Seit dem 4. Juli steht offiziell fest, dass Inaki Williams und dessen jüngerer Bruder Nico auch weiterhin Seite an Seite für Athletic Bilbao stürmen werden. Der Europameister von 2024 hatte unter anderem dem FC Barcelona und dem FC Bayern eine Absage erteilt und seinen Vertrag überraschend bis 2035 verlängert.
Für Inaki Williams, ab der neuen Saison Kapitän "seines" Vereins, kam die Meldung freilich nicht unerwartet. Dennoch belastete ihn das Wechsel-Theater in den vergangenen Wochen, wie er nun auf einer Pressekonferenz eingestand: "Auf familiärer Ebene war es kompliziert, weil viel über meinen Bruder gesprochen wurde und vieles, was über Nico gesagt wurde, eine Lüge ist. Er hat sich lediglich zurückgehalten. Jeder hat das Recht, über seine Zukunft nachzudenken und zu reflektieren. Im Sommer wurde meinem Bruder oft Unrecht getan."
Von "inakzeptablen Garantien" seitens der Partei Williams war in Barcelona die Rede, Bayern-Sportvorstand Max Eberl führte horrende Gehaltsforderungen ins Feld. Die 62 Millionen Euro als Ausstiegsklausel nennt Inaki Williams im Nachgang einen "Leckerbissen für große Teams".
Die Familie Williams nahm der Hickhack laut Inaki auch mental mit. Dazu wurde ein Wandgemälde von Nico beschädigt und eine Autoscheibe zerbrochen. "Es passierten Dinge, die die Sache sehr verschlimmerten."
Julen Guerrero als Vorbild
Nach Ansicht von Inaki Williams wählte dessen acht Jahre jüngerer Bruder den "schwereren" Weg. "Es wäre einfach gewesen, zu großen Teams zu wechseln und die Premier League, die Bundesliga oder La Liga zu gewinnen, aber er hat sich entschieden, bei uns zu bleiben."
Inaki Williams stellt Nico durch die langfristige Verlängerung auf eine Stufe mit Julen Guerrero. Dieser war einst bei Bilbao ausgebildet worden und hatte anschließend trotz vieler Offerten seine komplette Profi-Karriere bei Athletic verbracht. "Das Vermächtnis von Julen lebt weiter, es ist dasselbe Vermächtnis, für das sich mein Bruder entschieden hat: Hier Karriere zu machen und ein Vorbild für die Nachwuchsspieler zu sein."
"Wir bei Athletic gehen diskret vor, wenn wir einen Spieler wollen"
Ein Dorn im Auge war Inaki Williams besonders das Verhalten der Verantwortlichen Barcelonas. Sportdirektor Deco und Präsident Joan Laporta hatten sich öffentlich zuversichtlich gezeigt, Nico Williams bald im Kader begrüßen zu können.
"Wir alle wissen, wie die Welt des Fußballs funktioniert und welchen Druck sie auf alle Athletic-Fans und auf meinen Bruder ausüben wollten. Es war eine Medienkampagne, von der sie vielleicht dachten, dass sie funktionieren würde. Wir bei Athletic gehen diskret vor, wenn wir einen Spieler wollen. Dieser externe Lärm hat großen Schaden angerichtet und die Dinge unschön werden lassen. Vieles, was gesagt und an die Medien weitergegeben wurde oder in den sozialen Netzwerken erschien, war eine Lüge."
Eine sportliche Antwort ist Ende November möglich, wenn Bilbao in Barcelona gastiert. Dann werden sich die Pfiffe - wie bereits in der Vergangenheit - wohl nicht mehr nur auf Nico Williams konzentrieren.