Ulm hat zuletzt viermal in Folge in der 3. Liga verloren. Das letzte Erfolgserlebnis hatte der Zweitliga-Absteiger Anfang Oktober beim 5:1 gegen Drittliga-Aufsteiger Schweinfurt 05. Nach 13 Spielen stehen nur 13 Punkte und dadurch Abstiegsplatz 18 zu Buche. Der Saisonstart ist gehörig in die Hose gegangen und trotzdem möchte Ulm-Boss Thomas Oelmayer nicht von einer Krise sprechen: "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde 'alles easy'. Aber wir haben alles gut im Griff. Es gibt keine große oder fundamentale Krise, sondern Veränderungen", sagte Oelmayer in einem Interview mit der Südwest Presse.
Thiele steht bei den Fans in der Kritik
Er spreche lieber von einer "Delle". Denn eine Krise sei nicht nur sportlicher, sondern auch finanzieller und personeller Natur. Es gebe aber "kein Geldproblem" und "die wichtigen Personen" seien da. Damit meinte er auch seinen Vorstandskollegen Markus Thiele, der als Geschäftsführer der SSV Ulm 1846 Fussball GmbH & Co. KGaA für die Kaderzusammenstellung zuständig ist und aktuell massiv in der Kritik steht. Im Ulmer Stadion waren zuletzt immer wieder "Thiele raus!" Rufe zu hören.
Trotzdem stehe Thiele für Oelmayer "nicht zur Disposition": "Wenn das halbe Stadion 'Thiele raus' ruft, muss man das aushalten, aber deshalb ist es jetzt auch wichtig, ihm Rückendeckung zu geben." Die Kaderauswahl sei nicht perfekt, aber "das allein legitimiert keine Absetzung", meint Oelmayer. Statt den Geschäftsführer von seinen Aufgaben zu entbinden, will Oelmayer ihn stärker unterstützen: "Deshalb habe ich mich bereit erklärt, die Prokura für die Geschäftsführung zu übernehmen. Das heißt, es gilt das Vier-Augen-Prinzip, was Spielerverpflichtungen und andere Themen angeht. Das ist keine Kritik oder ein Hinterfragen, sondern eine andere Art von Rückendeckung." Das sei auch auf Wunsch von Thiele passiert und schon länger geplant gewesen.
„Wir schultern das jetzt gemeinsam und ich nehme ihm da auch ein Stück weit die Verantwortung ab.“ (Thomas Oelmayer)
Dass jetzt in Zukunft vielleicht häufiger "Oelmayer raus!" Rufe im Stadion zu hören sein könnten, ist für den 71-Jährigen kein Problem, das halte er aus. Er wolle jetzt für Kontinuität im Verein sorgen und auch seine Kontakte in der Region einbringen: "Dadurch stärke ich Markus Thiele den Rücken. Wir schultern das jetzt gemeinsam und ich nehme ihm da auch ein Stück weit die Verantwortung ab."
Der Verein solle zukünftig "nicht nur aus einem Gesicht bestehen". Große Fragen werden Oelmayer und Thiele gemeinsam klären. Dadurch solle die Öffentlichkeit merken: "Das ist nicht nur der Thiele. Er macht seit vier Jahren einen guten Job. Hätte ich eine andere Meinung, würde ich das mit ihm nicht machen."