Stefan Leitl ist kein Mensch, der in der Öffentlichkeit zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Entsprechend sachlich und nüchtern hat der Trainer von Hertha BSC den schwerfälligen Start seines Teams in die Saison 2025/26 am Freitag eingeordnet. Auf die Frage, ob sich die bisher gezeigten Defizite in irgendeiner Form angedeutet hätten, antwortete der 47-Jährige im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz: "Nein, das habe ich nicht kommen sehen." Gleichzeitig betonte der Coach der Berliner. "Es gibt Dinge, die erklärbar sind."
„"Wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, dass wir in der nächsten Runde sind."“ (Stefan Leitl)
Leitl meint damit zuvorderst die personelle Lage, die beim Hauptstadtklub in diesen Tagen reichlich angespannt ist. "Wir haben sehr viele verletzte Spieler, die uns ein Stück weit besser machen", sagte er. Wohlgemerkt, wenn sie denn dabei sind. Am Sonntag in Darmstadt ist die Ausfallliste derweil lang. Marius Gersbeck (Aufbautraining nach Schulter-OP), Tim Goller (Schulterverletzung), John Anthony Brooks (Muskelfaserriss), Michal Karbownik (Sprunggelenk), Pascal Klemens (Sprunggelenk-OP), Luca Schuler (Trainingsrückstand nach Hüftverletzung), Diego Demme (Kopfverletzung) und Paul Seguin (Entzündung der Plantarfaszie) werden im Stadion am Böllenfalltor fehlen.
Bei Demme und Seguin hofft Leitl, dass sie "vielleicht in der Länderspielpause zu trainieren beginnen, um dann nach der Länderspielpause zur Verfügung zu stehen." Bei Schuler könnte das auch der Fall sein, während es bei Karbownik noch etwas dauern werde, so Leitl. Brooks wiederum musste beim Aufbautraining die Belastung wieder etwas runterfahren. Der Trainer der Berliner hält indes nicht viel davon, über Gebühr zu klagen. Er sieht es pragmatisch: "Wir müssen durch diese Phase durchkommen."
Zeefuik kehrt ins Team zurück
Helfen soll dabei das jüngste Erfolgserlebnis in der 1. Runde des DFB-Pokals, als Hertha beim Ligakonkurrenten Preußen Münster mit 5:3 im Elfmeterschießen gewann. Leitl hat bei seinen Spielern und in seinem Stab "Erleichterung" darüber festgestellt, "dass wir noch im Wettbewerb sind". Der Coach der Berliner weiß natürlich, dass Hertha in Münster alles andere als geglänzt hat, aber er sagt: "Wir müssen uns nicht dafür entschuldigen, dass wir in der nächsten Runde sind." Vielmehr hofft Leitl, dass seine Profis als Folge des Erfolgserlebnisses in Darmstadt "vielleicht ein bisschen befreiter auftreten können". Vor allem im Spiel mit dem Ball erwartet der Hertha-Trainer eine Steigerung. Und zwar eine kollektive, weswegen er Nachfragen nach der Form einzelner Spieler wie etwa Fabian Reese am Freitag mit dem Hinweis parierte, dass eine Steigerung im Offensivspiel "ein Gesamtauftrag an alle Beteiligten der Mannschaft" sei.
In der Defensive wird dagegen ein in Münster schmerzhaft vermisster Akteur zurückkehren. Deyovaisio Zeefuik, der im Pokal gesperrt ist und der dem Hertha-Team mit seiner physischen Präsenz und seiner Unerschrockenheit guttut, dürfte auf der Außenbahn (und da wohl eher links) zum Zug kommen.