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In Eltersdorf verspürt man "mehr Stolz als Enttäuschung" - Neuer Angriff mit neuen Talenten

kicker

Nach verpasstem Regionalliga-Aufstieg

Es gibt so Szenen im Fußball, die bleiben den Protagonisten lange Zeit im Gedächtnis. Für den SC Eltersdorf ereignete sich eine solche Situation wohl in der Relegation zur Regionalliga in Aschaffenburg: 85 torlose Minuten waren da gespielt, als Eltersdorfs Maximilian Göbhardt nach einer Balleroberung im Mittelfeld die Kugel über die Restverteidigung der Heimelf chipte und Christian Rzonsa auf die Reise schickte. Der 27-Jährige war frei durch und hatte gleich mehrere Optionen: Zum Tor ziehen und den Keeper umspielen - oder querlegen auf den mitgelaufenen Yannik Jassmann.

Doch der Offensivmann entschied sich für den vermeintlich schwierigsten Weg, nämlich den Heber aus rund 25 Metern über den an der Sechzehnergrenze postierten Torwart. Der Versuch misslang - und steht so sinnbildlich für die offensiven Bemühungen des SCE, der laut Trainer Bernd Eigner in den ausgeglichenen Duellen gegen die Viktoria "die klareren Chancen" hatte.

Doch wie so oft zählt im Fußball das reine Resultat. "Und da haben wir die Cleverness vermissen lassen. Aus diesen Chancen musst du auf dem Niveau ein Tor machen. Leider haben wir unsere Möglichkeiten leichtfertig liegen lassen", urteilt Eigner in Anbetracht des bitteren Verlaufs der Relegation: Denn die heimische Viktoria traf in Minute 88 noch zum 1:0, egalisierte so das Hinspiel-Resultat und behielt im auf die Verlängerung folgenden Elfmeterschießen die Oberhand. Der Traum vom Aufstieg in Regionalliga war für den SC Eltersdorf somit jäh geplatzt. Dennoch gewinnt der Coach den Ausscheidungsspielen Positives ab: "Vor solchen Kulissen zu spielen, war schon ein Highlight für die Jungs. Das haben sie sich verdient und spiegelt absolut unsere Leistung der Saison wider." Etwa 1.200 Zuschauer weilten beispielsweise beim Hinspiel in Erlangen, das Rückspiel am Schönbusch wollten sogar fast 3.000 Schaulustige begutachten.

Stolz überwiegt Enttäuschung

Und alle Kiebitze sahen eins: Ein über 180 Minuten starkes Eltersdorfer Team, das zeigte, warum es die Bayernliga-Meisterschaft bis zum letzten Spieltag offen gehalten hatte. "Ich spüre daher mehr Stolz als Enttäuschung. Wir waren jetzt dreimal in Folge in den Top 3 der Liga - auch die Trainerkollegen honorieren das in den Gesprächen. Denn sie wissen ebenso, dass Erfolg nicht immer planbar ist. Besonders, wenn du nicht das große Geld hast wie wir, sondern ein Gesamtkonstrukt brauchst", zieht Eigner ein fast durchweg positives Fazit. Einzig die ärgerlichen Punktverluste in Gebenbach (2:2) und bei Jahn Regensburg II (1:2) zum Saisonende blieben "ein bisschen hängen".

Insbesondere in diesen beiden Begegnungen stand bei der mit Abstand besten Defensive der Bayernliga (24 Gegentreffer in 34 Partien) hinten nicht wie so häufig die Null - und vorne ließ der SCE mehrere Hochkaräter liegen. "Die fehlende Kaltschnäuzigkeit hat uns schon über die gesamte Saison begleitet. Wir haben viele Spiele mit 1:0 gewonnen, weil die gesamte Mannschaft als Basis eine überragende Abwehrleistung gezeigt hat. Aber für ganz oben musst du eben ein paar Tore mehr machen", weiß der Übungsleiter um die Problematik der für ein Spitzenteam eher dürftigen Ausbeute von 56 Saisontoren.

Dabei war vor der Spielzeit mit Christian Rzonsa der letztjährige Top-Scorer der Landesliga Nordost zu den Quecken gewechselt, benötigte eine Liga höher jedoch mehr Anlaufzeit als erhofft und erzielte lediglich vier Treffer. Stattdessen in den Vordergrund spielte sich mit Felix Rippert (14 Tore) ein Perspektivspieler, der den Sprung aus der Bezirksliga zwei Ligen nach oben bestens bewältigte. "In der Vorsaison war Yannik Jassmann unser bester Torjäger - der kam sogar aus der Kreisliga", skizziert der Coach das Transferkonzept der Mittelfranken.

Neue Talente und Jetzt-erst-recht-Mentalität?

Die setzten auch in der neuen Saison auf Talente aus dem Umland - mit Leo Sommer kommt sogar ein Akteur aus der Kreisklasse (neunte Liga). "Wir haben die Jungs in Probetrainings getestet und sehen Potenzial in ihnen", ist der 53-Jährige von den Neuzugängen überzeugt. Mit Valantis Floros wechselt zudem ein Bayernliga-erfahrener Verteidiger vom Stadtrivalen ATSV Erlangen zum SCE, der in Summe vier Abgänge ersetzen muss: Während sich Christian Rzonsa in Forchheim wieder in der Landesliga versuchen will, geht Alex Beusch in die Regionalliga Nordost nach Berlin. Matthias Löblein muss dagegen beruflich in den Süden nach München, Moritz Sharghi tritt aus eigenen Stücken kürzer.

Mit an Bord bleibt mit Kapitän Max Göbhardt dagegen Eigners verlängerter Arm auf dem Feld. "Ich bin überzeugt, dass Max wieder vorangeht und wir den richtigen Weg einschlagen", sieht der Ex-Profi nicht die Gefahr eines negativen Einflusses des späten Knockouts in Aschaffenburg und fügt an: "Am Grundcharakter der Mannschaft wird es nicht scheitern. Entscheidend wird sein, dass der Kopf frei ist. Wir fangen daher ein paar Tage später an und setzen am ersten Wochenende auf Teambuilding."

Mit neuer Energie sei das Ziel natürlich wieder vorne dabei zu sein. Glaubt man den Stimmen aus der Bayernliga rüsten einige Vereine jedoch auf, vielleicht kann der SCE aber seinerseits eine Jetzt-erst-recht-Mentalität entwickeln: Ein Vorbild könnte da der VfB Eichstätt sein. Der scheiterte 2024 ähnlich dramatisch in der Relegation zur Regionalliga wie die Erlanger kürzlich - und sicherte sich im Folgejahr dann die Meisterschaft in der Bayernliga Nord. Gegen einen ähnlichen Verlauf hätten wohl weder Bernd Eigner noch der SC Eltersdorf etwas einzuwenden.