Es ist eine unangenehme Situation für Marc-André ter Stegen. Wie mehrere Medien in Spanien übereinstimmend berichten, plant der FC Barcelona um Trainer Hansi Flick nicht mehr länger mit dem Torhüter - beziehungsweise nur noch als Nummer drei. Und das zu allem Überfluss gut ein Jahr vor WM-Beginn.
Was also tun? Ohne Spielpraxis ist ein ter Stegen im DFB-Tor nicht darstellbar. Deswegen rät René Adler dem 33-Jährigen nun zum Abschied. Ein Bleiben könne sich ter Stegen "schlicht und einfach nicht erlauben", so Adler, der selbst auf 12 A-Länderspiele für Deutschland kommt, bei Sky. Zwar würde er sich wünschen, dass ter Stegen kämpfe, "aber er hat schlicht und ergreifend die Zeit nicht".
Aufgrund einer schweren Knieverletzung hatte ter Stegen ohnehin schon weite Teile der vergangenen Saison verpasst. "Da ist jedes Spiel wichtig, jede Minute, jedes Training, damit du wieder Automatismen, eine Selbstverständlichkeit und Vertrauen in deinen Körper bekommst. Dafür brauchst du Spiele. Und so wie es aussieht, wird er die beim FC Barcelona erstmal nicht bekommen", so Adler weiter.
Die Katalanen hatten Mitte Juni mit Joan Garcia (24) von Espanyol einen jungen Torhüter mit Perspektive verpflichtet. Mit Wojciech Szczesny (35) hat Barcelona bis 2027 verlängert, der Pole eroberte in der vergangenen Saison den Platz im Tor und wusste dabei zu überzeugen.
Adler missfällt der Umgang
Barcelona ließ ter Stegen über seine Situation lange im Unklaren, die Kommunikation bemängelte unter anderem Bundestrainer Julian Nagelsmann - auch Adler ist sie ein Dorn im Auge. "Da sieht man wieder - und das war in den letzten Jahren beim FC Barcelona kein Einzelfall -, dass dort mit verdienten Spielern nicht so umgegangen wurde, wie man es sich als Außenstehender gewünscht hätte", sagte der 40-Jährige. Für ter Stegen sei die Situation "unglaublich bitter, das tut unglaublich weh" und "aus menschlicher Sicht ein absoluter Rückschlag".
Dass der Klub ter Stegen nun das Vertrauen entzogen hat, ist für Adler ebenfalls nicht nachvollziehbar. "Ich finde es schade, dass ein Spieler, der weit über 400 Pflichtspiele gemacht hat, Kapitän ist, dem Verein immer die Treue gehalten hat, sogar in Krisenzeiten auf Gehalt verzichtet hat, nach einer Verletzung nicht mehr die Chance bekommt, um seine Nummer eins zu kämpfen. Wir kennen ja auch die Mechanismen des Marktes: Man versucht ihn jetzt ein Stück weit rauszudrängen, das muss man so hart sagen."
Ter Stegen selbst verzichtet bislang auf Kommentare zu seiner Situation, am Sonntagmorgen trat er zu Leistungstests beim Saisonauftakt an. Wie die spanische Zeitung Mundo Deportivo berichtet, soll die AS Monaco um Trainer Adi Hütter Interesse signalisiert haben. Ter Stegens Vertrag bei den Katalanen läuft noch bis 2028.