Rathaus statt Gesundbrunnenstadion hieß es zum Saisonausklang am Mittwochabend für die Fußballer des 1. SC 1911 Heiligenstadt. Der Empfang beim Bürgermeister mit Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und öffentlicher Meisterfeier auf dem Marktplatz verdeutlicht: Der frisch gebackene Thüringenmeister hat mit dem Aufstieg in die Oberliga NOFV-Süd ein ganz neues Kapitel in der 114-jährigen Vereinsgeschichte aufgeschlagen.
Kein Wunder also, dass SC-Urgestein Sebastian Möhlhenrich auf ereignisreiche und emotionale Tage zurückblickt. "Es ist natürlich etwas Besonderes, zum Ende der Karriere hin so einen Höhepunkt mitzuerleben. Ich bin unglaublich glücklich und stolz. Wir haben in der Mannschaft immer an uns geglaubt und es dann am Ende auch durchgezogen", sagt der 39-jährige Kapitän.
Packendes Saisonfinale
Der letzte Spieltag in der Thüringenliga hatte es Mitte Juni in sich. Neben Heiligenstadt konnten sich auch der SV Schott Jena und der FC An der Fahner Höhe noch Hoffnungen auf den Staffelsieg machen. Nach einem 0:1-Pausen-Rückstand beim FSV Schleiz war es ausgerechnet Möhlhenrich, der mit dem Ausgleich direkt nach dem Seitenwechsel die Weichen für den 3:1-Sieg der Heiligenstädter stellte. "Ich habe im Strafraum meinen Fuß in einen Schuss reingehalten und hatte Glück, dass der Torwart schon in die andere Ecke unterwegs war", sagt der Fußballer, dessen Zeiten als Torjäger eigentlich schon ein paar Jährchen zurückliegen. "Ich bin im Alter immer weiter nach hinten gerutscht und habe mich über dieses wichtige Tor natürlich umso mehr gefreut", sagt er.
„Er hat einen guten Zugang zur Mannschaft gefunden und an den richtigen Stellschrauben gedreht.“ (Sebastian Möhlhenrich über Trainer André Thüne)
Mit ihren Saisontreffern Nummer 20 beziehungsweise 18 machten später die beiden Heiligenstädter Torjäger Maciej Wolanski und Robin Voigt das Meisterstück perfekt. Doch für Bankkaufmann Möhlhenrich, der beim 1. SC Heiligenstadt neben der Sechser-Position auch den Schatzmeisterposten besetzt, kam in der Saison 2024/25 vieles zusammen.
Ein Puzzleteil war der neue Trainer André Thüne. "Er hat einen guten Zugang zur Mannschaft gefunden und an den richtigen Stellschrauben gedreht", sagt "Möhle".
Hilfe aus der Bundesliga
Auch der Zufall half mit: Denn eigentlich wollte sich Fabian Schnellhardt (10 Bundesliga-Einsätze für Darmstadt in der Saison 2023/24) in Heiligenstadt nur fit halten, weil er im 20 Kilometer entfernten Niederorschel wohnt. Doch er hatte Spaß und fühlte sich wohl. So kam eins zum anderen und er wurde in Heiligenstadt zu einem Unterschiedsspieler.
Das ganz große Plus waren für Möhlhenrich aber der Teamgeist und der Zusammenhalt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den 22 Jahren, die ich jetzt dabei bin, so eine gute Trainingsbeteiligung und so eine Qualität im Training hatten. So haben wir auch die Rückschläge weggesteckt." Das gab für den Oldie auch den Ausschlag, ein weiteres Jahr ranzuhängen. "Ich habe die Entscheidung mit meiner Frau schon getroffen, als ich noch nicht wusste, ob es zum Aufstieg reicht", erklärt er. Umso größer ist seine Vorfreude auf die Oberliga. "Ich denke, dass wir das Potenzial haben, um die Klasse zu halten. Wir werden deshalb auch personell nichts Verrücktes machen, uns aber natürlich umschauen", weiß er.