er Ihnen schwer gefallen?
Ich habe sechseinhalb Jahre hier verbracht, Klagenfurt war nicht nur ein schönes Stück meiner Karriere, es war ein großer Teil meines Lebens. Länger war ich nur bei meinem Ausbildungsklub. Deshalb war es auch ein bisschen traurig, dass es keine offizielle Verabschiedung im Stadion gab. Nach dem letzten Match sind wir im VIP-Klub noch zusammengesessen, nur die Spieler und der Staff, und haben uns alte Geschichten erzählt. Es war sehr emotional. Als sie mich gefragt haben, ob ich einmal wiederkommen würde, habe ich halb im Scherz gesagt, dass ich nie mehr zurückkommen werde. Aber klar werde ich irgendwann wieder zu Besuch kommen, solange ich Freunde hier habe.
„Fußball ist durch das Medienumfeld manchmal ein schwieriges Pflaster, das auch toxisch werden kann.“ (Kosmas Gkezos)
Sie sind ein politischer Mensch, machen sich auch Gedanken über den Fußball hinaus. Läuft man da Gefahr, in der Kabine zum Einzelgänger zu werden?
Das war nie ein Problem. Wir haben im Team viele Gespräche geführt. Mit Thorsten Mahrer, mit dem ich ja viele Jahre zusammengespielt habe, waren es sicher Millionen Gespräche. Man soll Fußballer nicht unterschätzen, vor allem die neue Generation. Die meisten sind uneigennützig und sehr solidarisch, haben ihre Meinung und engagieren sich für gute Dinge. Fußball ist durch das Medienumfeld nur manchmal ein schwieriges Pflaster, das auch toxisch werden kann. Deshalb lassen viele Spieler davon nichts nach außen dringen.
Wie haben Sie sich mit Martin Hinteregger verstanden?
Er ist nicht die redseligste, aber eine interessante Person. Wir konnten viel von ihm lernen. Auch ich, obwohl wir im selben Alter sind. Aber die Erfahrung, die er bei großen Klubs, in internationalen Bewerben auf und abseits des Spielfeldes gemacht hat, war für uns unbezahlbar. Und obwohl er praktisch aus dem Ruhestand zurückgekommen ist, hat er immer noch diesen Hunger. Am Anfang hat er vor allem Fragen gestellt. Er wollte ausloten, wie wir ticken, um zu wissen, wo er sich einfügen und wie er sich einbringen kann. Ich glaube, das sagt viel über sein Mindset.
Und mit Peter Pacult ist es bis zum Schluss gut gegangen?
Ich habe das schon einmal gesagt, klar kann es schwierig sein mit ihm und wir hatten auch unsere Ups und Downs, aber das ist normal in Beziehungen. Ich glaube, ich habe ihm viel gegeben und er hat mir viel gegeben. Wir waren top professionell, wichtig war uns, was auf dem Platz passiert. Deshalb habe ich nur Respekt für ihn.
Haben Sie auch schon eine Idee, wie es nach dem Fußball weitergeht, vielleicht für eine bessere Fußballwelt kämpfen?
Das weiß ich nicht, ob das mein Ding ist. Es gäbe sicher viel zu tun. Wenn ich nur an den Terminkalender der Spieler denke, die gerade an der Klub-WM teilnehmen. Wenn ich mich in ihre Lage versetze, weiß ich ehrlich nicht, wie sie das mit der Müdigkeit nach so einer harten Saison voller Druck körperlich, aber vor allem mental schaffen. Das sind dort keine Freundschaftsspiele! Ich weiß schon, dass die Leute sagen, das ist unser Job und diese Fußballer verdienen Millionen. Aber Fußballer sind keine Maschinen - und ich glaube nicht, dass diese vielen Spiele die Qualität des Fußballs heben werden. Dass ich nach der Karriere im Fußball bleibe, kann ich mir schon vorstellen. Scouting macht mir zum Beispiel großen Spaß.
Welche Fußballer sehen Sie denn besonders gerne?
Ich bin Barcelona-Fan, also finde ich aktuell Yamal und Pedri großartig. Aber es gibt so viele gute Spieler, nicht nur bei Barcelona. Kevin De Bruyne habe ich immer gerne zugeschaut, obwohl er jetzt schon ein bisschen älter geworden ist.
Und der österreichische Fußball?
Er hat große Schritte vorwärts gemacht. Als ich gekommen bin, gab es nur ein Team, das man außerhalb Östereichs wahrgenommen hat - Salzburg. In den letzten Jahren haben sich auch Sturm durch die Auftritte in der Champions League und Rapid durch den Erfolgslauf in der Conference League wieder einen Namen gemacht. Ich hoffe, dass Salzburg wieder zu alter Stärke findet, Sturm wird ohnehin so weitermachen und Rapid sollte auch eine noch bessere Rolle spielen können. Dann gibt es noch den LASK mit seinen großen Ambitionen. Das sagt schon etwas über die Entwicklung der Liga. Und im Nationalteam gibt es mit Rangnick auch eine gute Kombination. Nur gute Spieler zu haben, reicht nicht. Das hat man jahrzehntelang auch bei Argentinien gesehen.