Es waren erst vier Minuten gespielt, als Daniel Peretz in den Blickpunkt gerückt war. Der 25-Jährige entschärfte einen Elfmeter von ManCity-Star Erling Haaland - und vollbrachte diese Großtat gleich zweimal. Weil er sich zu früh bewegt hatte, wurde der Strafstoß wiederholt, und der Schlussmann parierte, regelkonform, auch den zweiten Versuch.
"Es war eigentlich klar, dass ich spielen werde"
Peretz nutzte damit die Möglichkeit, auf großer Bühne Nachweise seines Könnens zu demonstrieren. Im Verein hat er diese Chance nicht. Schon wieder nicht. Wie schon beim FC Bayern sitzt er auch auf seiner Leihstation in Hamburg lediglich auf der Bank. Nach der Partie gegen Norwegen hat der Torwart erstmals mehr als nur angedeutet, was schon unmittelbar nach dem Vollzug des Deals im Juli ein Tuschelthema war: Peretz ist in der klaren Annahme gewechselt, beim Bundesliga-Aufsteiger die Nummer 1 zu werden, zuvor hatte er bei CFC Genua abgesagt, angeblich, weil er keine Stammplatz-Garantie bekommen hatte.
In Hamburg soll es diese, zumindest offiziell, ebenfalls nicht gegeben haben. Die HSV-Verantwortlichen hatten nach dem Vertragsabschluss im Sommer von einem offenen Konkurrenzkampf gesprochen - und den gab es tatsächlich. In diesem setzte sich letztlich Aufstiegs-Held Daniel Heuer Fernandes durch und hat die Entscheidung des Trainers mit bislang starken Leistungen gerechtfertigt.
Merlin Polzin hatte zuletzt gesagt, Peretz habe die festgelegte Rangfolge im Tor enttäuscht zur Kenntnis genommen, "aber er geht sehr professionell damit um und trainiert sehr gut". Beim israelischen TV-Sender Sport 5 platzte nun aus ihm heraus, dass ihm Training allein nicht reicht. "Die Dinge, die gerade passieren, sind nicht unter meiner Kontrolle. Ich bin verantwortlich für mein eigenes Verhalten und Benehmen. Ich kämpfe gegen die Situation."
Und offenbar auch mit der sportlich und hinsichtlich der Hierarchie restlos nachvollziehbaren Entscheidung des HSV-Trainers. "Es ist offensichtlich, dass ich enttäuscht bin, dass ich in Hamburg nicht spiele. Ich hatte nicht angenommen, dass ich nicht zum Einsatz komme." Dann folgte ein brisanter Zusatz: "Es war eigentlich klar, dass ich spielen werde."
"Vielleicht gibt es ja eine Veränderung im Januar"
Die Äußerungen zum jetzigen Zeitpunkt kommen überraschend, der Inhalt ist es nicht. Denn: Schon im Vorfeld des direkten Duells zwischen den Bayern und dem HSV (5:0) Ende August hatten die Münchner Macher ebenfalls zwischen den Zeilen angedeutet, dass sie davon ausgegangen waren, dass ihr Torwart an der Elbe Spielpraxis bekommen würde.
Kriegt Peretz die erhofften Einsatzzeiten nach der Winterpause woanders? Im TV-Interview in der Heimat hat er ein mögliches Abschieds-Szenario trotz eines bis Sommer gültigen Vertrages zumindest angedeutet. "Vielleicht gibt es ja eine Veränderung im Januar. Denn ich will unbedingt spielen."