Schon zweimal galt Ralf Rangnick als ernsthafter Kandidat für eine führende Position bei Hertha BSC. In der Saison 2003/04, als der damalige Manager Dieter Hoeneß die Nachfolge von Trainer Huub Stevens regelte und erst Hans Meyer und dann Falko Götz installierte, war der Schwabe ein heißes Thema in Berlin.
Und als Hertha im Jahr 2021 einen neuen starken Mann als Geschäftsführer Sport suchte, beschäftigte sich der Hauptstadtklub intensiv mit Rangnick - um ihm am Ende aus Sorge, der Reformer könnte den Klub mal eben geräuschvoll auf links drehen, abzusagen. Den Job erhielt seinerzeit Fredi Bobic, der seinerseits bereits im Januar 2023 die Papiere bekam.
Es ist der dritte Flirt zwischen Hertha und Rangnick
Auch der dritte Flirt zwischen Hertha und Rangnick mündet dem Vernehmen nach nicht in eine Zusammenarbeit. Zwar gab es nach der Kontaktaufnahme vor Wochen ein informelles Gespräch zwischen dem Klub und dem Coach der österreichischen Nationalmannschaft.
Und grundsätzlich findet Rangnick - seit Jahren - Hertha, das notorisch unter seinen Möglichkeiten bleibt, spannend. Aber ein Wechsel Rangnicks in die operative Ebene des Zweitligisten, der nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Geschäftsführer Thomas E. Herrich weiterhin nach einem Geschäftsführer Sport fahndet, wird nach kicker-Informationen nicht zustandekommen. Der späte Zeitpunkt, zu dem eine schlüssige Planung der kommenden Saison gar nicht mehr im eigenen Gestaltungsbereich läge, dazu die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen - das sind Faktoren, die eine Rolle spielen.
Der Hauptgrund ist aber ein anderer: Rangnick, seit Juni 2022 ÖFB-Teamchef, will mit der österreichischen Nationalelf zur WM 2026. Es wäre Österreichs erste WM-Teilnahme seit 1998.
Rangnick: "Ich werde definitiv die WM machen"
Erst am vergangenen Montag hatte Rangnick in der Sendung "Sport & Talk" auf ServusTV versichert, seinen Vertrag beim ÖFB erfüllen zu wollen. "Ich werde definitiv die Weltmeisterschaft machen, da kann kommen, was will. Danach muss man weitersehen", hatte Rangnick erklärt. Zwar habe es in den vergangenen Monaten an Anfragen nicht gemangelt. Aber: "Wenn ich mich da abwerben hätte lassen, dann würde ich jetzt gerade nicht hier sitzen in dieser Sendung. Viel mehr Bekenntnis als das, was in den letzten Monaten passiert ist, geht nicht."
Nach kicker-Informationen soll er nach den Qualifikationsspielen im Juni (2:1 gegen Rumänien, 4:0 in San Marino) auch den Spielern seinen Verbleib versichert haben. Rangnicks Kontrakt beim ÖFB läuft bis zum Ende der WM-Qualifikation. Löst er mit dem Team das Ticket, verlängert sich der Vertrag bis zum Ende der WM-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko.
Die verbandsinternen Querelen sollen durch den im April gewählten und im Mai als neuen ÖFB-Präsidenten installierten Ex-Vizekanzler Josef Pröll erkennbar befriedet worden sein - zur Zufriedenheit Rangnicks. Auch deshalb wird es trotz Herthas Werben ein Jahr vor der WM keine Rückkehr nach Deutschland geben.