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Mit Wamser und Co. auf Adler-Jagd? Bayer 04 Leverkusen im Check

kicker

Wie lief die vergangene Saison?

War Bayer 2024/25 in der Hinserie noch mit 26 Punkten gleichauf mit Bayern und Frankfurt und gar einen Zähler vor Wolfsburg positioniert, ging die Werkself in der Rückrunden-Tabelle nur noch auf Platz 6 ins Ziel. Den ganz engen Kontakt zur Spitzengruppe verlor sie also, war letztlich sieben Zähler von Champions-League-Position 3 entfernt - und durfte sich schlussendlich doch über die beste Saison der Vereinshistorie freuen. In der ersten Spielzeit mit Trainer Roberto Pätzold konnte dieser vierte Platz zweifelsfrei als starkes Ergebnis gewertet werden. Das soll nun bestätigt werden.

Was war auf dem Transfermarkt los?

Schade für die Werkself ist gewiss, dass das 18-jährige Offensivtalent Delice Boboy seine Zukunft in Leipzig sieht. Die schnelle, wendige Angreiferin, die kraft ihrer Fähigkeiten künftig auch für die Nationalelf interessant werden könnte, hielt Ausschau nach mehr Spielzeit - und wechselte nach vier Jahren bei Bayer zu RB. Ebenfalls nicht mehr dabei ist die isländische EM-Teilnehmerin Karolina Lea Vilhjalmsdottir, die zuletzt vom FC Bayern geliehen war und sich nun Inter Mailand anschloss. Vilhjalmsdottir bot 2024/25 aber ohnehin stark schwankende Leistungen in der Offensive, somit fällt Janou Levels' Abschied am schwersten ins Gewicht.

Die Linksverteidigerin spielt fortan in Wolfsburg und ist die einzige Leistungsträgerin, die Bayer ersetzen muss. Carlotta Wamser, die bereits vor der EM aus Frankfurt verpflichtet und während des Kontinentalturniers zum Shootingstar wurde, soll diese Aufgabe übernehmen. In Diensten der DFB-Elf und zuletzt auch bei der SGE lief die Offensivspielerin rechts hinten auf - nun soll sie zuvorderst links hinten helfen. Ob das aber auch fürs Eröffnungsspiel in München gilt, ist indes fraglich. Estrella Merino Gonzalez verpasste die vergangenen Testspiele angeschlagen, wird beim FCB wohl keinen Kaltstart hinlegen. Wamser ist da also wahrscheinlich rechts gefragt.

Sie ist die eine Top-Neuverpflichtung, die andere ist Vanessa Fudalla, die zuletzt fünf Jahre in der Offensive von RB Leipzig spielte. Fudalla erzielte 2023/24 und 2024/25 jeweils zehn Liga-Treffer, verfügt über einen starken linken Fuß und Bogenschuss-Qualitäten. Sie könnte in Zukunft die dänische Nationalspielerin Cornelia Kramer im Zweiersturm unterstützen bzw. etwas weiter dahinter auf der Zehner-Position auflaufen. Fudalla bekundete bereits, sich gut bei Bayer einzufinden. Und das unterstrich sie auch in den Tests, in denen sie fünf Tore erzielte - und nicht nur gefährlich in die Tiefe startete, sondern sich auch als gute Anspielstation präsentierte.

Nicht zu vergessen ist zudem Claudia Wenger, die von SKN St. Pölten kam. Die 24-Jährige spielte eine überzeugende Vorbereitung und könnte in München direkt in die Startelf rutschten - Innenverteidigerin Selina Ostermeier fehlte jedenfalls laut Klubangabe zuletzt mit einer Muskelverletzung. Wenger, die einst eine hartnäckige Knieverletzung erlitt, läuft von außen betrachtet nicht gänzlich rund, ist aber topfit. Die österreichische Nationalspielern verfügt über ein sehr gutes Tempo - und bewies in den vergangenen Wochen zudem ihre Fähigkeiten im Aufbau und im Defensivverhalten.

Auf wen kommt es besonders an?

Repohl - Merino Gonzalez, Turanyi, Ostermeier, Wamser - Zdebel, Piljic - Bender, Kögel - Kramer, Fudalla. Schaut man sich Bayers vermeintliche Top-Elf an, dann ist da fraglos reichlich Qualität. Und selbst ein paar Ausfälle wird die Werkself wohl gut kompensieren können. Beim FCB könnten Ostermeier, Merino Gonzalez und auch die zuletzt angeschlagene Loreen Bender nicht in der Startelf stehen, wofür gute bis sehr gute Alternativen bereitstehen mit Wenger oder Melissa Friedrich für die Innenverteidigung, Wamser für die Position rechts hinten - und Ruby Grant oder Paulina Bartz fürs rechte Mittelfeld.

Letztlich indes wird es darauf ankommen, dass Stützen wie Kapitänin Friederike Repohl, Lilla Turanyi, Wamser, Katharina Piljic, Kristin Kögel oder Kramer auf lange Sicht fit bleiben, auf hohem Niveau performen - und Bayer keinen noch viel größeren personellen Aderlass erleidet. So breit ist der - mit in Summe ganz viel Talent ausgestattete - Kader dann auch wieder nicht. Ebenfalls wichtig: dass hoch befähigte junge Spielerinnen wie Bender nicht nur phasenweise, sondern mit viel Stabilität ihre Klasse nachweisen - und Bayer wie in der Hinserie 2024/25 die engen Duelle für sich entscheidet. In der Rückserie gelang das nicht mehr derart stark.

Erneut dürfte Pätzold auf ein flexibles 4-4-2 bzw. 4-2-2-2, viel Intensität und Pressing setzen. Interessant wird sein, wie Rechtsfüßerin Wamser links hinten klarkommt, wo die Aufgaben dann doch noch mal anders gelagert sind, und wie Flügelspielerinnen wie Bender und Kögel ihre Aufgabe letztlich definieren. Rücken sie im Ballbesitz ganz regelmäßig ein und bieten den Außenverteidigerinnen damit Platz? In der Vorbereitung zumindest waren sie oft auch in den Halbräumen gefragt, wenn die Werkself flach hinten herausspielte, die Gegnerinnen lockte und dann per Chipball oder Flachpass zügig die gefährlichen Räume vor der Abwehrkette anvisierte.

"Wir wollen mit noch mehr Konstanz und Kontinuität als bislang an unsere Rekordsaison anknüpfen", sagt Pätzold, der sich trotz neuer Konkurrenzsituation in der Liga oben etablieren will. Spielerisch gehe es darum, "noch dominanter aufzutreten", meint der Trainer und präzisiert: "Im Spielaufbau wollen wir die Fehlerquote in der eigenen Hälfte minimieren, ein besseres Risikomanagement schaffen und die Balance zwischen Defensive und Offensive wahren." Aus den Pressingmomenten sollten künftig noch öfter torgefährliche Szenen entstehen, so Pätzold, der sein Team außerdem effektiver sehen will. Damit sollte es wohl gleich in München anfangen.

Die kicker-Prognose

Selbst wenn das Eröffnungsspiel beim Double-Sieger verloren gehen sollte - Bayer wird wie schon in der Vorsaison zur Spitzengruppe zählen. Wenn die gut eingestellte, aufgestellte und eingespielte Werkself ihr Gerüst fit und funktional hält, wird sie noch näher heranrücken können an die Eintracht, die in diesem Sommer einige Leistungsträgerinnen ziehen lassen musste. Um Platz 3 und die Champions League könnte es demnach ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben. Abwarten, ob Leverkusen diesmal einen ausreichend langen Atem hat - und die Adler-Jagd von Erfolg gekrönt ist.