Aus Fort Lauderdale berichtet Matthias Dersch
Dass Serhou Guirassy ein herausragender Stürmer ist, hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen. Ebenso wie die Tatsache, dass Hyeon-Woo Jo ein herausragender Keeper ist. Beim Klub-WM-Gruppenspiel zwischen Borussia Dortmund und Ulsan HD trafen die beiden Gegenpole zuletzt im direkten Duell aufeinander - und das ging an den südkoreanischen Torhüter, der zwar die 0:1-Niederlage seines Teams nicht verhindern konnte, aber gleich mehrere Chancen des BVB-Stürmers vereitelte.
Fünf Spieler thronen an der Spitze
Hätte Jo einen etwas schlechteren Tag erwischt oder aber Guirassy einen etwas besseren, Dortmunds Angreifer würde die Torschützenliste bei dieser Klub-WM wohl anführen. So aber rangiert er mit einem Treffer aus drei Spielen in einem breiten Mittelfeld, während an der Spitze Argentiniens Oldie Angel di Maria (Benfica), Wessam Abou Ali (Al-Ahly), Kenan Yildiz (Juventus) sowie die beiden Münchner Jamal Musiala und Michael Olise mit je drei Toren thronen.
Noch ist der 29-Jährige von dem Kunststück, in einer Saison sowohl Torschützenkönig in der Champions League als auch Torschützenkönig bei der Klub-WM zu werden, ein gutes Stück entfernt. Noch aber ist das Turnier für den bislang eher müde daher kommenden BVB auch nicht beendet. Im Achtelfinale wartet am Dienstag in CF Monterrey ein Gegner, der zwar erneut eine gewisse Unbekannte darstellt, aber nicht zu den großen Favoriten auf den Titel zählt. Unterschätzen darf die Mannschaft von BVB-Trainer Niko Kovac die Mexikaner nicht, angesichts der späteren Anstoßzeit und der klimatisierten Arena in Atlanta gehen die Dortmunder allerdings gar sicher auch nicht als Außenseiter ins Spiel.
Guirassy absolviert ein riesiges Pensum
Dass es Guirassy, der bislang einzig im zweiten Gruppenspiel gegen die Mamelodi Sundowns treffen konnte, bislang noch an der gewohnten Effizienz fehlt, ist derweil ein Stück weit erklärbar. Der Angreifer, der für den BVB ein absoluter Unterschiedsspieler ist, steht fast immer auf dem Feld, wenn er einsatzfähig ist. 48 Partien absolvierte er für den BVB bereits in nur einer Saison, sammelte dabei 4064 Minuten. Hinzu kommen noch vier Länderspiele für Guinea, in denen er weitere 305 Minuten spielte. Es ist ein wahnsinniges Pensum, das Guirassy in seinem Premierenjahr bewältigte. Und das, obwohl er zu Beginn der Saison aufgrund einer Knie-Operation erst verspätet einsteigen konnte.
Umso bemerkenswerter ist die Anzahl seiner Tore: In der Bundesliga traf er in 30 Spielen für den BVB trotz der komplizierten Dortmunder Saison 21 Tore und bereitete vier weitere Treffer vor. In der Champions League schoss er sich mit 13 Treffern (plus fünf Assists) in 14 Spielen an die Spitze. Hinzu kommt das Klub-WM-Tor gegen Mamelodi. Es sind Zahlen, die belegen, wie wichtig Guirassy für den BVB ist - und wie unverzichtbar er ist.
Eine echte Alternative fehlt dem BVB
Die Kehrseite der Medaille ist, dass Guirassy so gut wie immer auf dem Feld stehen muss, weil es keinen adäquaten Ersatz gibt. Der BVB ist damit nicht allein, auch dem FC Bayern beispielsweise fehlt es derzeit an einer echten Alternative zu Harry Kane. Das Buhlen um Stuttgarts Angreifer Nick Woltemade ist auch damit zu begründen. Ähnlich hohe Investitionen in eine Back-Up-Lösung sind für die Borussia naturgemäß nicht drin.
Andererseits gilt auch: Stürmer wie Guirassy und Kane wollen auch immer spielen, da sie für Tore und Torjägerkanonen brennen. Es ist der Treibstoff, der sie antreibt - und im besten Fall durch eine ganze Saison trägt. Klub-WM inklusive.