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Hoffnung bei Holthausen Biene lebt: Ten Donkelaar geht die Mission Impossible an

kicker

Wer kennt das nicht? Wenige Tage vor Weihnachten ist der persönliche Stresspegel höher als gewohnt. Die Vorfreude auf das Fest geht da fast unter. Für Joachim Korte waren die Adventswochen noch aufgeregter und anstrengender als es gewöhnlich der Fall ist. Der Sportliche Leiter vom SV Holthausen Biene hat gerade alle Hände voll zu tun. "Es geht hier 24 Stunden um Sport, die eigene Arbeit steht im Moment ganz hinten an. Die letzten Tage waren grausam, die letzten Wochen stressig".

Dass es vor dem Jahreswechsel so turbulent zugehen würde bei den Emsländern, war so vor Wochen nicht unbedingt zu erwarten. Anfang Dezember aber trennte sich der Verein vorzeitig von Aufstiegstrainer Henning Schmidt. Die Trennung fiel Korte sichtlich schwer: "Spurlos ist das nicht an einem vorbeigegangen. Gerade, weil ich immer einer der Befürworter von Henning Schmidt war." Letztlich sei es eine Dreierentscheidung mit den beiden Teammanagern Jannis Bolk und Jan Hessens gewesen.

Kein Unbekannter in der Region

Letztlich fehlten Schmidt, den Korte als "überragenden Trainer" bezeichnet, die Argumente. Die Bilanz von nur fünf Punkten aus vierzehn Spielen und eine Tordifferenz von minus 34 bei 51 Gegentoren ließen den Verantwortlichen offenbar keine andere Wahl. Das schwächste Glied musste gehen. In der Oberliga ist das nicht anders als im harten Profigeschäft. Und es mag makaber erscheinen, ist jedoch geläufig, mit Bekanntwerden der Beurlaubung Schmidts trudelten die ersten Bewerbungsschreiben ein. "Es kamen Bewerbungen rein. Aber nicht von dem, der es wird, den haben wir selbst aktiv angesprochen", erzählt Korte und klingt dabei ein wenig stolz.

Emiel ten Donkelaar heißt der Umworbene, der letztlich nach "positiven Gesprächen" sein Ja-Wort gab. Der Niederländer ist in der Region kein Unbekannter. Er war viele Jahre sehr erfolgreich beim Landesligisten FC Schüttorf aus der benachbarten Grafschaft Bentheim tätig. Weitere Stationen in Belgien und den Niederlanden gehören ebenfalls zur Vita von ten Donkelaar. "Mit Emiel konnten wir einen jungen und motivierten Trainer für unser Konzept des SV Holthausen Biene - die Förderung und Weiterentwicklung junger Spieler - für uns begeistern", sagte Korte auf der vereinseigenen Seite in den sozialen Medien. Unterstützt wird der neue Coach von Jakob Klaus, der dem Verein auch weiterhin als Co-Trainer zur Verfügung steht. Ten Donkelaar äußerte sich ebenfalls auf der Webseite: "Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe beim SV Holthausen Biene und bin von dem Verein und der Mannschaft überzeugt."

Die Mission "Klassenerhalt" des mit 30 Jahren noch sehr jungen Trainers gleicht allerdings einer Mission Impossible. Doch die Verantwortlichen im Verein aus dem Ortsteil nahe der Stadt Lingen sind vom Klassenerhalt überzeugt. "Hätten wir die ganze Hinserie mit der besten Elf gespielt, würden wir nicht stehen, wo wir jetzt stehen. Wir können in der Oberliga mithalten. Das haben wir gezeigt. Wir brauchen uns vor keinem zu verstecken. Ich glaube felsenfest, wenn uns die Verletztenmisere der Hinserie in der Rückrunde nicht auch noch verfolgt, dass wir die Oberliga halten."

Nun haben alle Mannschaften über die Saison gesehen, mit Verletzungen zu kämpfen. Holthausen Biene traf es in der Hinrunde aber besonders. In dem Punkt leistet Korte Abbitte an seinen entlassenen Trainer. "Wir hatten so viele Verletzte. Mit dem Rumpfkader, den er zur Verfügung hatte, konnte man nicht mehr herausholen." Dabei gesteht Korte auch eigene Fehler aus dem Sommer ein: "Die zweite Elf mit den Kaderplätzen 12 bis 24 ist nicht so gut wie die erste. Wenn jetzt von der ersten Elf zehn ausfallen, können wir das nicht kompensieren." Die Frage nach einer falschen Belastungssteuerung weist Korte in diesem Zusammenhang entschieden zurück: "Die Oberliga ist anspruchsvoll. Wenn du in der Landesliga oben mitspielst, machst du 30. Sprints pro Spiel, in der Oberliga machst du 60. An dieser Stelle dem Trainer einen Vorwurf zu machen, das ist ungerecht. Es hatte keine muskulären Verletzungen. Wir hatten einen Innenbandriss, Außenbandriss, Meniskusschaden, Schultereckgelenksprengung, Schlüsselbeinbruch, Nasenbeinbruch, Gehirnerschütterung." Korte spult das medizinische Bulletin ab wie eine auswendig gelernte Einkaufsliste. Das habe mit falschem Training nichts zu tun, betont er weiter, bevor ihm noch "zwei Jungs mit Bandscheibenvorfall" der Vollständigkeit halber einfallen.

Aufgehübschter und fast vollständiger Kader

Für Korte ist mit der Trainerfindung die Arbeit über Weihnachten längst noch nicht abgeschlossen. Mit dem Start der Rückrunde soll Emiel ten Donkelaar auf einen aufgehübschten und fast vollständigen Kader zurückgreifen können. Die meisten Verletzten kehren zurück. Und es sollen einige neue Spieler kommen. Gespräche mit potenziellen Kandidaten hatten bereits stattgefunden, diese mussten aber vorübergehend auf Eis gelegt werden. "Weil die Meisten erst wissen wollen, wer der neue Trainer wird", erklärt Korte. "Wir werden uns punktuell verstärken. Wir legen noch mal oben einen drauf. Mit dem neuen Trainer sowieso. Ich glaube, wir werden eine Bomben-Rückserie und nächstes Jahr wieder Oberliga spielen."

Ein bemerkenswerter Optimismus, der ansteckend, fördernd und motivierend wirken soll. Kortes Kampfansage klingt nicht nach dem berühmten Pfeifen im Walde. Der Sportchef sagt sie aus Überzeugung. "Alle, die von draußen schauen, denken, dass wir absteigen. Wir denken da ein bisschen anders." Das Telefon wird der Sportdirektor, der seit eineinhalb Jahren im Amt ist, in der nächsten Zeit kaum aus der Hand legen. "Die nächsten Tage werden eher stressiger als ruhiger", sagt er. Aber wenn am Ende die ganzen Mühen zum Erfolg führen, dürfte das ihn in der Retrospektive nicht weiter stören.