Mit breitem Grinsen nahm Miron Muslic am Mittwochnachmittag im Presseraum Platz, um sich vor seinem ersten Pflichtspiel als Schalke-Trainer den Fragen der anwesenden Journalisten zu stellen. Er freue sich "wie ein kleines Kind", erklärte der 42-Jährige vor dem Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga, das die Königsblauen am Freitagabend zu Hause gegen Hertha BSC bestreiten. Dass am Vormittag rund 1200 S04-Anhänger dem öffentlichen Training beiwohnten, sei "typisch Schalke" und zeige, wie groß der Verein und insbesondere die Vorfreude bei den Fans ist. "Und auch wir haben diese Vorfreude - wir freuen uns, dass es endlich losgeht."
Klub und Fans haben eine enttäuschende Saison hinter sich und schrammten nur haarscharf am Abstieg in die 3. Liga vorbei. "Wir wissen, dass wir aus einer schwierigen Saison kommen, in der wir auch Probleme defensiv hatten", sagt Muslic, der aber keinen Gedanken zu viel an Vergangenes verschwenden will. "Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht, was die defensive Struktur betrifft", findet der Trainer. "Die drei Zu-null-Spiele sprechen eine klare Sprache, dass wir Schritte gesetzt haben."
Die Zuversicht schöpft der Österreicher aus der Vorbereitung, in der S04 insgesamt acht Tests bestritt und eben in drei Spielen in Folge ohne Gegentor blieb. Von klaren Underdogs bis hin zu echten Gradmessern aus dem Ausland war dabei alles dabei. Ähnlich verhielt es sich mit den Ergebnissen, wo einer 2:3-Niederlage gegen Drittligist Wiesbaden unter anderem ein 1:0-Sieg gegen den FC St. Gallen oder ein Remis gegen Twente Enschede gegenübersteht. Das jüngste 2:4 gegen den FC Sevilla will Muslic dabei nicht zu hoch bewerten, insgesamt habe sein Team zuletzt einen "super Eindruck hinterlassen".
Entsprechend sei deshalb auch schon die Anfangsformation, die der Neu-Coach zum Auftakt gegen die Alte Dame auf den Rasen schickt. "Ich bin mir relativ klar, was die Startelf betrifft für Freitagabend", so Muslic, der von lediglich "ein, zwei Fragezeichen" spricht, die er bewusst offen lässt für die finalen Trainingseinheiten.
Becker und Ayhan sind Muslics "Gewinner der Vorbereitung"
Die beiden Youngster Vitalie Becker und Mertcan Ayhan habe man gegen die Andalusier bewusst geschont, um die beiden "Gewinner der Vorbereitung" (Muslic) am Freitagabend bei 100-prozentiger Fitness zu haben. Beide Außenverteidiger stehen somit ebenso zur Verfügung wie der Langzeitverletzte Emil Höjlund, der seit gut zehn Tagen wieder komplett am Mannschaftstraining teilnimmt. "Er ist fit, er ist gesund und sicher auch eine Option für uns am Freitag", so Muslic. Kenan Karaman und Jannik Bachmann sind hingegen erst seit zwei Tagen wieder zu 100 Prozent im Training integriert.
Sicher fehlen wird Neuzugang Hasan Kurucay, den Muslic zwar als "genau den Neuzugang, der zu unserem Anforderungsprofil passt", beschreibt, der aber eben auch seit seinem Abschied aus Leuven längere Zeit kein Mannschaftstraining absolvieren konnte und deshalb "noch ein bisschen Zeit brauchen" wird.
Die Zeit bis zum Auftakt hingegen schrumpft in diesen Stunden dahin - und mit dem Hauptstadtklub kommt gleich ein schwerer Gegner in die Veltins-Arena. Dessen ist sich auch Muslic bewusst, er wisse "um das Kaliber von Hertha" - die Alte Dame hat sich kräftig gerüstet und spricht offen vom Ziel Aufstieg -, aber "unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen bestmöglich performen, um die Saison mit einem Heimsieg zu starten. Das ist das Mindset, das wir haben - unabhängig von der Qualität von Hertha."