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Moormann: "Wenn Rapid den Erwartungen nicht entspricht, gibt es schnell viele Schmähungen"

kicker

Herr Moormann, Gratulation zu Ihren beiden Cup-Toren gegen Hartberg. Ist Ihnen so ein 30-Meter-Hammer wie zum 1:0 schon öfter ausgekommen?

Nein, so ein Tor ist mir noch nie gelungen, ich war selbst überrascht, dass der so genau im Kreuzeck einschlägt. Aber ich habe einfach gewusst, dass Hartberg darauf aus ist, schnell umzuschalten. Bei der Arbeit gegen den Ball hab’ ich deshalb bei der Distanz gar nicht lange überlegt und gleich versucht, hinzuschießen. Dass er dann natürlich so passt…

Zwei Tore in einem Spiel sind Ihnen wahrscheinlich auch noch nicht so oft passiert?

Im Profifußball jedenfalls nicht, zum letzten Mal vielleicht in der U 7.

An Ihr bis dahin letztes Tor hatten Sie wahrscheinlich nicht nur gute Erinnerungen.

Ja, das war bitter. Das war für Rapid, das Tor zum 3:2 beim 3:3 gegen den WAC (2023). So schön es war, das erste Bundesliga-Tor zu schießen, aber wenn du gleich darauf den Ausgleich kassierst, kann man sich nicht so freuen. Noch dazu hatte ich den Freistoß verschuldet, der zum 3:3 geführt hat.

Wie haben Sie diese Zeit bei Rapid erlebt? Sie sind damals mit anderen jungen Spielern wie Zimmermann in die Mannschaft gekommen und zunächst sehr positiv aufgenommen worden.

Im Fußball gehört auch Glück dazu. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Rapid hatte damals einige Verletzte und noch nicht so viel in externe Spieler investiert. Da ist man als Junger schnell hochgekommen und schwimmt eine Weile mit. Man muss sich das einmal vorstellen: Ich habe innerhalb einer Woche meine Debüts im Cup (gegen Amstetten), in der Liga (LASK) und im Europacup (Dinamo Zagreb) gegeben. Wie oft passiert sowas?

„Wenn ich mir anschaue, welche Transfersummen Rapid im Sommer eingenommen hat, das wäre mit jungen Österreichern nicht so leicht gegangen.“ (Martin Moormann)

Aber es ist nicht so gut weitergegangen…

Wir haben am Anfang schon auch unsere Leistungen gebracht, aber natürlich gibt es bei jungen Spielern größere Schwankungen. Und wenn Rapid den Erwartungen nicht entspricht, gibt es schnell auch viele Schmähungen. Das wollte Rapid ändern, wollte erfolgreich sein und glaubt, das mit Ausländern eher zu erreichen. Da kann man ihnen auch nichts vorwerfen, das ist ja nicht falsch. Wenn ich mir anschaue, welche Transfersummen Rapid im Sommer eingenommen hat, das wäre mit jungen Österreichern nicht so leicht gegangen. Für die Jungen ist es halt schade, wobei Furkan Demir und Niki Wurmbrand zeigen, dass es doch möglich ist, viel Spielzeit zu bekommen. Und auch die Leihspieler Vincze und Oswald bringen bei ihren Klubs gute Leistungen und sind vielleicht nächstes Jahr auch bei Rapid wieder ein Thema.

Bei Ihnen hatte man irgendwann den Eindruck, dass Sie Angst hatten, Fehler zu machen, die dann oft auch prompt passiert sind. Täuscht der Eindruck?

Eines ist klar, als Spieler ärgert man sich selber am meisten, wenn die Leistung gar nicht gepasst hat oder jeder kleine Fehler mit einem Tor bestraft wird. Aber wir waren in dieser Phase allgemein nicht gut drauf. Ich hatte mal eine bessere, mal eine schlechtere Phase, aber gegen Ende habe ich schon gewusst, dass man nicht mehr mit mir plant. Was auch voll in Ordnung war, ich habe trotzdem in jeder Minute, die ich bekommen habe, versucht, meine Leistung zu bringen. Das wichtigste war, eine neue Aufgabe zu finden, um zeigen zu können, was ich leisten kann. Deshalb bin ich sehr glücklich hier bei Blau-Weiß Linz.

Ist es anders, hier zu spielen?

Das kann man nicht vergleichen. Mir war wichtig, einen Verein zu finden, bei dem die Infrastruktur passt und der auch eine Fankultur hat. Hier in Linz haben wir zwar weniger Kapazität als in Wien, aber wir spielen jedes zweite Wochenende in einem vollen Stadion mit geilen Fans und toller Stimmung. Es ist für jede Mannschaft unangenehm, gegen uns zu spielen. Ich wollte aber auch Vertrauen spüren und möglichst viel Spielzeit bekommen, auch das habe ich in Linz. Dass wir in meiner ersten Saison in die Top 6 gekommen sind, hat keiner gerechnet. Heuer waren die Erwartungen dadurch vielleicht höher angesetzt, aber wir haben immer gewusst, woher wir kommen. Deshalb haben uns die Ergebnisse der ersten Runden auch nicht aus der Ruhe gebracht. Wir haben analysiert, was wir besser machen müssen und das auch schnell umsetzen können.

Am Wochenende steht das Linzer Derby an. Wodurch unterscheidet sich der typische Blau-Weiß-Fan vom LASK-Fan?

So gut kenne ich die Fanszenen nicht, mit der des LASK habe ich überhaupt noch nie zu tun gehabt. Ich kann nur so viel sagen, dass die Unterstützung von unseren Fans immer richtig stark ist. Aber ich glaube, viele Fans ticken ähnlich. Sie haben Erwartungen an ihre Mannschaft und sind nicht glücklich, wenn die Mannschaft nicht gut spielt und sie enttäuscht.

Merkt man in der Stadt schon etwas vom bevorstehenden Derby?

Ein Derby ist überall etwas Besonderes, das merkt man auch in Linz. Ich freue mich riesig darauf, auch weil wir nach dem Auswärtsderby (0:2) etwas gutzumachen haben. Im Vorjahr haben wir mit einem Sieg und einem Remis gezeigt, was möglich ist. Auch wenn der LASK mit Didi Kühbauer die letzten drei Spiele gewonnen hat, sind wir davon überzeugt, dass wir mit einem leidenschaftlichen Spiel drei Punkte mitnehmen können. Ich sehe uns auf jeden Fall auf Augenhöhe.

Im Vorjahr hat Ronivaldo für einen 1:0-Heimsieg im Derby gesorgt. Jetzt hat er mit Shon Weissman einen ebenfalls torgefährlichen Sturmpartner. Was zeichnet die beiden jeweils aus?

Über Ronivaldo muss man ja nicht mehr viel sagen. Man sieht trotz seines Alters sofort seine Qualität. Was er für uns leistet, welche Tore er auch im Training schießt, ist unglaublich. Und vor allem weiß man, dass er oft nur eine Chance braucht, um ein Spiel zu entscheiden. Auch bei Shon hat man vom ersten Training an gesehen, welche Qualität er hat. Er gibt immer Vollgas, ist von der ersten Sekunde an da und hat ja auch sofort eingeschlagen. Vielleicht war es auch gar nicht so schlecht, dass er in den ersten Runden noch nicht dabei war, weil er dadurch von den schlechten Ergebnissen ganz unbefangen war. Es wird nicht oft passieren, dass Blau-Weiß zwei solche Stürmer hat. Wobei man auch auf Goigi (Goiginger) nicht vergessen darf. Er ist ein sehr schlauer Spieler und allein schon durch sein Anlaufverhalten extrem wichtig für uns.

Mit Mitja Mörec haben Sie jetzt einen Trainer, der selbst Innenverteidiger war. Bekommen Sie viel Tipps von ihm?

Er arbeitet sehr viel individual-taktisch mit uns. Auf dem Platz und mit Videoanalysen. Die Trainingsarbeit mit der Defensive macht er wirklich meistens selbst. Er arbeitet sehr akribisch und hat einen genauen Plan, was er sehen will und hat viel Erfahrung auf der Position, die er uns mitgeben kann.

Mit Didi Kühbauer ist jetzt der Mann LASK-Trainer, unter dem Sie ihre Debüts gefeiert haben…

Ja, dafür bin ich ihm auch dankbar. Aber er war dann nur noch drei oder vier Wochen da. Er hat beim LASK geschafft, was zu erwarten war. Er hat die Mannschaft stabilisiert, neues Feuer reingebracht und dafür gesorgt, dass sie auch als Mannschaft auftritt. Eigentlich alles das, was uns auszeichnet. Von daher erwarte ich ein grausliches Spiel mit viel Kampf, das die Mannschaft gewinnen wird, die es 90 Minuten lang mehr will.