Für Appelle ist die Zeit inzwischen abgelaufen, Vincent Kompany hat die ja sowieso längst genutzt. Das verrückte Hinspiel zwischen PSG und Bayern war noch nicht mal eine Stunde abgepfiffen, da setzte sich der Trainer des FC Bayern im Pariser Prinzenpark aufs Pressepodium und bat jeden Fan, der sich fürs Rückspiel nicht fit fühle, zuhause zu bleiben und das Ticket an jemanden zu übergeben, der 90 Minuten durchschreien könne.
Die Botschaft ist angekommen: Kompanys Bayern brauchen am Mittwochabend die größtmögliche Unterstützung, um das 4:5 aus der Vorwoche zu drehen und ins Finale der Champions League einzuziehen. "Ich glaube, die Arena wird brennen", hatte Leon Goretzka bereits am Wochenende nach dem 3:3 gegen Heidenheim prophezeit und wenig Widerspruch geerntet.
Karl und Guerreiro kehren in den Kader zurück
Wie groß dieses Rückspiel nun ist, untermauerte selbst der Tag vor der Partie, als an der Säbener Straße Journalisten aus aller Welt eintrudelten und dabei um die beste Sicht beim Abschlusstraining kämpften. Sie sahen zum Beispiel, dass nicht nur Raphael Guerreiro seinen Muskelfaserriss auskuriert hat und wieder eine Option ist, sondern auch Lennart Karl. Zwei entscheidende Kaderveränderungen übrigens.
Und irgendwie kam jeder, den man im Vorbeigehen mal so fragte, wieder da raus, wo er schon vor einer Woche war: Am wahrscheinlichsten ist schon, dass sich die Bayern und PSG auch am Mittwoch einen fulminanten Fight über das ganze Spielfeld liefern und eher nicht 0:0 oder 1:0 spielen werden.
„Das Gefühl ist einfach, dass die Jungs gestärkt werden müssen in dem, was sie die ganze Saison gut gemacht haben.“ (Vincent Kompany)
Kompany geht es nicht anders: "Man muss überlegen, was beide Mannschaften hierher gebracht hat", erklärte der Bayern-Trainer am Dienstagnachmittag. "Das kannst du in der letzten Phase nicht ändern. Deswegen ist es für Paris schwer vorzustellen, dass sie anders auflaufen. Und für uns auch." Heißt für den neutralen Fußballfan vermutlich: wieder Vollgas und wieder Spektakel.
Letztlich kann es den Bayern ja auch egal sein, ob sie dieses Mal 1:0 gewinnen oder 5:4, sie müssen erstmal überhaupt dieses Spiel gewinnen, um mindestens eine Verlängerung zu erzwingen. "Wir haben Ideen, die uns helfen, das zu tun", glaubt Kompany, denn besonders bei seiner Mannschaft fiel nach dem Hinspiel in Paris oft das Wort "Anpassung", ähnlich am Wochenende nach drei Gegentoren gegen Heidenheim.
Kompany und der kleine mentale Kniff für Paris
Was eben nicht heißt, etwas großflächig umzukrempeln, sondern jene Art und Weise zu stärken, die zum Torrekord in der Bundesliga, zur Meisterschaft, ins Pokalfinale und ins Champions-League-Halbfinale geführt hat. "Es geht darum, dass man immer wieder versucht, ein kleines Detail als Lösung für die Jungs zu bieten. Das Gefühl ist einfach, dass die Jungs gestärkt werden müssen in dem, was sie die ganze Saison gut gemacht haben."
Entsprechend gleich sah die Routine am Dienstag aus. Bei den Spielern machte sich im Training keine spezielle Spur von Anspannung breit, der Trainer verspürt nach eigener Aussage die totale "Ruhe". Sein Rat als Ex-Spieler: "Spiel das Spiel nicht schon einen Tag vorher. Mach es, wenn das Spiel angepfiffen wird. Wenn das Spiel startet, denkst du an die Emotionen, die du für das Spiel brauchst. Mit der nötigen Ruhe." Und dem einen Tor mehr halt, entweder zum 6:4 oder zum 2:0.