Fünf Siege zum Saisonauftakt, Derbysiege gegen Bayern München und Greuther Fürth, 15 Erfolge in 19 Partien, aktuell acht Dreier in Serie, Herbstmeister mit sieben Punkten Vorsprung auf Unterhaching und Würzburg. Diese Rekordwerte der U 23 des 1. FC Nürnberg zur Winterpause haben jetzt schon das Zeug für einen Ehrenplatz im FCN-Museum. Dass die Mannschaft von Trainer Andreas Wolf damit die beste Bilanz für den "kleinen Club" seit Bestehen der Regionalliga Bayern bis zu diesem Saisonzeitpunkt hingelegt hat, versteht sich von selbst.
Zur Einordnung dieser Performance sei der Blick auf das erste Halbjahr 2025 gerichtet, als nach einer komplizierten und nervenaufreibenden Saison der Klassenerhalt erst am drittletzten Spieltag eingetütet werden konnte. Hierzu führt Michael Wiesinger, Leiter des Nürnberger Nachwuchsleistungszentrums, aus: "2025 hat klar aufgezeigt, dass man in einer U 23 immer sehr unterschiedliche Phasen hat. Egal, wie es läuft, muss man immer besonnen und ruhig weiterarbeiten. Wir wollten die Regionalliga unbedingt halten. Deshalb war es ein guter Ausbildungsaspekt, dass die Jungs bewiesen haben, dass sie auch Ergebnisse liefern können, wenn es darauf ankommt."
Im Sommer gab es dann den für U-23-Teams branchenüblichen XXL-Umbruch. Wobei die bewährte Achse um Kapitän Fabian Menig und Benedikt Kirsch bestehen blieb.
Hinzu kamen mir Leo Eberle (SpVgg Bayreuth), Khalid Abu El Haija (Carl Zeiss Jena) zwei externe Akteure, die vor allem den Abwehrverbund stabilisieren sollten. Was sich auch in Zahlen niederschlug - mit nur 21 Gegentoren stellt der FCN eines der Defensivbollwerke der Liga.
Verschworener Haufen
Veredelt wurde der Kader durch einige Akteure, die dem aufgeblähten Lizenzspielerkader angehören, dort aber bisher kaum Spielpraxis erhalten haben. Robin Lisewski, Kristian Mandic, Tino Kusanovic, Eryk Grzywacz, Ayoub Chaikhoun, Justin von der Hitz, Winners Osawe, Eric Porstner und Piet Scobel standen Coach Wolf regelmäßig zur Verfügung. Während in der Vergangenheit Profi-Leihgaben eher wie Fremdkörper wirkten und die eingespielten Abläufe häufig behinderten, haben die Nachwuchsprofis die Aufgabe Regionalliga angenommen und sich mit dem jungen Wolf-Rudel identifiziert. Bedingungsloser Einsatz für die Mannschaft und ausgelassener gemeinsamer Jubel nach Toren und Siegen zeichnen ein authentisches Bild eines verschworenen Haufens, der Synergien erzeugt und besser ist als die Summe seiner Einzelbestandteile.
Diese stimmige Mischung benötigte keine Anlaufzeit, geriet schnell in einen Flow und startete mit fünf Auftaktsiegen. Hier lag der größte Unterschied zur Vorsaison, wie auch Wiesinger betonte: "Für eine junge Mannschaft, die sich gerade neu finden muss, sind Erfolge in der Frühphase der Saison sehr wichtig. Dann ist es immer leichter, zusammenzufinden und Selbstvertrauen zu entwickeln. Man hat gemerkt, dass es anders ist als in den letzten Jahren, in denen man oft erst nach der Winterpause in Tritt kam. Das war diesmal schon ein Faktor."
Anders war dieses Mal auch die Reaktion der Mannschaft auf Rückschläge. Von der herben 0:3-Niederlage im Topduell in Unterhaching und der anschließenden 1:3-Pleite gegen die DJK Vilzing ließ sich die Mannschaft um Top-Torjäger Piet Scobel (elf Treffer) nicht verunsichern und fand nach diesen Leistungsdellen schnell in die Erfolgsspur zurück. Überhaupt wirkten die meisten Auftritte der Youngsters sehr reif. "Wir hatten einige Spiele, in denen wir richtig als Spitzenmannschaft der Regionalliga aufgetreten sind, obwohl wir eine sehr junge Mannschaft am Start haben. Es hat große Freude gemacht, den Jungs zuzusehen", ist NLZ-Leiter von der U 23 begeistert, versucht aber auch, die Euphorie etwas zu bremsen: "Aber man muss es richtig einordnen. Es zeichnet uns aus, dass wir das beim FCN können, sowohl das Trainerteam als auch die Verantwortlichen."
"Bisher ist alles optimal aufgegangen"
Eine weitere wichtige Erkenntnis der bisherigen Runde ist zweifellos, dass auch der zweite Anzug sitzt. Gegen Schwaben Augsburg am 18. Spieltag musste man gänzlich ohne Profis antreten, dafür mit mehreren U-19-Spielern. Auch diese Formation performte beim 2:0-Sieg, unter anderem gelang dem erst 18-jährigen David Okpodu bei seinem Regionalliga-Debüt nach sehenswertem 80-Meter-Solo sein Premierentreffer.
Mit zuletzt acht Siegen in Folge hat der 1. FC Nürnberg eine beispiellose Serie hingelegt und bereits sieben Zähler zwischen sich und den engsten Verfolgern gebracht. Großen Anteil an der Erfolgsgeschichte kommt Coach Wolf zu, der aus den Kaderspielern, Profi-Leihgaben und U-19-Akteuren eine prosperierende Einheit geschaffen hat. "Die Kunst besteht darin, die verschiedenen Interessengruppen zu einer funktionierenden Einheit zusammenzubringen. Das hat Andi Wolf mit seinem Trainerteam in enger Absprache mit den Profis sehr gut hinbekommen", findet Wiesinger lobende Worte für seinen U-23-Trainer. "Man hat gemerkt, dass da eine Mannschaft zusammengewachsen ist, die einen Spirit entwickelt hat. Bisher ist alles optimal aufgegangen."
Nach der Winterpause gilt es nun, den roten Faden wieder aufzunehmen. Vieles wird davon abhängen, welche Spieler Ex-Profi Wolf zur Verfügung stehen. Scobels Knipserfähigkeiten haben ihm bereits die ersten Zweitliga-Minuten beschert. Auch Eric Porstner stand zuletzt regelmäßig im Spieltagskader der Profis.
Die sich zwangsläufig aufdrängende Frage, ob der Herbstmeister einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga realisieren würde und die erforderliche Lizenz beantragt, werden die Verantwortlichen in den nächsten Wochen beantworten