Die Saison des LASK
Ein Verein mit Anspruch und Tradition, ein Kader mit Qualität - und doch steht am Ende einer langen Spielzeit Ernüchterung. Der LASK hat in dieser Saison nicht nur die Meistergruppe verpasst und einen fix geglaubten Europacup-Startplatz verspielt. Mehr noch: Im Saisonfinish kehrten die Fans der Mannschaft den Rücken und boykottierten die letzten Heimspiele.
Moment der Saison: Schlusspfiff
Der letzte Pfiff im letzten Saisonspiel gegen Rapid - ein 0:3 im Rückspiel der Europacup-Playoffs - fasste eine enttäuschende Spielzeit symbolisch zusammen. Drei Trainer (Thomas Darazs, Markus Schopp, Maximilian Ritscher) versuchten ihr Glück, doch der rote Faden fehlte. Bereits das Verpassen der Meistergruppe war ein herber Rückschlag, das Saisonfinale ein Spiegelbild einer verkorksten Saison. Einzig in der klar gewonnenen Qualifikationsgruppe war bei den Linzern Konstanz zu erkennen - ein Erfolg, der allerdings kaum dem eigenen Anspruch gerecht werden kann.
Schlüsselspieler der Saison: Andres Andrade und Robert Zulj
In einem oft kollektiven Durchhänger ragten dennoch stets zwei heraus. Andres Andrade, der nach schwerer Verletzung im März zurückkam, zeigte in der Defensive Präsenz, Biss und Führungsqualitäten. Seine Physis und Zweikampfstärke machten ihn zu einer der wenigen Konstanten. Robert Zulj wiederum war - wie gewohnt - der ruhende Pol und im Offensivspiel der Dreh- und Angelpunkt - technisch stark, spielintelligent, meist derjenige, der das Tempo bestimmte.
Spruch der Saison
„Wir haben null Mentalität in dieser Mannschaft.“ (Maximilian Entrup nach der 1:2-Pleite gegen den WAC im Dezember)
Dass sich Maximilian Entrup kein Blatt vor den Mund nimmt, ist allgemein bekannt - doch im Dezember wählte er besonders drastische Worte. Mit bemerkenswerter Direktheit kritisierte er die Einstellung seiner Mitspieler und sprach damit ein Thema offen an, das viele rund um den LASK bereits länger beschäftigte: fehlende Mentalität, mangelnder Einsatz, zu wenig Zusammenhalt. Auch wenn seine Aussage polarisierte, traf sie einen Nerv - und spiegelte die angespannte Stimmung innerhalb der Mannschaft in einer sportlich schwierigen Phase schonungslos wider.
Flop der Saison: Zerwürfnis mit den eigenen Fans
Ein bitterer Beigeschmack begleitete das Saisonfinish des LASK - nicht sportlich, sondern auf den Rängen. Die aktive Fanszene boykottierte die letzten Heimspiele und kehrte dem Klub demonstrativ den Rücken. Hintergrund war die Forderung nach dem Rücktritt von CEO Siegmund Gruber, der zunehmend in die Kritik geraten war. Für zusätzlichen Zündstoff sorgten dann auch noch rassistische Beleidungen der eigenen Fans gegenüber mehreren Spielern. Unter anderen äußerte sich Jerome Boateng via Instagram zu diesem Eklat: "Pfeift mich aus, kritisiert mich - aber was ich mir nicht gefallen lasse, sind rassistische Beleidigungen meiner Hautfarbe. Rassismus hat keinen Platz - weder im Sport, noch in der Gesellschaft, noch sonst irgendwo."
Transferpläne
Der erste große Umbruch hat bereits begonnen - an der Seitenlinie. Mit Joao Sacramento übernimmt ein junger Taktikfuchs das Kommando in Linz. Zwar hat er bis dato nur als Co-Trainer fungiert, dafür lernte er bei internationalen Top-Klubs von wahren Kapazundern. So war er zum Beispiel mehr als zwei Jahre die rechte Hand von Startrainer Jose Mourinho. Sacramento steht für modernen Fußball und bringt ein frisches Profil mit - doch die Aufgabe ist gewaltig.
Denn sportlich verliert der LASK nicht nur seinen Kapitän Philipp Ziereis, dessen Transfer zu Greuther Fürth bereits durch ist, sondern gleich mehrere Stammkräfte. Ivan Ljubic, Filip Stojkovic, Branko Jovicic, Hrvoje Smolcic sowie Ersatzkeeper Clemens Steinbauer verlassen den Klub. Nicht mehr planen kann der LASK wohl auch mit Adil Taoui, der seinen Abschied aus Linz überraschend via Social Media verkündet hat. Sacramento und Sportdirektor Dino Buric stehen somit vor einer Kader-Renovierung unter Zeitdruck.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 4,5