"Ich glaube, bitterer kann man ein Heimspiel nicht verlieren", ärgerte sich Philipp Förster kurz nach dem Abpfiff in der Mixed Zone des Wildparkstadions. Wenige Minuten zuvor hatte Marlon Ritter dem Karlsruher SC einen schweren Nackenschlag verpasst und seinen 1. FC Kaiserslautern in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 3:2-Derbysieg geschossen.
Dabei sah es in der Schlussphase aus, als seien die Hausherren, die zwischenzeitlich 0:2 hinten gelegen hatten, näher am Siegtreffer. "Wir haben ein super Spiel gemacht. Der Gegner war in meinen Augen sehr, sehr schwach, kommt dreimal vor das Tor und schießt drei Tore", sah Förster seine Farben sogar über 90 Minuten als die klar bessere Mannschaft. "Das Glück war nicht auf unserer Seite, aber dennoch können wir stolz auf uns sein, dass wir so dominant waren und den Gegner an die Wand gespielt haben."
Zwei "Kacktore" zum 0:2
Ganz so deutlich war es vielleicht nicht, Christian Eichner sprach anschließend zumindest von einer "ausgeglichenen" ersten Hälfte, in der ein "Kacktor" den Unterschied machte. Wenngleich auch er erkannte, dass Ivan Prtajin den eigentlich harmlosen Schuss von Mika Haas "großartig" mit der Hacke abfälschte.
Der KSC steigerte sich, hatte in Durchgang zwei allerdings Startschwierigkeiten. "Die ersten fünf Minuten nach der Pause waren grausam von uns, da waren wir nicht einmal über der Mittellinie", resümierte der KSC-Coach. "Und dann kommt das zweite Kacktor, ich kann es nicht anders nennen." Naatan Skyttäs Abschluss wurde doppelt abgefälscht zur Bogenlampe und fiel hinter Hans Christian Bernat ins Tor.
Eichner: "Dann bist du als Trainer 'lost'"
"Was mich sehr beeindruckt hat, war, dass die Mannschaft versucht hat, weiter Fußball zu spielen", lobte Eichner aber die Reaktion seiner Elf, die zum "verdienten" 2:2 kam. "Und dann bist du als Trainer - wie meine Tochter sagen würde - 'lost'. Du kannst in so ein Spiel nicht mehr eingreifen. Du könntest dich genauso gut draußen hinsetzen und es einfach genießen", blickte der Trainer auf die Schlussphase, in der der KSC auf das 3:2 spielte.
Dass sein Team im entscheidenden Moment womöglich zu viel wollte, das konnte er nicht kritisieren. "Ich werde es meiner Mannschaft nie vorwerfen, wenn sie ein Spiel gewinnen will. Und das habe ich gesehen." Dzenis Burnics etwas zu riskanten Pass grätschte allerdings Fabian Kunze ab, den Konter nutzte der FCK eiskalt. "Das ist ein top Pass, wenn der ankommt", betonte Eichner. Doch das tat er nicht.
„Nach dem 2:2 hat Lautern nur noch auf den Abpfiff gewartet, verwaltet und wollte eigentlich gar nichts mehr.“ (Marvin Wanitzek)
Der Empfänger wäre Kapitän Marvin Wanitzek gewesen, der aus seiner Sicht erklärte: "Ich denke, dass der Pass schärfer gespielt werden muss. Dann wäre es eine Torchance für uns geworden." Stattdessen rannte der KSC hinterher. "Durch das 2:2 in der Schlussphase und mit den Emotionen hier im Stadion wollten wir natürlich auf Sieg spielen", erklärte der 32-Jährige. "In der zweiten Hälfte, vor allem nach dem 2:2, hat Lautern nur noch auf den Abpfiff gewartet, verwaltet und wollte eigentlich gar nichts mehr. Deshalb ist es natürlich umso bitterer, am Ende als Verlierer vom Platz zu gehen." Für den Treffer seines Gegenübers Ritter hatte er dennoch Lob übrig: "Das war ein überragender Abschluss."
Trotzdem untermauerte Wanitzek Försters Eindruck und sprach vom "stabilsten Spiel" in der bisherigen Spielzeit." Eichner nannte es gar das "beste Spiel der Saison. Und dafür haben wir nichts bekommen." Dennoch habe ihm der Auftritt seiner Mannschaft Spaß gemacht. "Ich konnte mich in den ersten Wochen am Samstagabend auf der Couch durchaus freuen, wenn wir 1:0 gewonnen haben. Das hat auch seinen Charme. Aber so wie in diesem Spiel ist es mir auf Strecke schon lieber, weil ich glaube, dass es erfolgreicher sein muss und auch wird", blieb der Coach positiv.
Am Freitag folgt "das nächste Fifty-Fifty-Spiel"
Die Chance, sich zu belohnen, gibt es am kommenden Freitag in Fürth. "Da wartet das nächste Fifty-Fifty-Spiel. Wir alle müssen akzeptieren, dass man diese Zweitliga-Spiele nicht mehr vorhersagen kann", blickte Eichner voraus.