Sämtliche Corona-Maßnahmen sind aus dem Profifußball schon lange verschwunden, bei Manchester United könnten eine Handvoll Spieler in den vergangenen beiden Wochen allerdings das Gefühl gewonnen haben, sie seien hochansteckend.
Marcus Rashford, Jadon Sancho, Alejandro Garnacho, Antony und Tyrell Malacia durften seit dem Trainingsauftakt nicht mehr mit der restlichen Mannschaft trainieren, sondern wurden regelrecht isoliert. Sie durften erst dann auf den Trainingsplatz, wenn Trainer Ruben Amorim die eigentliche Einheit beendet hatte, was Medienberichten zufolge meistens gegen 17 Uhr der Fall war.
In die USA durfte keiner der Aussortieren mitfliegen
Erst seit diesem Dienstag haben die Aussortierten freien Zugang - weil sich der Rest des Teams auf den Weg Richtung USA gemacht hat, wo Testspiele gegen West Ham (Sonntag, 2 Uhr, New Jersey), Bournemouth (31. Juli, 4 Uhr, Chicago) und Everton (3. August, 23 Uhr, Atlanta) anstehen.
Dass Amorim konsequent auf vier prominente Offensivkräfte plus Außenverteidiger Malacia verzichtet, die den Verein nicht nur verlassen sollen, sondern auch wollen, ist einerseits nachvollziehbar: Der Portugiese möchte sich nach einer desaströsen Saison mit einem möglichst kompakten Aufgebot auf die neue Spielzeit vorbereiten und jegliche Ablenkung vermeiden. Nicht umsonst waren die Betroffenen bis auf Garnacho zuletzt schon verliehen.
Andererseits schwächt ManUnited mit dieser Maßnahme seine Verhandlungsposition massiv. Dass der Rekordmeister für die ganze Fußballwelt offensichtlich nicht mehr mit dem Quintett plant, drückt die Preise weiter, die bei Antony (2022 für 95 Millionen Euro von Ajax gekommen) oder Sancho (2021 für 85 Millionen Euro vom BVB gekommen) sowieso schon weit unter den einst bezahlten Summen liegen. Womöglich sehen die Red Devils vorerst sogar kaum Geld.
Nur bei Rashford steht ein Abschied kurz bevor
Denn: Genau wie bei Rashford, dessen Leihe zum FC Barcelona nur noch eine Frage der Zeit ist, könnte es auch bei den anderen zunächst auf ein erneutes Leihgeschäft hinauslaufen. Sancho, bei dem Chelsea zuletzt sogar eine "Strafzahlung" in Kauf nahm, um ihn nicht fest verpflichten zu müssen, ist ein heißer Kandidat bei Juventus; Antony überzeugte zuletzt bei Ex-Klub Betis, ist den Andalusiern dem Vernehmen nach zu teuer für einen fixen Transfer; Garnacho, im Januar von Neapel umworben, würde gerne in der Premier League bleiben, ohne dass es bislang konkret wurde; und auch um den zuletzt nach Eindhoven verliehenen Malacia ist es ruhig geworden, nachdem zu Beginn des Monats Celtic mal als Interessent galt.
Somit bleibt die Zukunft von ManUniteds "bomb squad", wie die Fraktion in englischen Medien genannt wird, vorerst offen. Als die TSG Hoffenheim ihre "Trainingsgruppe 2" im September 2013 nach einiger Kritik schließlich auflöste, wurden die noch übrigen Spieler in die U 23 integriert, weil sich kein Abnehmer fand. Das würden die Red Devils sowohl aus sportlichen als auch finanziellen Gründen gewiss gerne vermeiden.