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Glasbrenner ernüchtert: "Dürfen uns nicht ständig den Lolli aus der Hand nehmen lassen"

kicker

Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurden die Ulmer Spieler nach Abpfiff bedacht, nach einer Ansprache von Trainer Moritz Glasbrenner im Mannschaftskreis schlichen sie wie begossene Pudel zu ihren Fans. Dort schallte ihnen zum wiederholten Mal das gegen Geschäftsführer Markus Thiele gerichtete "Thiele raus!" entgegen. Und doch fand Dennis Dressel bei MagentaSport: "Wir müssen den Fans ein Kompliment machen. Wie sie uns 90 Minuten unterstützt haben bei so einem Auftritt für uns ..."

Mit 0:5 waren die Spatzen gegen Hansa Rostock unter die Räder gekommen und mussten die fünfte Niederlage in Serie einstecken. Die kleine "Delle", von der Vorstandsmitglied Thomas Oelmayer noch beschönigend gesprochen hatte, wächst sich langsam zu einer Krise aus. Oder wie es Dressel formulierte: "Es ist jede Woche das Gleiche: Wir nehmen uns viel vor, aber dann ... Wir gewinnen keine direkten Duelle. Da kannst du in dieser Liga gar nichts holen."

Eine Kritik, die sein Trainer teilte: "Wir nehmen den Fight in den persönlichen Duellen überhaupt nicht an", analysierte Glasbrenner ernüchtert. Es fehle seiner Mannschaft die Körperlichkeit, Gier und Mentalität in den Zweikämpfen. "Wir lassen uns immer wieder die Butter vom Brot nehmen", so der 35-Jährige.

Kompliment an die Debütanten

Ulm hatten gegen die Kogge wichtige Führungsspieler gefehlt. So mussten bei ohnehin angespannter Personalsituation U-17-Weltmeister Max Schmitt zwischen den Pfosten und Eigengewächs Felix Vater in der Viererkette ihr Startelfdebüt geben, da Christian Ortag (Ellbogenverletzung) und Marcel Seegert (5. Gelbe Karte) fehlten. Die beiden Youngster nahm Glasbrenner bei seiner Kritik auch explizit aus, gerade Schmitt hatte Schlimmeres verhindert.

„Wir müssen nicht mal von null anfangen. Sondern von minus irgendwas.“ (Dennis Dressel)

Doch dem Rest der Mannschaft machte der Trainer klare Vorwürfe: "Wir sind als Gruppe viel zu lieb. Als Gegner fühlt es sich dann ungewohnt leicht an, gegen uns zu spielen." Das Team sei zu lieb und defensiv wie offensiv zu harmlos, nur: "Liebe Kerle holen im Fußball nichts!", so Glasbrenner, der forderte: "Wir dürfen uns auf dem Pausenhof nicht ständig den Lolli aus der Hand nehmen lassen. Aber gerade machen wir das, mit ausgestreckter Hand."

Weiter mit Glasbrenner? "Nicht in meiner Hand"

Nun ist erst einmal Länderspielpause. Zeit für die Ulmer, sich neu zu sammeln. Ob mit Glasbrenner, der erst im September von Robert Lechleiter übernommen hatte und im Oktober zum Cheftrainer ernannt wurde? "Das entscheiden andere. Ich gebe alles für den Verein, weiß woran es liegt und versuche, den Laden zusammenzuhalten. Alles andere ist nicht in meiner Hand", so der Trainer kurzangebunden.

Dass es brennt in Ulm, unterstrich noch einmal Dressel: "Wir müssen uns in der Länderspielpause komplett neu sortieren!" Es gebe viel aufzuarbeiten, "nicht nur kleine Stellschrauben, sondern brutale Sachen", so der Spatzen-Kapitän. "Wir müssen nicht mal von null anfangen. Sondern von minus irgendwas."