Man muss bei vier punktegleichen Klubs die Bundesliga-Arithmetik schon ganz genau intus haben - aber es stimmt, der SCR Altach ist nach dem 0:0 beim SK Rapid Wien Tabellenführer! Erstmals seit 2016, als die Rheindörfler nach 20 Runden sogar Winterkönig waren.
Festgehalten hat die "Momentaufnahme", als die Neo-Sportchef Netzer die überraschende Tabellenführung rasch kategorisierte, Dejan Stojanovic, als er in der 90. Minute den Elfmeter von Ercan Kara parierte, der am Donnerstag in der Conference League noch souverän verwandelt hat. "Ich habe das Spiel gegen Dundee gesehen, da hat er in die andere Ecke geschossen, ich habe aber schon vor dem Spiel gewusst, dass ich in die linke Ecke springe, wenn er schießt“, versicherte der zufriedene Altach-Schlussmann nach dem Spiel.
Ein paar Minuten zuvor hatte er schon eine Kara-Bombe entschärft und aus dem Kreuzeck gefischt. "Ja, das war einer für's Foto, der wäre hinten reingefallen", lachte Stojanovic, der jetzt saisonübergreifend seit fünf Bundesliga-Spielen die Null hält. "Ich glaube, in Regensburg waren es einmal vier Spiele“, kann sich der 32-Jährige, der auch schon in der Serie A (Bologna) und der englischen Championship (Middlesbrough) gehalten hat, an keine längere Torsperre erinnern.
Das System greift
Ungeschlagen sind die Altacher sogar bereits sechs Spiele. "Sieben mit dem Cup", korrigiert Trainer Fabio Ingolitsch, der im Ländle nicht nur Freunde hatte, als sich der Erfolg nicht gleich einstellen wollte. "Er hat etwas Neues implementiert, das braucht seine Zeit", erklärte Routinier Alexander Gorgon, der vor einem halben Jahr in Vorarlberg seine Zelte aufgeschlagen hat. "Aber jetzt sind wir richtig schwer zu bespielen. Da kann man schon von einem Altach 2.0 sprechen. Vor allem im Ballbesitz haben wir uns noch einmal verbessert, gegen den Ball waren wir schon im Vorjahr gut. Wichtig ist, dass jeder daran glaubt.“ Das haben sie in Hütteldorf. "Wir sind nicht hergekommen und haben uns gefragt, wie hoch wir verlieren werden, wir sind hergekommen, um drei Punkte zu entführen.“
"Jetzt beginnt das System zu greifen", pflichtet ihm Dejan Stojanovic bei, der von seinen letzten beiden Rapid-Besuchen noch mit vier bzw. fünf Stück die Heimreise angetreten hat. "Diesmal wird die Heimfahrt sicher angenehmer. Aber wir haben eine schwierige Saison hinter uns, wir wissen, wo wir herkommen. Wir haben auch in der Vorsaison schon super Spiele dabei gehabt, aber oft das Momentum nicht auf unsere Seite ziehen können. Jetzt profitieren wir auch davon, dass es wenig Veränderung gab, jeder kennt jeden."
Und die wenigen Veränderungen, die es doch gab, wirken sich positiv auf das Spiel der Altacher aus. Wie zum Beispiel Patrick Greil, der bei seiner Rückkehr ins Allianz Stadion so spielte, wie man es schon im grün-weißen Dress von ihm erwartet hätte. "Ich kann erstmals seit meiner Klagenfurt-Zeit wieder auf meiner Position als Zehner spielen", konnte der 28-Jährige das Sandhausen-Desaster schnell hinter sich lassen und aus einem gut organisierten Mittelfeld für die Kreativmomente sorgen.
Trainer Fabio Ingolitsch gefällt es auf der Erfolgswelle. "Das hat es in Altach noch nicht so oft gegeben. Diesen Flow wollen wir mitnehmen. Wir wollen ein ekliger Gegner sein, das sind wir momentan.“