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Haenni: "Frauensport ist das neue Real-Estate-Business"

kicker

Aus Zürich berichtet Paul Bartmuß

Gar keine Frage: Tatjana Haenni hat viel zu erzählen. Und sie will auch erzählen. Die Schweizerin ist Sportdirektorin der boomenden US-amerikanischen Frauen-Liga NWSL. Noch. Zum Ende des Jahres hört sie auf, weil sie sich mit der Strategie nicht mehr vollständig identifizieren kann.

Das erklärte Haenni am Montag beim Forum "Fußball kann mehr" in Zürich. Es gebe ein "Riesen-Wachstum" in der NWSL, in der "megaviel Geld" drinstecke: "All diese Investments - Milliardäre, die anfangen, Frauenklubs zu kaufen und zu investieren, das ist unglaublich."

Die Investoren hätten das Gefühl erlangt, dass man im Frauensport inzwischen Geld verdienen könne. Der 58-Jährigen fehlt laut eigener Aussage aber die fußballerische, sportliche Komponente an dieser Entwicklung. "Wenn ihr das so macht, weiß ich nicht, wie gut ihr noch in ein paar Jahren seid", warnte Haenni: "Und dann habe ich auch nicht mehr so viel Spaß."

Bei der UEFA, der FIFA und dem Schweizerischen Fußballverband arbeitete die Funktionärin schon, sammelte viel Erfahrung und ein Gefühl dafür, was in ihre Philosophie passt und was nicht.

Das in der Öffentlichkeit oftmals kritisierte Thema Multi-Club-Ownership findet Haenni nicht per se schlecht. Michele Kang etwa sei eine "superinteressante Frau". Die 66 Jahre alte US-Amerikanerin besitzt Washington Spirit in den USA, Olympique Lyonnes in Frankreich und Aufsteiger London City Lionesses in England. Haenni nannte als weiteres Beispiel für diese Strategie Mercury 13, das bislang nur den FC Como im Portfolio hat, dieses aber zeitnah erweitern will.

"Wer immer noch schläft, ist Frankreich"

Es seien Firmen, die "Geld sammeln und es in Klubs investieren, ohne unbedingt die Klubs zu führen oder komplett zu kaufen". Es gehe um strategisches Investment: Irgendwann wolle man dabei Geld zurückbekommen. "Frauensport - oder Sport generell - ist das neue Real-Estate-Business, wo Leute ihr Geld anlegen", sagte Haenni.

In Europa sei England Vorreiter, was das Investment in den Klub-Ligabetrieb angehe. Aber auch in Deutschland, findet Haenni, geht es mit immer mehr größeren Klubs und größeren Stadien in die richtige Richtung. In Spanien machen ihr der FC Barcelona sowie die Madrider Riesen Real und Atletico Hoffnung, doch eine Spitze verteilte Haenni: "Wer immer noch schläft, ist Frankreich."

Einen deutschen Klub lobte die Spitzenfunktionärin explizit. Union Berlin habe sich offensichtlich ganz klar dafür ausgesprochen, den Frauenfußball zu fördern. Der Aufsteiger sorgte mit einigen namhaften Transfers zuletzt für Aufsehen. "Da läuft was, da hat der Präsident gesagt: Ihr spielt im Stadion, ich will Profi-Spielerinnen, ich haue die Kohle rein", sagte Haenni.