Abstiegsrelegation, Beförderung zum Kapitän, Vierter in der Saison 2016/17 und die daraus resultierende Europa-League-Teilnahme 2017/18: Eugen Polanski hat als Spieler in 137 Pflichtspielen für die TSG Hoffenheim so ziemlich alles erlebt. "Eigentlich müssten sie das Stadion nach mir benennen", sagt er mit einem Augenzwinkern. Von Januar 2013 bis zu seinem Karriereende im Juni 2018 trug er das Trikot der Kraichgauer - am Mittwochabend kehrt der heutige Trainer von Borussia Mönchengladbach als Gegner an seine alte Wirkungsstätte zurück, wo er noch zu vielen Leuten guten Kontakt habe. "Es ist immer schön, alte Bekannte wiederzusehen."
"Intensivste Mannschaft" kommt ausgeruht
Den Start ins neue Jahr hatten sich Polanskis Gladbacher genau so vorgestellt: Mit einem 4:0-Kantersieg gegen den FC Augsburg arbeitete sich die Borussia auf Rang zehn vor. "Eine top, top Leistung", befand der Trainer nach dem geteilten höchsten Saisonsieg der Spielzeit. Sieben Punkte trennen Gladbach nun vom Relegationsplatz, acht Zähler fehlen auf Europapokalrang sechs - den aktuell die TSG Hoffenheim belegt.
"Sie sind die intensivste Mannschaft", sagt Polanski mit Blick auf Pressing-, Lauf- und Sprintstatistiken. Während die Gladbacher am Mittwoch bereits ihr zweites Spiel innerhalb von drei Tagen bestreiten, kommen die Kraichgauer ausgeruht aus der Winterpause. Der für Samstag geplante Restart bei Werder Bremen war aufgrund des Sturmtiefs "Elli" kurzfristig abgesagt worden. Sind die unterschiedlichen Voraussetzungen eher Fluch oder Segen? "Wir sind die Belastung gewöhnt und hätten morgen mit Vollgas trainiert, also können wir auch mit Vollgas spielen", ordnet der 39-Jährige die Lage ein.
Nicht nur für den Trainer, auch für seinen Goalgetter Haris Tabakovic ist die Partie gegen Hoffenheim eine ganz besondere: Der Stürmer ist von der TSG an den Niederrhein ausgeliehen. Dass die Kraichgauer dabei allen Grund zur Vorsicht haben, zeigte der Bosnier zuletzt eindrucksvoll: Gegen den FC Augsburg war er erneut die Lebensversicherung der Fohlen mit seinen Treffern Nummer acht und neun in dieser Saison - nur Harry Kane traf in der Bundesliga häufiger (20 Tore).
Cvancara in der Warteschlange
Für einen anderen Stürmer dürfte es derweil kaum eine Zukunft bei den Fohlen geben: Tomas Cvancara hatte seine Leihe in die Türkei Ende Dezember aufgrund ausbleibender Gehaltszahlungen vorzeitig beendet. Anfang Januar stellte der Klub den Tschechen für Gespräche frei, seit dieser Woche ist er zwar wieder ins Training zurückgekehrt - eine Option für den Kader ist er jedoch (vorerst) nicht. "Wir suchen nach einer Lösung für ihn", erklärte Sportchef Rouven Schröder. Dass Cvancara solange das Wintertransferfenster geöffnet ist außen vor bleibt, bezeichnete Schröder als "gängigen Prozess", lobte den 25-Jährigen jedoch zugleich für seine "topfitte" Verfassung.
Bis zum 31. Januar ist das Transferfenster noch geöffnet. Schröder kündigte zudem an, dass "bis Ende der Woche sicherlich noch das eine oder andere zu erwarten ist". Ansonsten kann Polanski auf "haargenau den gleichen Kader" zurückgreifen wie beim Augsburg-Spiel. Bei aller Nostalgie zählt für ihn jedoch nur, "dass ich Cheftrainer von Borussia Möchengladbach bin und dort erfolgreich wieder nach Hause fahren will" - egal ob aus der PreZero-Arena oder der Eugen-Polanski-Arena.