Der VfB Lübeck unterlag am Sonnabend in der ersten Runde des DFB-Pokals dem Zweitligisten Darmstadt 98 mit 1:2, verkaufte sich dabei jedoch teuer und bot lange Zeit Paroli. Auch die Anhänger der Grün-Weißen, insgesamt waren 8.682 Zuschauer vor Ort (darunter 1.300 Fans der Lilien), kamen auf der Lohmühle voll auf ihre Kosten.
Die Leistung des Regionalligisten - Kampf und Wille waren deutlich zu sehen - sorgte für Zufriedenheit im hohen Norden. Selbst nach dem Abpfiff, zuvor hatte es schon während der Begegnung pausenlosen Support von den Rängen gegeben, wurde die Mannschaft des Traditionsvereins aus Schleswig-Holstein trotz des Ausscheidens vor der Pappelkurve (Fan-Bereich) ausgiebig gefeiert.
Harms kontert Kohfeldts Kritik
Fast so, als hätte der Underdog den Platz zuvor als Sieger verlassen. Im Nachgang wurde die Atmosphäre im Stadion als "toll und energiereich" beschrieben, es sei ein "geiles Spiel mit geiler Stimmung" gewesen. Darmstadts Trainer Florian Kohfeldt (42) hatte allerdings eine andere Ansicht, sprach bei Sky von "Beleidigungen von den Rängen" und einem "faden Beigeschmack".
Groß darauf eingehen mochte Sebastian Harms eigentlich nicht, der Sportvorstand des VfB äußerte sich dann aber doch. "Wir haben das zur Kenntnis genommen, jeder hat seine Wahrnehmung. Dass die Lohmühle auch in so einem Spiel ein Standort sein kann, wo man jeden Satz mitbekommt, weil da die Abstände von der Tribüne zu den Trainerbänken nicht so groß sind, dass weiß jeder, der hier schon gespielt hat. Für mich ist das eher eine Anerkennung unserer Leistung von Kohfeldt. Wenn man sich dann am Ende als Trainer auf solche Themen konzentriert, dann zeigt das eigentlich, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben."
„Wir haben uns echt teuer verkauft, sind natürlich aber nicht ganz zufrieden, weil wir ausgeschieden sind. Aber worüber reden wir hier? Das ist ein Zweitligist.“ (Fabian Istefo)
"Wir können erhobenem Hauptes aus dem Spiel rausgehen, einiges mitnehmen", hofft Harms (46) nun auf einen positiven Aspekt mit Blick auf den nun anstehenden Ligaalltag, ebenso wie Fabian Istefo (31) auf einen Boost. "Wir haben uns echt teuer verkauft, sind natürlich aber nicht ganz zufrieden, weil wir ausgeschieden sind. Aber worüber reden wir hier? Das ist ein Zweitligist. Wir nehmen trotzdem viele gute Dinge mit, sind sehr zufrieden mit der Leistung. Darauf können wir aufbauen, davon können wir was in die Saison mitnehmen."
Am Sonntag (14 Uhr) geht es nun in der Regionalliga weiter, führt es das Team von Cheftrainer Guerino Capretti (43) zu Eintracht Norderstedt. Nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge (in Meppen und Oldenburg) will der VfB dort wieder Zählbares mitnehmen. "Wir sind zwar ausgeschieden im Pokal, können aber auch stolz auf diese Leistung sein, können daraus sicherlich etwas Positives für das nächste Spiel in Norderstedt ziehen und was holen", betont Mittelfeldspieler Julian Albrecht (23) mit Blick auf das Duell an der Ochsenzoller Straße im Edmund-Plambeck-Stadion. Der Gegner präsentierte sich zuletzt ebenfalls stark im Pokal, musste sich beim FC St. Pauli allerdings erst im Elfmeterschießen geschlagen geben.
Zurück in den Liga-Alltag
Sebastian Harms richtet sich unabhängig davon auf eine schwere Aufgabe in Norderstedt ein. "Das ist eine gut sortierte Mannschaft, die haben ihre Truppe weitestgehend zusammengehalten und noch ergänzt. Das ist ein guter Regionalliga-Tross, der da auf uns wartet, mit einer sicherlich guten Defensive, guten Standards und guten Umschaltspiel."
Der Lübecker Sportvorstand schaut aber natürlich vor allem auf sein Team, wünscht sich eine Weiterentwicklung der jungen Truppe. "Ich hoffe, dass wir Woche für Woche nun einen Schritt nach vorne machen, auch was das Thema Fitness und Einspielen betrifft. Jetzt geht es auch darum, dass die Jungs fit werden, die Mannschaft sich einspielt und in die Prinzipien reinfindet."
Farrona Pulido im Aufbautraining - Neuzugang Abu-Alfa fast einsatzbereit
Verzichten muss VfB-Coach Capretti weiterhin auf Führungsspieler Manuel Farrona Pulido (32), der sich nach einer Schambeinentzündung versucht, langsam wieder im Aufbautraining heranzuarbeiten. Aufgrund einer Muskelverletzung fehlt auch Offensivspieler Ware Pakia (23) noch rund vier Wochen.
Mit Ali Abu-Alfa (25) vermeldeten die Grün-Weißen am Freitag vor dem Match gegen Darmstadt noch einen Neuzugang. Der Offensivmann, der aus Altglienicke zum VfB gewechselt ist, wird nach einem Anriss des Innenbandes nun im Training wieder herangeführt. Ob der in Palästina geborene Stürmer auch schon am Sonntag sein Debüt im Dress der Grün-Weißen feiert, wird sich aber "erst kurzfristig entscheiden."
Im Tor der Lübecker stehen wird wieder Finn Böhmker (21), der zuletzt im DFB-Pokal Phillip Diestel (18) den Vortritt lassen musste. "Das war so abgesprochen, dass Phillip unser Keeper im Pokal ist, Finn in der Regionalliga aufläuft", erklärt Harms.
Zwei Probespieler
Und auch bei der Suche nach neuen Defensivkräften ist man bei Grün-Weiß vielleicht fündig geworden. So spielen seit Dienstag mit Innenverteidiger Ivan Yermachkov (20/SV Werder Bremen II) und Außenverteidiger Cinar Sansar (30), der zuletzt in Luxemburg bei Berburg in Diensten stand, zwei mögliche Kandidaten zur Probe vor.