Nicht nur der DFB-Pokal, auch der FA Cup hat seine eigenen Gesetze. Anders ist nicht zu erklären, dass Crystal Palace ihn im vergangenen Jahr sensationell gewann - und nun noch sensationeller abschreiben muss.
Durch die 1:2-Niederlage beim Sechstligisten Macclesfield FC am Samstag sind die Eagles der erste Titelverteidiger seit 117 Jahren, der gegen ein Team unterhalb der Profiligen ausgeschieden ist. 117 Positionen trennen beide Klubs im englischen Ligensystem aktuell, und Macclesfield war erst im Sommer in die sechstklassige National League North aufgestiegen.
"Ich habe keine Worte dafür", war Palace-Trainer Oliver Glasner nach der historischen Blamage bedient, fand dann aber doch ein paar, die kaum ein gutes Haar an seinen Profis ließen. "Es war sehr schwer, das mit anzuschauen. Es gab keine körperliche Präsenz, keinerlei Qualität im Angriff. Das macht es so enttäuschend."
Glasner entschuldigt sich für "peinlichen" Auftritt
Zwar hatte Glasner wie erwartet einige Youngster in seine Startelf beordert, doch es waren immer noch genug gestandene Topleute dabei, etwa der umworbene Kapitän Marc Guehi oder Englands Nationalspieler Adam Wharton. "Bei allem Respekt: Für so ein Spiel braucht man keine Taktik, und man braucht auch keinen Trainer, der einem sagt, was man machen soll", war der Österreicher fassungslos und entschuldigte sich bei den Fans für den "peinlichen" Auftritt. "Wir müssen gegen ein Amateurteam fünf oder sechs Tore schießen, aber uns hat heute jegliche Qualität gefehlt."
Dass Macclesfield keineswegs glücklich gewann, machte die Lage für Palace nur noch schlimmer. "Sie waren die bessere Mannschaft. Sie wollten es mehr. Sie waren aggressiver", urteilte Guehi, und jeder dieser Sätze kam einem Schlag in die Magengegend gleich. Für Macclesfield sei es eine "unglaubliche Geschichte", gratulierte der Kapitän. "Ich wünsche Ihnen alles Gute für den weiteren Wettbewerb."
Palace, seit Saisonbeginn nahezu durchweg von englischen Wochen gestresst, hat dagegen zwar nun eine Belastung weniger, dafür einen Krisenherd mehr. Seit neun Pflichtspielen sind die Londoner sieglos, in der Liga wurden sie auf Platz 13 durchgereicht. Glasner muss die kommenden vier Wochen ohne Mehrfachbelastung dringend nutzen, um sein Team wieder neu auszurichten - und seine Zukunft zu klären. Palace will ihn unbedingt halten, doch der einstige Bundesliga-Coach zögert bislang mit der Verlängerung seines auslaufenden Vertrags. Nicht nur bei Manchester United könnte sich im Sommer der nächste Karriereschritt auftun.