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"Große Sorge" um das Stadionerlebnis

kicker

Seit Monaten laufen die Gespräche hinter den Kulissen. Die große Gefahren-Debatte rund um den deutschen Fußball wird seit einem Sicherheitsgipfel der Innenminister im Oktober 2024 intensiv auf Arbeitsebene geführt. Es geht um möglicherweise einschneidende Maßnahmen für deutsche Fans und Stadionbesucher, unter anderem um Stadionverbote und personalisierte Tickets. Politik und Verbände verhandeln, welche Maßnahmen sinnvollerweise ergriffen werden könnten - und welche nicht. DFL und DFB stehen dabei unter Druck, wollen behördliche Kollektivmaßnahmen aber verhindern.

Bei der vom 3. bis 5. Dezember stattfindenden nächsten Sitzung der Innenminister-Konferenz könnten bald die ersten Maßnahmen beschlossen und anschließend kommuniziert werden, nun haben sich die größten deutschen Fanorganisationen zu Wort gemeldet und vor großen Veränderungen zum Schlechten gewarnt.

"Mit großer Sorge betrachten wir, die bundesweiten Fan-Netzwerke, den von Ihnen eingeleiteten Arbeitsprozess 'Bund-Länder-offene-Arbeitsgruppe (BLoAG)', der zu neuen, weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Fußballspiele führen soll. Die bisher bekannten Vorschläge und Maßnahmen lehnen wir entschieden ab", heißt es in der Stellungnahme.

Am Mittwoch hatten DFB und DFL in einer Pressemitteilung Zwischenergebnisse der BLoAG kommuniziert. Einigkeit bestehe derzeit "in Bezug auf die Stärkung des Sicherheits- und Fanmanagements der Klubs und die Stärkung von Präventionsmaßnahmen, insbesondere der Stadionallianzen", hieß es: "Zudem soll die Einrichtung einer verbandsseitig zentralen Instanz zur Rechts- und Fachaufsicht im Hinblick auf Stadionverbote umgesetzt werden."

Diese zentrale Kommission war eine Forderung der Politik, die Verbände konnten aber erfolgreich einwirken: "Positiv ist zu bewerten, dass die vorhandenen dezentralen Strukturen lokaler Stadionverbotskommissionen mit ihren Sanktionsrechten bestehen bleiben sollen." Das bedeutet, dass über mögliche Stadionverbote nicht wie zunächst angedacht alleine in der beim DFB angesiedelten und verbandsseitig besetzten Kommission entschieden wird, sondern die Vereine die Entscheidungsgewalt behalten.

"Darauf", so die Verbände weiter, "hatten die Experten aus DFB, DFL und Klubs mit guten Argumenten hingewirkt". Die neue Instanz diene "als übergeordnete Fachaufsicht, um ein einheitliches, konsequentes, effektives, effizientes und faires Stadionverbotsverfahren zu gewährleisten".

Die Fanorganisationen befürchten dennoch weiter große Einschränkungen, so könnte es zum Beispiel zur Pflicht personalisierter Tickets kommen. Zudem kritisieren sie die fehlende Transparenz der Gespräche: "Dass dieser bisherige Arbeitsprozess abgeschirmt und aus unserer Sicht bewusst ohne Beteiligung von Vereinen und Fans abläuft, können wir nicht nachvollziehen."

Sie fordern nun "vollständige Transparenz zur Arbeitsweise und zu den bislang vorliegenden Ergebnissen der BLoAG gegenüber der Öffentlichkeit", "den Prozess der BLoAG zu stoppen und von weiteren Beschlüssen auf der kommenden Innenminister-Konferenz abzusehen" und "in einen ergebnisoffenen sowie transparenten Dialog über die Sicherheitslage in und um die Stadien mit Fans, Vereinen, Fanprojekten und dem NASS einzutreten".

Erschreckende Einzelbeispiele machen Sorgen

Der Nationale Ausschuss für Sport und Sicherheit ist eigentlich das Gremium, das Beschlüsse wie die jetzt möglicherweise kommenden trifft. Hier sind unter anderem die Innenminister-Konferenz, DFB und DFL, die Koordinierungsstelle der Fanprojekte (KOS), die Deutsche Bahn und die BAG der Fanprojekte vertreten. Die Fanorganisationen betonen ihr Unverständnis darüber, dass die BLoAG "eine unverkennbare Parallelstruktur zum etablierten Gremium des NASS darstellt".

Die verschärften Maßnahmen kommen zu einer Zeit, in der das Stadionerlebnis sicherer geworden ist. Der vor kurzem von der ZIS vorgelegte Jahresbericht bestätigt die Fans in der Wahrnehmung, dass Gewalt und Verletzte rund um Fußballspiele grundsätzlich eine Ausnahme sind. Allerdings blicken sowohl Fanvertreter als auch andere Experten mit Sorge auf die zunehmende Professionalisierung der Gewalt und erschreckende Einzelbeispiele, die die aktuelle Debatte aus Sicht der Politik befeuern.