FC Tours, GC Lucciana, US Granville, Trelissac FC, FC Versailles und der FC Rouen - noch nie gehört? Wir auch nicht. Dies waren die Vereine, für die Christopher Ibayi bis 2024 im Nicht-Profifussball gespielt hat. Mit Rouen stieg er 2023 in die Championnat National, die dritthöchste französische Liga, auf und schoss sich dort mit acht Toren aus 15 Spielen in den Fokus des Zweitligisten AC Ajaccio.
Im Winter 2024 folgt der Wechsel zum Traditionsclub auf Korsika, Ibayi unterschreibt im Alter von 28 Jahren seinen ersten Profivertrag. Doch weshalb erst im vergleichsweise hohen Alter? "Es gab keine Probleme, es war einfach eine Frage des Schicksals", sagt er gegenüber dem SRF. Ausgebildet wurde er bei Bastia, bekam dort allerdings keinen Profivertrag, "also musste ich den schwierigen Weg gehen".
Thun profitiert von korsischer Misslage
In der Ligue 2 zeigte Ibayi sogleich, weshalb er aus der dritten Liga geholt wurde. In seinen ersten 15 Spielen trifft er sechsmal, anschliessend noch immerhin zweimal in 19 Spielen. Doch aus finanziellen Gründen kann ihn Ajaccio nicht halten, muss ihn verkaufen. Und da hat der FC Thun zugeschlagen, ihn im vergangenen Januar in die Schweiz geholt.
"Es war ein neues Leben für mich, die Kälte, das Klima, es war nicht einfach", sagt der auf Korsika geborene Kongolese. Er habe sich aber durchgebissen. Tatsächlich war es die erste Station ausserhalb Frankreichs, immerhin die Sprache habe ihm bei der Integration geholfen, da gleich einige Spieler aus dem Team ebenfalls Französisch sprechen. Der 30-Jährige lobt auch das familiäre Umfeld in Thun, das ein schöner Kontrast zum "sehr business-orientierten" Fussball sei.
Trotz defensiverer Rolle sind den Träumen keine Grenzen gesetzt
Den familiären FC Thun hat Ibayi mit sieben Saisontoren mittlerweile an die Tabellenspitze geschossen, obwohl er nun eine deutlich defensivere Rolle einnimmt, als früher. Die Arbeit fürs Team sei grösser geworden, sein Antrieb jedoch nicht. Dieser ist nämlich weiterhin das Toreschiessen, denn "diese Momente mit den Fans zu teilen, ich lebe für diese Emotionen".
Grenzen will er sich nun keine setzten, alles dafür tun, dass Thun die Position halten kann. Das Wort Meister nimmt er aber noch nicht in den Mund, sagt aber: "Wenn ich mich mit einem Verein wie Thun für den Europacup qualifizieren könnte, wäre ich sehr, sehr glücklich." In der aktuellen Form ist ihm und den Berner Oberländern auf jeden Fall alles zuzutrauen.