Er stand am Ende der Fehlerkette - und war mit seinem missglückten Abwehrversuch der, der diesen Bochumer Angriff auf die Anzeigetafel brachte. Michal Karbownik knallte den Ball, der von Gerrit Holtmann kam und kurz vor ihm tückisch aufsprang, mit dem rechten Schienbein unter die Latte des eigenen Tores. Es war das erste von drei Gegentoren, bei denen Hertha beim 2:3 am Samstagabend im Vonovia-Ruhrstadion Fahrlässigkeit in Vollendung demonstrierte - und es war eine Szene, die Sinnbild war für Karbowniks bisherige Berliner Zeit: Der Pole, nach dem Bundesliga-Abstieg 2023 mit 1,3 Millionen Sockelablöse an Brighton & Hove Albion Herthas teuerster Transfer jenes Sommers, findet auch in seinem dritten Jahr beim Hauptstadtklub nicht in die Spur.
Leitl: "Man muss den nicht ins eigene Tor schießen"
In der Entstehung waren Kennet Eichhorn und Toni Leistner mit vereinten Kräften und vereint erfolglos zum Kopfball hochgestiegen, der Youngster und der an diesem Abend indisponierte Routinier hatten die Situation damit erst richtig scharf gemacht. "Vor dem 0:1 gehen Sechser und Innenverteidiger ins Kopfballduell. Uns fehlte dann die Breite in der Viererkette", tadelte Trainer Stefan Leitl. "Darüber hatten wir ganz klar gesprochen." Und doch nahm der Coach - mit Recht - auch den Eigentorschützen nicht aus der Verantwortung. "Miki Karbownik ist am Ende der Kette, aber trotzdem glaube ich, dass man den auch klären kann und nicht ins eigene Tor schießen muss", sagte Leitl. "Der Ball springt vorher hoch, trotzdem war es möglich."
Es war nach dem Saisonauftakt auf Schalke (1:2), wo Karbownik wie das Gros seiner Kollegen enttäuscht hatte, für den Allrounder erst der zweite Liga-Einsatz in dieser Spielzeit - und er war keine Empfehlung. Dass er mit seinem Schlenzer in der 77. Minute fast - nur fast! - ins richtige Tor getroffen hätte, nachdem er mit dem Ball in die Mitte gezogen war und abgeschlossen hatte, passte ins Bild. Mutausbrüche dieser Art wünschen sie sich in Berlin von Karbownik (52 Pflichtspiele für Hertha, kein Tor) öfter.
Aber der Mann, der beide Außenverteidiger-Positionen bekleiden und im zentralen Mittelfeld spielen kann, hat sich nie unentbehrlich gemacht. Mehrere Blessuren warfen ihn zurück, zu Beginn dieser Saison - nach passabler Vorbereitung - eine Verletzung am Sprunggelenk. Einen festen Platz in der Mannschaft hat er sich nie erkämpft, obschon nicht nur Leitls Vorgänger Cristian Fiel ("Miki hat immer eine Lösung und ist ein unfassbar quirliger Spieler.") die fußballerischen Anlagen des 24-Jährigen schätzte.
Karbowniks Zukunft in Berlin steht auf der Kippe
Zu wenig defensive Verlässlichkeit und Robustheit bescheinigte ihm Fiels Vorgänger Pal Dardai. Auch wenn Karbownik dahingehend etwas zugelegt hat, steht seine Zukunft in Berlin auf der Kippe. Vor dem Bochum-Spiel hatte Sportdirektor Benjamin Weber dem kicker gesagt: "Für Michal geht es darum, die guten Ansätze in konstante Spielleistungen umzusetzen. Er kann Situationen auch in engen Räumen auflösen, mit seiner Ballsicherheit und Dynamik in der Spielfortsetzung neue Situationen kreieren und uns spielerisch - egal, auf welcher Position - viel geben." Weber bescheinigt ihm "sehr viel Potenzial", aber "klar ist auch, dass wir dieses in seiner Zeit in Berlin bisher leider noch zu selten gesehen haben".
Der Abend von Bochum hat daran nichts geändert. Karbownik, dessen gut dotierter Vertrag am 30. Juni 2026 endet, wird sich steigern müssen, wenn er bleiben will. Gespräche über ein neues Arbeitspapier gab es bisher nicht. Zu den bisherigen Bezügen steht für den Klub dem Vernehmen nach eine Verlängerung ohnehin nicht zur Debatte.