Kap Verde legte Anfang September endgültig die Basis für eine sich anbahnende Sensation: Der Inselstaat besiegte im Nationalstadion der Hauptstadt Praia im Spitzenduell das klar favorisierte Kamerun durch einen Treffer von Dailon Livramento, dem Stürmer in Diensten des portugiesischen Erstligisten Casa Pia AC, mit 1:0 - und setzte sich in der WM-Qualifikationsgruppe vier Punkte vom achtmaligen WM-Teilnehmer ab.
Die Anhänger hatten nach Spielschluss einen Vorgeschmack darauf gegeben, was bei einer erfolgreichen Qualifikation "drohen" könnte: In überschwänglicher Freude waren sie - teilweise mit brennenden Bengalo-Fackeln in der Hand - unkontrolliert über den Rasen gerannt.
Erster Matchball in Libyen am Mittwoch
Der Sieg erhöhte die Chancen auf die erste WM-Teilnahme der Kapverdischen Inseln beträchtlich, ja macht die Premiere angesichts der noch ausstehenden Aufgaben sehr wahrscheinlich. Schon ein Sieg am Mittwoch in Libyen würde das Ticket für die erstmals mit 48 Teams ausgetragene Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA in trockene Tücher packen. Dann würde auch der voraussichtliche Sieg von Hauptkonkurrent Kamerun auf Mauritius keine Rolle mehr spielen und zumindest in der Hauptstadt auf den Straßen wären Freudentänze vorprogrammiert.
Der beste Spieler fehlt aktuell verletzt
Es ist ein Ensemble der Namenlosen, das für Kap Verde aufläuft - und in seiner derzeitigen Besetzung in Summe einen Marktwert in Höhe des Wolfsburger Verteidigers Konstantinos Koulierakis aufweist. Eine Aufwertung würde der Marktwert erfahren, sollte Logan Costa rechtzeitig zum Turnierstart fit werden. Der 24-jährige Abwehrchef ist der bekannteste und wertvollste Akteur und war bis zu seinem im Juli erlittenen Kreuzbandriss Stammspieler beim spanischen Erstligisten FC Villarreal.
Gemessen an der Einwohnerzahl könnte Kap Verde, das so viele Einwohner wie Duisburg hat und nur etwas größer als das Saarland ist, zum zweitkleinsten Teilnehmer der WM-Geschichte werden - nach Island, das 2018 in Russland debütiert hatte. "Es ist unglaublich. Die Stimmung ist verrückt", sagt der 31-jährige Verteidiger Steven Moreira, der seit vier Jahren in der MLS bei Columbus Crew unter Vertrag steht.
„Man sieht, wie glücklich, stolz und aufgeregt all die Menschen hier sind. Hoffentlich können wir sie in der kommenden Woche noch etwas stolzer machen.“ (Steven Moreira)
"Man sieht, wie glücklich, stolz und aufgeregt all die Menschen hier sind. Hoffentlich können wir sie in der kommenden Woche noch etwas stolzer machen", blickt Moreira voraus, der wie alle seine Teamkollegen im Ausland spielt. Rund die Hälfte des Kaders ist in einem anderen Land geboren.
Am besten schon in Libyen wollen die "Blue Sharks" (Blaue Haie) mit ihrem Coach Pedro Leitao Brito - Spitzname Bubista - die Qualifikation klar machen. Der ehemalige Nationalspieler und Kapitän "träumt schon lange davon, den Afrika-Cup zu gewinnen und mich mal für die WM zu qualifizieren". Patzen seine Schützlinge beim ersten Matchball, gibt es am kommenden Montag im Heimspiel gegen das bislang sieglose Eswatini eine zweite Chance.
Das Szenario, das WM-Ticket am letzten Spieltag vor heimischer Kulisse zu lösen, hätte allemal auch seinen Charme. Spätestens dann dürfte nicht nur im Stadion, sondern auch auf den insgesamt neun bewohnten Inseln des Staates erneut der Ausnahmezustand herrschen.