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"Müssen langen Atem haben": Heidenheims Start bei Kühlschrank-Temperaturen

kicker

Die Heidenheimer sind seit Freitag wieder im Training. Knapp zehn Tage konnten sie ausspannen, um jetzt schon wieder in die extrem kurze Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den 1. FC Köln (10.01., 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) zu starten. "Das ist zeitlich vergleichbar mit einer Länderspielpause", scherzte Heidenheims Kapitän Patrick Mainka nach den ersten beiden Einheiten.

Der FCH hatte sich in diesem Jahr ganz bewusst dafür entschieden, an der heimischen Brenz zu bleiben und auf ein Trainingslager im Ausland zu verzichten. Eine Trainingseinheit haben die FCH-Profis dadurch gewonnen, schließlich saßen sie nicht im Flieger Richtung südeuropäischer Sonne, sondern im Winter auf der Schwäbischen Alb. "Sonst hatten wir bei Abflug auch immer um die zehn Grad hier in Heidenheim", erinnert sich FCH-Trainer Frank Schmidt. Das ist diesmal anders, bei Kühlschrank-Temperaturen scheuchte Schmidt seine winterlich vermummten Spieler über den Platz.

Mentalität schärfen bei Kühlschrank-Temperaturen

Jeder Spieler hatte zuvor seinen individuellen Trainingsplan in die Winterpause mitbekommen. Und alle hätten gewusst, dass die ersten drei Tage nach der Rückkehr knackig werden würden. "Wir können ja nur in dieser Zeit so trainieren, danach geht ja schon die Vorbereitung auf die Partie gegen Köln los", erklärte Schmidt. Jammern gibt es aber in Heidenheim nicht: "Ich glaube, dass jeder Spieler der Premier League gerne mit uns tauschen würde, um eine Woche irgendwohin zu fahren", sagte Schmidt. Auf der Insel wird bekanntlich durchgespielt über die Feiertage.

„Wir müssen uns wieder daran erinnern, dass jeder eine perfekte Einstellung sich selbst gegenüber haben muss.“ (Frank Schmidt)

Zweimal hatte sich Schmidt während der Weihnachtspause selbst ein Bild von den heimischen Trainingsplätzen gemacht. Der Platzwart verdiente sich dabei sein Lob, denn die Spieler fanden bei ihrer Rückkehr zwar keine perfekten, aber doch gute Trainingsbedingungen vor.

Doch kommt es Schmidt noch auf eine ganze Menge mehr an. "Mentalität ist kein Talent, Mentalität ist eine Einstellung. Wir müssen uns wieder daran erinnern, dass jeder eine perfekte Einstellung sich selbst gegenüber haben muss", schärfte der FCH-Trainer sofort wieder die Sinne beim Tabellenvorletzten. Eben diese Mentalität könne man bei den eisigen Temperaturen vor Ort besser schulen als bei 15 Grad in der Sonne, ist Schmidt überzeugt.

Ein Neuer ist da, der nicht sofort helfen wird

Auch einen Neuzugang konnten die Heidenheimer zum Start begrüßen. Der 20-jährige Hennes Behrens wurde von der TSG Hoffenheim ausgeliehen, eine Kaufoption gibt es nicht. Speziell auf der linken Außenverteidigerposition war der FCH seit der Verletzung von Leart Pacarada dünn besetzt, wenngleich Jonas Föhrenbach als einzig übergebliebener Akteur auf dieser Position seine Sache ordentlich verrichtet hatte, wie auch Heidenheims Trainer hervorhob. Dennoch hat man auf dieser Position nun mehr Optionen. Nicht mehr mit dabei ist dagegen Thomas Keller, der sich ebenfalls per Leihe nach Dresden verabschiedet hat und in Sachsen auf mehr Spielzeit hofft.

Behrens werde jedoch nicht sofort zur Verfügung stehen, sei erst bei "95 Prozent", berichtete Schmidt über den Neuen, bei dem im September eine Verletzung aufgebrochen war. "Er hat mir aber gesagt, dass er laufen kann. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung, wenn man bei uns spielt", scherzte Schmidt.

Der Trainer verteidigte den Wechsel von Behrens, auf den er in der englischen Woche zum Start noch nicht zurückgreifen kann: "Ich weiß nicht, ob die Meisterschaft in Deutschland erst am Ende entschieden wird, aber die meisten andere Entscheidungen in der Bundesliga fallen gegen Ende der Saison, das darf man nicht vergessen. Da wollen wir dann in der Situation sein, mehr Möglichkeiten, und mehr Qualität zu haben - und da bringt Hennes viel mit."

Mit Mütze habe ihn Behrens außerdem an Frans Krätzig erinnert, den man im vorigen Winter von Bayern München ausgeliehen hatte, so der 52-Jährige weiter. Mit Krätzig habe man sehr gute Erfahrungen gemacht: "Schöne Grüße an alle Motzer da draußen: Das war bei Krätzig genauso, am Ende ist er bei uns als Publikumsliebling wieder gegangen", versuchte Schmidt die aufgekommene Kritiken am Behrens-Transfer im Keim zu ersticken.

Das Ziel: Bis Mai muss noch alles drin sein

Schmidt einziger Wunsch sei es, Spieler um sich herum zu haben, die die schwere zweite Hälfte der Saison angehen möchten. "Wir sind 17., wir haben zu wenige Siege, wir müssen konstanter werden, wir müssen uns verändern. Darauf stellen wir uns ein, jeder weiß, woran er ist. Wir müssen einen langen Atem haben und wenn wir im Mai noch alle Möglichkeiten haben, dann haben wir das erreicht, was wir wollen", blickte Schmidt voraus.

Das heißt allerdings auch, dass sich bis zum Ende des Monats noch etwas tun kann, auch auf der Abgabenseite. FCH-Boss Holger Sanwald, der bei den Trainings vor Ort war, kündigte an, weiterhin Augen und Ohren offenzuhalten. Man möchte noch etwas machen - wenngleich das nicht leicht werde, schon gar nicht im Winter. Mit Behrens war man bereits im Sommer im Kontakt, wie Sanwald verriet, da sei aber die Bereitschaft von Hoffenheim noch nicht da gewesen.

„Bei uns ist das wie Perlentauchen. Wir müssen andere Konstellationen finden, aber das ist durchaus reizvoll.“ (Holger Sanwald über Wintertransfers beim FCH)

"Die linke Außenverteidigerposition hatte Priorität, aber dass wir in der Offensive noch etwas machen möchten, ist ja kein Geheimnis", sagte Sanwald. Er sei in vielen Gesprächen, nachzulegen gilt es im offensiven Mittelfeld oder im Sturm. "Ich bin ganz optimistisch, dass da noch etwas gelingen wird", so der Geschäftsführer.

Als FCH aber brauche man immer auch das Quäntchen Glück. "Wir sind nicht Bayern München oder Borussia Dortmund, die ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten haben. Bei uns ist das ein wenig wie Perlentauchen", meinte Sanwald. "Entweder sagen wir, dass wir ohnehin keine Chance haben auf dem Markt, das aber entspricht nicht unserer Mentalität - oder aber wir benötigen andere Lösungen. Wir müssen immer andere Konstellationen finden, aber das ist durchaus reizvoll", so der FCH-Boss weiter. Versprechen wollte er natürlich nichts, dennoch scheint er fest davon überzeugt zu sein, dass sich auf der einen oder der anderen Seite noch etwas tun wird.