Nach diesem denkwürdigen Play-off-Spiel war auch Dauerbrenner Thomas Müller am Ende seiner Kräfte. "Ein wenig leer und müde" zeigte er sich, als seine Vancouver Whitecaps den Los Angeles FC in den Conference Semifinals mit 4:3 im Elfmeterschießen ausgeschaltet hatten, aber nicht nur: "Ich bin so stolz auf die Mannschaft." Diese hatte einige Widerstände überwinden müssen.
Nach der 2:0-Pausenführung hatte Heung-Min Son für den LAFC verkürzt, der das Momentum des Spiels danach immer mehr auf seine Seite zog: Erst flog Tristan Blackmon mit Gelb-Rot vom Platz (90.+2), dann erzwang Son mit einem "überragenden Freistoß" (Müller) die Verlängerung (90.+5). Diese mussten die Whitecaps zu neunt zu Ende spielen, nachdem sich der eingewechselte Belal Halbouni (110.), bei einer Rettungstat verletzt hatte.
Doch auch ohne Müller, der nach der regulären Spielzeit ausgewechselt worden war, retteten sich die Gastgeber ins Elfmeterschießen - nachdem der LAFC in der 123. Minute binnen Sekunden gleich dreimal am Aluminium gescheitert war. Dass am Ende Vancouver vom Punkt die besseren Nerven hatte - unter anderem vergab Doppelpacker Son -, sei "die brutale Schönheit" des Fußballs, meinte Müller, der das Drama an der Seitenlinie verfolgen musste.
"Wir haben zu viele Bälle verloren, auch ich"
"Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, aber wir müssen sicher über die zweite sprechen. Sie haben ihr System ein wenig umgestellt und mehr Druck gemacht. Wir haben nach der Pause viel zu viele Bälle verloren, auch ich. Wir haben sie also ein wenig ins Spiel zurückgeholt", analysierte der 36-Jährige, der "Sonny", den tragischen Helden des Gegners, explizit hervorhob: "Er ist ein verdammt guter Spieler."
Doch auch Trainer Jesper Sörensen verdiente sich ein Lob seines wichtigsten Spielers. Dass der 52-jährige Däne kurz nach Start der Verlängerung auf eine Fünferkette umgestellt hatte, nannte Müller eine "sehr gute Anpassung", die ohne eine ordentliche Portion Dusel aber auch nicht gereicht hätte. "Wir hatten ganz sicher Glück in der Verlängerung", wusste auch Müller nach einem Spiel, das seiner Meinung nach "keinen Gewinner und keinen Verlierer verdient" hatte.
Darf Vancouver erneut zu Hause spielen?
Weil die Play-offs ein solches System nicht vorsehen, sind die Whitecaps nun nur noch zwei Siege von der ersten MLS-Meisterschaft entfernt. In der Nacht auf Sonntag (3 Uhr) geht es gegen den San Diego FC oder Minnesota United weiter. Gegen Minnesota dürften Müller und Co. erneut zu Hause antreten, gegen San Diego, das die Regular Season knapp vor Vancouver beendet hatte, wäre ein Auswärtssieg nötig. Entsprechend ist klar, wen sich die Whitecaps wünschen. Gegen den LAFC war der heimische BC Place erstmals seit Müllers Ankunft mit 53.957 Zuschauern ausverkauft.