"Kosovo? Keine Ahnung! Das hab ich mir gedacht", lacht Robert Ibertsberger heute, wenn er sich an den Anruf von Franco Foda im Februar 2024 erinnert, "als ich mir dann aber die Spieler angeschaut habe, war mir schnell klar, dass ich das unbedingt machen möchte."
Seither hat Kosovo unter Teamchef Franco Foda mit den Assistenten Robert Ibertsberger und Thomas Kristl zehn von 15 Spielen gewonnen (Atdhe Nuhiu kam vor kurzem auch noch dazu), ist in die Nations League B aufgestiegen und hat nach einem 2:0-Sieg gegen Schweden in Pristina gute Chancen, sich erstmals für eine WM-Endrunde zu qualifizieren.
Mittlerweile kennt Ibertsberger die Spieler, und die potenziellen künftigen kosovarischen Teamspieler, wie kaum ein anderer: "Scouting ist ein Riesen-Thema!" Sein Thema. Der ehemalige Bundesliga-Trainer (Ried, SKN, Austria, WAC) war zuvor im Nachwuchs-Bereich schon begeisterter Entwickler.
Freitag gegen Slowenien (20.45 Uhr LIVE! bei kicker) könnte Hoffenheims Ex-Schweizer Albian Hajdari sein Debüt feiern und in der Innenverteidigung den verletzten Kapitän Amir Rrahmani ersetzen. Hajdari wurde von Ibertsberger schon bei seiner ersten Dienstreise in Lugano gescoutet. An Torhüter Amir Saipi (mittlerweile drei Länderspiele) hängte er sich damals auch gleich ran.
Sein ehemaliger Schützling bei der Austria, Vesel Demaku, meldete sich gar selbst bei ihm. "Als er mir kurz nach meiner Bestellung per WhatsApp gratulierte, wurde mir klar, dass er ja auch für uns spielen kann", so Ibertsberger, "bei den Play-off-Siegen gegen Island war Vesel ganz wichtig für uns." Beim Lehrgang gegen Slowenien und in Schweden fehlt der nunmehrige Altacher jedoch wegen einer Schulterverletzung.
"Die Verbandsentscheidungen sind meistens Familienangelegenheit", weiß Ibertsberger, "für viele haben die Wurzeln ihrer Eltern größere Bedeutung, andere wiederum sind so dankbar für die Aufnahme in ihrer neuen Heimat, dass sie sich für diese entscheiden." Bei Familie Berisha spielt Valon (LASK) für den Kosovo, während Bruder Veton (Viking) zehn Mal für Norwegen stürmte.
Die Schweizer Achse
"Der sportliche Aspekt spielt bei der Nationenwahl natürlich auch eine wesentliche Rolle", weiß Ibertsberger. Foda und Co. haben mit ihren Erfolgen die Karten des kosovarischen Verbandes durchaus verbessert. Vor Hajdari sprangen auch schon die ehemaligen Schweizer Nachwuchs-Teamspieler Leon Avdullahu (Hoffenheim) und Eman Kospo (Florenz) ins Foda-Boot.
"Wir müssen aber eh ausch schauen, dass wir weiter gute Spieler finden", weiß Ibertsberger. Einige Top-Spieler wie Vedat Muriqi (Mallorca, 31), Amir Rrahmani (Neapel, 31) oder Fidan Aliti (Alanyaspor, 32) kommen langsam in die Jahre.
"Ihre Motivation ist natürlich doppelt so hoch. Sie wissen ganz genau, dass das jetzt vielleicht ihre letzte Chance ist, zu einer Endrunde zu kommen", weiß Ibertsberger. Ein Unterschied zu vergangenen Jahren sei aber auch: "Wir haben eine gewisse Disziplin reingebracht. Wir lassen sie schon aktiv spielen, setzen aber auch gewisse Grenzen."
Ein Schlüsselerlebnis sei die Niederlage bei EM-Teilnehmer Ungarn im März letzten Jahres gewesen (0:2). Für den Trainerstab, aber vor allem für die Spieler. "Da haben wir super gespielt, besser als die, haben letztlich aber nichts davon gehabt. Das haben wir dann alle miteinander in Ruhe ordentlich durchanalysiert und ein positives Gefühl mitgenommen", erzählt Ibertsberger.
"Es herrscht hier schon ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken. Im Erfolgsfall ist alles super, bei Niederlagen wird aber auch schnell alles wieder hinterfragt", schildert Ibertsberger, "seit dem Sieg gegen Schweden fühlt es sich für uns aber so an, dass das ganze Land hinter uns steht."