Seine Glücksgefühle und gewiss nicht minder der Stolz auf das soeben Erreichte trieben Miron Muslic kurz nach dem Abpfiff der Partie gegen Hertha BSC (2:1) weg von seiner Mannschaft am Mittelkreis und hin zur Nordkurve. Während sich seine Spieler sowie Trainerteam-Mitglieder im Kernbereich des Feldes versammelten, um sich glückselig in den Armen zu liegen, machte sich Muslic allein auf den Weg vor das Epizentrum der Schalker Anhängerschaft, symbolträchtig hämmerte er sich seine rechte Hand aufs Herz.
Mulder: "Finde das gut"
"Ich finde das gut", sagt Sportdirektor Youri Mulder. Es sei "ein schönes Bild" mit Muslic vor der Nordkurve gewesen. Mulder findet: "Es gehört sich auch, sich beim Publikum zu bedanken." Anhand der warmen Reaktionen der Zuschauer habe man gesehen, "dass sie die Geste auch schön gefunden haben".
Muslic hat bei seiner Pflichtspielpremiere als Trainer des FC Schalke 04 zwar nicht alles richtig gemacht (seine Wechselentscheidungen gingen zulasten der Stabilität der Mannschaft), aber sehr vieles. Allen voran goldrichtig war die überraschende Entscheidung, Peter Remmert auf eine der beiden Zehnerpositionen zu beordern.
Während alle drei Kreativköpfe des Kaders keine Rolle spielten (Kenan Karaman kehrt erst gegen Kaiserslautern ins Ensemble zurück, Ilyes Hamache saß 90 Minuten auf der Bank, Amin Younes wurde für den Auftakt gegen Hertha überhaupt nicht berücksichtigt), setzte Muslic mit Remmert auf offensive Durchschlagskraft und unbändigen Willen.
Und der junge Angreifer überzeugte, seine Torvorlage in sitzender Position vor dem 1:0 durch Moussa Sylla war das i-Tüpfelchen einer Leistung, der andere in Nichts nachstanden. Das gilt insbesondere für Spieler wie Vitalie Becker, der den arrivierten Anton Donkor wohl endgültig verdrängt hat, und Adrian Gantenbein, der seine bislang beste Leistung im S04-Trikot ablieferte, sowie die beiden laufstarken defensiven Mittelfeldkräfte Ron Schallenberg und Soufiane El-Faouzi.
Sieben Spieler nicht älter als 21 Jahre
Muslic beorderte im Verlauf der Partie nicht weniger als sieben Spieler auf den Platz, die nicht älter sind als 21 Jahre. Auch das zeigt: Der Coach hat nicht nur den kurzfristigen Erfolg im Visier, sondern er denkt langfristig - was deckungsgleich ist mit der Grundphilosophie des Vereins.
Nach einem extremen Stimmungstief auf Schalke in Folge der schlechtesten Saisonbilanz der Vereinsgeschichte (Platz 14, 62 Gegentore) hat Muslic zum Start der Spielzeit 2025/26 gegen Berlin eine Elf zusammengestellt, die alle in sie zum jetzigen Zeitpunkt gesetzten Ansprüche erfüllte. Die Auftakt-Darbietung der Königsblauen muss für die gesamte Saison der Gradmesser sein, vor allem mit Blick auf Wille, Intensität, Pressingverhalten, mannschaftliche Geschlossenheit, Gefährlichkeit bei Standards und Widerstandskraft.
Gelingt es, die aktuelle Entwicklung weiter voranzutreiben, wird Muslic sicher noch häufiger Grund haben, sich vor der eigenen Fankurve feiern zu lassen.