Sie haben sich sehr lange sehr zurückgehalten, Herr Hranac entspricht das einfach ihrem Naturell?
Robin Hranac: Es stimmt, dass ich länger gebraucht habe, um hier richtig anzukommen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass sich meine Persönlichkeit je nach Umfeld und den Menschen, mit denen ich arbeite, verändert. Insofern würde ich sagen, dass es teilweise meinem Naturell entspricht, sich zunächst eher zurückzuhalten.
Hätten Sie vor einem Jahr gedacht, dass sie immer noch in Hoffenheim sind und sogar Stammspieler? Wie groß waren die Zweifel zwischendurch?
Ich habe immer daran geglaubt, dass ich mir eine bessere Rolle im Team erarbeiten kann als noch im letzten Jahr. Ich habe mich nicht zu sehr mit Zweifeln aufgehalten, sondern versucht, mich auf den Prozess zu konzentrieren und täglich an mir zu arbeiten. Natürlich habe ich darauf gehofft, dass sich irgendwann eine Chance ergibt.
Welche waren die schlimmsten Momente?
Der schwierigste Moment war wahrscheinlich, als ich zum ersten Mal in meiner Karriere nicht einmal für den Spieltagskader nominiert wurde. Das hatte ich so noch nie erlebt. Aber genau solche Situationen prägen einen. Entscheidend ist am Ende, wie man auf Rückschläge reagiert und was man daraus macht.
Wie sehr hat Ihr Selbstverständnis und Ihr Selbstvertrauen gelitten in diesem Jahr?
Mein Selbstvertrauen war in dieser Phase definitiv nicht auf dem idealen Niveau. Ich glaube, dass eine solche Situation jeden Spieler beeinflusst. Mit der Zeit wurde es besser, aber solange man nicht spielt, weiß man nie genau, wo man steht. Erst Spielpraxis gibt einem diese Sicherheit zurück.
War dies ein völlig verlorenes Jahr?
Nein, es war ganz sicher kein verlorenes Jahr. Im Gegenteil: Heute sehe ich diese Zeit als extrem wichtig an. Ich habe viel darüber gelernt, wie man mit schwierigen Situationen umgeht, und vor allem, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben und weiter an sich zu glauben.
Was waren die Gründe dafür, dass es im ersten Jahr so überhaupt nicht laufen wollte?
In den ersten zwei Monaten kam vieles zusammen. Nach dem Spiel gegen Union Berlin im September war mir klar, dass ich unter dem damaligen Trainer kaum realistische Chancen auf Einsatzzeiten hatte. Ich konnte letztlich nur warten und weiter arbeiten, bis sich etwas verändert.
Hatten Sie auch eine Mitschuld oder war das nur den Umständen geschuldet?
Natürlich trage ich auch selbst Verantwortung. Ich hätte in bestimmten Momenten besser performen müssen. Das sehe ich ganz klar bei mir und nehme das auch so an.
Anfang dieser Saison hatten sie noch unübersehbar körperliche Defizite, sind Sie jetzt auf Top Level?
Zu Beginn dieser Saison war deutlich zu erkennen, dass mir Spielpraxis aus dem Vorjahr gefehlt hat. Nach einigen Einsätzen habe ich mich körperlich deutlich besser gefühlt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass noch Luft nach oben ist, körperlich, technisch, mental und auch taktisch.
Was ist das mittelfristige Ziel? Ist die Champions League drin?
Ich möchte unsere Ziele nicht öffentlich konkret benennen. Was ich aber sagen kann: Unser Anspruch ist es, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Mit dieser Einstellung gehen wir in jede Partie.
Fahren Sie nun verspätet ihre Ernte ein?
Ich glaube daran, dass Dinge dann passieren, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Alles, was passieren soll, passiert am Ende auch.
Wie stehen die WM-Chancen der tschechischen Nationalmannschaft?
Grundsätzlich besteht definitiv eine Chance. Allerdings liegen zwei sehr schwierige Gegner vor uns, auf die wir uns voll konzentrieren. Für Tschechien wäre die Qualifikation für die Weltmeisterschaft natürlich ein großer Erfolg.
Wie lange kennen Sie schon Vladimir Coufal?
Ich kenne Vladimir Coufal persönlich aus der Nationalmannschaft, davor eher aus dem allgemeinen Fußballumfeld. Ich bin sehr froh, dass er hier ist. Er hat großen Einfluss auf unsere Leistung und ist in seinem Alter immer noch auf einem sehr hohen Niveau
Welches Vorbild haben Sie und welchen Traum?
Mein fußballerisches Idol seit meiner Kindheit ist Ronaldo, daran hat sich bis heute nichts geändert. Mein sportlicher Traum ist es, eines Tages in der Premier League zu spielen. Privat sind meine Eltern meine größten Vorbilder. Ich habe großen Respekt vor ihnen. Mein persönliches Ziel ist es, eine glückliche Familie zu haben und gleichzeitig meinen Traum zu verfolgen.