"Es ist sicher kein superschönes Spiel gewesen", konstatierte Julian Nagelsmann bei RTL nach der Partie in Belfast. Der Bundestrainer zeigte sich aber gleichwohl zufrieden mit seinem siegreichen Team: "Das Annehmen der Emotionen der Nordiren, des Stadions, auch die Art und Weise", wie die DFB-Elf gespielt habe - das alles habe ihm gefallen.
Die Tatsache, dass fußballerisch Highlights fehlten und das deutsche Team nach der Halbzeit - mit Ausnahme einer Großchance von Karim Adeyemi (Nagelsmann: "Da muss er das 2:0 machen") - kaum mehr Gefahr erzeugte, war dem Bundestrainer natürlich nicht entgangen. Doch das sei heute nicht das Thema gewesen. Denn: "Heute war einfach die Tabelle wichtig. Hier fußballerisch ein tolles Spiel zu machen, ist nicht einfach. Hier gibt es viele Luftduelle, viel fighten, viel kämpfen, auch der Platz ist nicht so einfach. Daher hieß es heute einfach mal, dreckig zu gewinnen, Mund abwischen, drei Punkte."
Kimmich: "Es war ein einziger Kampf"
Joshua Kimmich, der mit seinem 105. Länderspiel unter die Top-10 der deutschen Nationalspieler mit den meisten Einsätzen rückte, brachte die Partie ebenfalls auf dem Punkt. "Ich hatte schon gehofft, dass wir das Spiel etwas besser unter Kontrolle bekommen. In der zweiten Halbzeit war es kurze Zeit ein wenig besser. Ansonsten war es ein einziger Kampf, aber wir wollen alle zum Turnier", meinte der DFB-Kapitän im Hinblick auf das Ziel Weltmeisterschaft.
In Anspielung auf die zwei Siege in der aktuellen Länderspielphase, die zudem die Tabellenführung in der Gruppe A einbrachte, meinte der 30-Jährige erfreut: "Wir haben unsere Ausgangssituation komplett geändert und haben jetzt alles in eigener Hand. Das ist alles, was wir wollten. Dazu haben wir kein Gegentor bekommen. Es war heute sicher keine Glanzleistung, aber ein sehr wichtiger Sieg für uns als Gruppe."
Tatsächlich kann die DFB-Auswahl - auch dank nordirischer Mithilfe beim 2:0-Erfolg gegen die Slowaken - im November mit zwei weiteren Siegen ohne Rechenspiele das WM-Ticket buchen.
Erleichterter Woltemade zieht Premier-League-Vergleich
Die Art und Weise des goldenen Treffers des Abends durch Nick Woltemade, der in seinem sechsten Länderspiel erstmals traf, passte durchaus zu der umkämpften Partie. "Es war sehr wichtig für mich persönlich. Bisher ist es nicht ganz so glücklich gelaufen in der Nationalmannschaft. Passend dazu war dann das Tor mit der Schulter", meinte der glückliche Torschütze, der nach einer guten halben Stunde nach einem Eckball genau neben den Pfosten getroffen hatte.
Wie auch Nagelsmann betonte, seien die zuletzt vielen Tore nach Standartsituationen kein Zufall: "Ich will ja nicht zu viel aus dem Nähkästchen plaudern", so Woltemade, "aber wir arbeiten schon viel an Standards, wir sind sehr gut vorbereitet und haben immer mehrere Varianten, die man sich merken muss. So werden wir ein bisschen unberechenbarer, das ist wichtig."
Obwohl Woltemade ebenfalls ein "ekliges Spiel" durchlebt habe, hätten ihm selbst die zahlreichen Zweikämpfe gefallen, was auch mit seiner jüngsten Vergangenheit zu tun habe. "Durch den Wechsel in die Premier League bin ich jetzt schon ein bisschen was anders gewöhnt", meinte er - und hätte sich in Sachen Duellen sogar ein bisschen mehr Freiheiten gewünscht: "Es wurde ein bisschen mehr abgepfiffen, was in der Premier League nicht so gepfiffen wird. Mir macht das Spaß. Wenn die Leine ein bisschen länger gelassen worden wäre, wäre es auch schön gewesen."