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Krise made in Bern - YB verliert, Fans toben, Trainer wackelt

kicker

Der eigentliche Lieblingsgegner hatte keine Lust, Aufbauhilfe zu leisten

Vor der Länderspielpause musste der BSC Young Boys in Lausanne eine ebenso deftige wie auch empfindliche 0:5-Klatsche einstecken. Die Berner hatten danach zwei Wochen lang Zeit, diese Schmach aufzuarbeiten und mit dem FC St.Gallen kam der eigentliche Lieblingsgegner gerade recht, um Aufbauhilfe zu leisten.

Schliesslich hatte YB vor dem 9. Spieltag der Brack Super League seit über 20 Jahren kein Heimspiel mehr gegen die Espen verloren. Eine unglaubliche Serie, die nun aber ein Ende gefunden hat. Die St.Galler um Captain Lukas Görtler hatten keine Lust darauf, als Sparringpartner zu agieren und sorgten mit dem 2:1-Sieg für den nächsten Rückschlag des Meisteranwärters.

Für das Team von Giorgio Contini war es die erste Heimpleite in der Super League nach zuletzt 19 Super-League-Heimspielen in Serie (16 Siege und drei Unentschieden) ohne eine Niederlage. Vor dem Duell gegen die Ostschweizer verloren die Berner in der Liga letztmals vor über einem Jahr am 28. September 2024 überraschend mit 0:1 gegen GC.

Auswärts hat YB in letzter Zeit oftmals ein schwaches Gesicht gezeigt, doch immerhin konnte man sich auf die Heimstärke verlassen. Die Berner müssen sich jetzt aber ein paar grundlegende Fragen stellen, ansonsten dürfte der FCSG nicht das einzige BSL-Team bleiben, welches im Wankdorf jubeln kann.

Der nicht verwertete Penalty zeigt, wie fragil das YB-Gebilde ist

Aus Berner Sicht hätte das Spiel gegen die St.Galler eigentlich kaum besser starten können, durfte doch Routinier und Führungsspieler Christian Fassnacht bereits in der 16. Spielminute zu einem Elfmeter anlaufen. Nach Intervention des VAR zeigte Schiedsrichter Fedayi San folgerichtig auf den Punkt, doch letztlich machte er den Young Boys damit keinen Gefallen.

Dies darum, weil Christian Fassnacht bei seinem erst zweiten Elfmeter auf Profistufe am stark reagierenden Lawrence Ati Zigi gescheitert ist. Dieser nicht verwertete Penalty zeigte in der Folge ziemlich deutlich auf, wie fragil das YB-Gebilde ist. Die Verunsicherung, die noch aus Lausanne nachhallte, wurde je länger immer grösser und die Espen hatten kaum Mühe damit, die Angriffsbemühungen der Berner zu stoppen.

Ungenauigkeiten, Abspielfehler und Unkonzentriertheiten sorgten für eine nach dem Elfmeter schwache erste Hälfte ohne nennenswerte Offensivaktionen. Auch in der zweiten Halbzeit mühte sich YB vergeblich, grosse Chancen zu kreieren und stattdessen waren es die Espen, die mit einem ihrer Nadelstiche die Berner mitten ins Herz trafen.

Als dann kurz vor Schluss Joker Chris Bedia in der 85. Minute doch noch zum Ausgleich traf und für Berner Jubel sorgte, brachte es die Mannschaft von Giorgio Contini fertig, im direkten Gegenstoss das letztlich Genick brechende 1:2 durch FCSG-Captain Lukas Görtler zu kassieren. "Mangelnde Konzentration", wie Edimilson Fernandes gegenüber der Berner Zeitung konsterniert meinte und dabei ähnlich ratlos wirkte "wie zuvor bei der Suche nach Anspielstationen", wie die genannte Quelle treffend schreibt.

„"Es ist vielsagend, wenn St.Gallens Trainer Enrico Maasen befindet, dass man, wenn man in Bern ein Tor erhalte, oft noch ein weiteres kassiere. Das war vielleicht einmal so. Aber nicht bei dieser YB-Ausgabe."“ (Berner Zeitung, 19.10.25)

YB hat übrigens gegen den eigentlichen Lieblingsgegner zu Hause just an dem Tag verloren, an welchem man das hundertjährige Bestehen des Wankdorfs feierte. Mehr Ironie geht fast nicht...

Giorgio Contini gerät immer mehr in den Fokus

Das schwächste Glied in einer Mannschaft ist immer der Trainer, muss dieser doch jeweils als Erster daran glauben, wenn es nicht so läuft, wie erwartet. Dieses Gesetz kennt auch YB nur zu gut, hat es doch seit der unglaublich erfolgreichen Zeit unter Gerardo Seoane kaum mehr einer geschafft, die Berner nachhaltig zum Erfolg führen zu können.

In den letzten vier Jahren gab es insgesamt fünf verschiedene Trainer (David Wagner, Matteo Vanetta (interim), Raphael Wicky, Joël Magnin (2x interim) und Patrick Rahmen) und Giorgio Contini ist nun der Sechste, der versucht, eine neue Ära starten zu können. Nach Seoane glückte es bislang nur Wicky, länger als eine Saison im Amt bleiben zu dürfen.

Ob es auch Contini schaffen wird, zumindest eine ganze Spielzeit als YB-Coach zu überleben, muss aufgrund der jüngsten Resultate und Leistungen immer stärker bezweifelt werden. Der 51-Jährige ist seit Dezember 2024 im Amt und sein bisheriger Punkteschnitt von 1,72 Zählern aus bislang 39 Pflichtspielen ist zwar solid, reicht jedoch nicht, um die hochgesteckten Ziele auch erreichen zu können.

Sorgen bereitet dem YB-Fan aber nicht nur die jüngste Negativentwicklung, was die Resultate angeht, sondern auch die Art und Weise, wie die Young Boys auftreten. Auch gegen den FCSG war kaum eine Spielidee zu erkennen, die "über lange Bälle und Daumen drücken hinausgeht", wie bei der Berner Zeitung zu lesen ist. Ein Team wie YB, welches mit derart vielen guten Fussballern gespickt ist, müsste deutlich mehr mit dem Ball anfangen können, wie man es zuletzt unter Contini gesehen hat.

Auch was die Startaufstellung angeht, bewies der YB-Trainer nicht immer ein gutes Händchen. So weiss wohl nur Contini selbst, wieso er gegen die Espen auf Sergio Cordova setzte und stattdessen den bisherigen YB-Toptorschüten Chris Bedia nur auf die Bank beorderte. Cordova, der bislang nur in einem Super-League-Spiel gegen Thun seine Qualitäten nachweisen konnte, gelang praktisch nichts, während Bedia in seinem 25-minütigen Jokereinsatz deutlich Betrieb machen und letztlich auch als einziger YB-Akteur treffen konnte.

Die Unzufriedenheit wird auch bei den Fans immer grösser

Mit der zweiten Super-League-Pleite in Serie ist YB in der Tabelle auf Rang 5 abgerutscht und der Rückstand auf den überraschenden Leader aus Thun beträgt fünf Zähler. Da ist natürlich noch nichts verloren, doch der Trend zeigt natürlich nach unten. Dies ist auch daran spürbar, dass die Unzufriedenheit bei den heimischen YB-Fans im Wankdorf deutlich hörbar wurde.

Nach dem Spiel mussten die Spieler bei den wütenden Anhängern antraben, wo es Pfiffe und Beschimpfungen hagelte. Die nächste Chance, die Fans wieder ein wenig zu versöhnen, bietet sich den Young Boys am kommenden Donnerstag (23. Oktober), wenn man im Heimspiel in der Europa League gegen Ludogorets Rasgrad zum Siegen verdammt ist. Drei Tage später folgt das schwierige Auswärtsspiel im Letzigrund gegen den FCZ, wo man sich einen weiteren Punkteverlust eigentlich ebenfalls nicht leisten kann.

Die grundsätzlichste Frage könnte in diesen Spielen womöglich bereits beantwortet werden. Nämlich jene, "ob sie in dieser Konstellation mit Trainer Contini doch noch zu einer Klasse und Konstanz finden, die einem Spitzenclub und seinen Zielen entspricht", wie die Berner Zeitung in den Raum wirft. Bei zwei weiteren Enttäuschungen müsste die Antwort darauf wohl "Nein" lauten, was wohl einen nächsten Trainerwechsel in Bern zur Folge hätte. So weit sind wir aber noch nicht und Contini bekommt die Chance, eine Trendwende einzuleiten. Dieses Mal sollte es aber besser auch gelingen...