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Köllner: "Ich denke nicht in Worst-Case-Szenarien"

kicker

Herr Köllner, wie fühlt es sich an, wieder an der Seitenlinie zu stehen?

Ja, das fühlt sich gut an. Aber es ist auch für mich eine Umstellung von 0 auf 100, die mich vor allem in den ersten Tagen extrem gefordert hat.

BW Linz hat vier Punkte Rückstand, doch vor der Abstiegsrunde werden die Zähler halbiert, wodurch sich der Abstand verringert. Also ist der Klassenerhalt keine "Mission Impossible", aber sehr knifflig. Was reizt Sie daran?

Die Aufgabe ist zweifelslos sehr schwierig. In der Mannschaft steckt auf jeden Fall mehr Potenzial, als sie bisher abgerufen hat. Das sehe ich jeden Tag. Natürlich braucht man auch Glück, aber der Klassenerhalt ist auf jeden Fall machbar.

Ihre Vertragslaufzeit bis zum 30. Juni bedeutet, dass eine Fortsetzung an den Klassenerhalt gekoppelt ist?

Ja, richtig. Der Verein und ich haben uns darauf verständigt, dass mein Verbleib nur sinnvoll ist, wenn wir in der Bundesliga bleiben. Der Pokalauftritt und die bisherigen Eindrücke haben berechtigte Hoffnungen geweckt, dass wir unser Ziel erreichen können. Wir haben im Pokal-Derby 2:0 geführt, aber der Gegner war auch sehr gut und hat uns alles abverlangt. Am Ende heißen unsere Schlagworte für die nächsten Wochen und Monate: Arbeit und Entwicklung.

Wie sind Ihre Eindrücke bisher von der Mannschaft und vom Klub?

Das ist ein Traditionsverein, mit dem viele Leute mitfiebern. Die Bedingungen sind aktuell schwierig bei den sehr kalten Temperaturen, aber wir haben ein erfolgreiches Trainingslager in der Türkei hinter uns.

„Mit Nico Mantl haben wir aber eine sehr gute Nummer 1 verpflichtet“ ()

Sie müssen die Defensive stabilisieren.

Ja, stimmt. Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass wir jetzt in Altach und dann auch in den nächsten Wochen die Null öfter halten

Dafür soll auch Ihr neuer Keeper sorgen, den man in Deutschland kennt: Nico Mantl. Was erwarten Sie von ihm?

Die schwere Verletzung von Viktor Baier, unserem Torwart, war der einzige Wermutstropfen in der Vorbereitung. Mit Nico haben wir aber eine sehr gute Nummer 1 verpflichtet, ich kenne ihn aus seiner Haching-Zeit.

Einer Ihrer Spieler, Simon Pirkl, sprach mit Blick auf Ihre Verpflichtung davon, dass Sie "für positive Energie und Optimismus" sorgen. Wie schmal ist der Grat für Sie, ein Team starkreden zu müssen, aber auch die Realität der Tabelle nicht zu verleugnen?

Der Simon hat da nur die halbe Wahrheit erzählt. Klar, motiviert man die Spieler. Aber ich musste mir auch früh klar werden, einen eindeutigen Kurs auf und neben dem Platz festlegen und aus Qualitätsgründen dem einen oder anderen leider deutlich und direkt vor Augen führen, dass die Aussichten auf Spielzeit aktuell eher begrenzt sind. Das ist nicht schön, aber gehört auch dazu, wenn wir Erfolg wollen.

In Österreich heißt es, Sie wären gut angekommen, weil Sie höflich sind, jedoch präsentierten Sie sich nicht als "offenherzig". Unterschreiben Sie das?

Ja, ich habe viele Interviews abgelehnt, daher sind vielleicht österreichische Medien unzufrieden. Aber ich wollte erst mal den sportlichen Bereich in den Griff bekommen und meine Arbeit machen.

Sie haben die Tradition angesprochen in Linz, vom alten Klub, aber auch vom Nachfolgeverein Blau-Weiß. Früher spielte man im Europacup, sogar ein Hugo Sanchez war einst dort. Spüren Sie demnach eine besondere Verantwortung mit Blick auf den Ligaerhalt?

Ja, absolut. Hier sind ja noch die Gründungsväter vom FC Blau-Weiß Linz von 1997, jeder von uns ist sich der Verantwortung bewusst, und der wollen wir auch gerecht werden

„Nach dem Aus in Ingolstadt hätte ich schnell wieder woanders einsteigen können, aber das hat mich nicht hundertprozentig gepackt.“ ()

In Altach schließt sich am Sonntag der Kreis ein wenig: Miro Klose, jetzt bei Ihrem Ex-Klub Nürnberg, war dort auch mal als Chefcoach. Aber Tipps haben Sie sich nicht bei ihm geholt?

Nein, dazu ist der Miro ja auch schon zu lange weg aus Altach. Wir müssen uns nur auf die Gegenwart konzentrieren, da haben sie jetzt Sturm Graz aus dem Pokal geworfen.

Sie haben jetzt rund eineinhalb Jahre keinen Klub trainiert. Wurden Sie irgendwann unruhig, nicht mehr auf das berühmte Karussell aufzuspringen, oder blieben Sie entspannt, haben Sie vielleicht selbst Angebote abgelehnt?

Nach dem Aus in Ingolstadt hätte ich schnell wieder woanders einsteigen können, aber das hat mich nicht hundertprozentig gepackt. Das ist jetzt erst der Fall, hier in Linz liege ich mit den Verantwortlichen auf einer Wellenlänge. Die Zeit zum Durchschnaufen und Fortbilden war auch wertvoll für mich.

Ist es dennoch ein Vabanquespiel mit der eigenen Zukunft als Trainer, wenn es schiefgehen sollte in Linz?

Ich denke nicht in Worst-Case-Szenarien, das wäre fatal. Ich gehe davon aus, dass ich der richtige Mann am richtigen Ort bin.