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Oberdorf scherzt: "Komm, es gibt VAR, dann nimmst du den Kontakt mal an"

kicker

War es nun Lena Oberdorf oder Jovana Damnjanovic, die den Strafstoß zum zwischenzeitlichen 4:1 und die Gelb-Rote Karte gegen Justine Kielland herausgeholt hatte? Direkt hervor ging das aus der unübersichtlichen Situation nicht. Gut, dass Oberdorf selbst eine klare Meinung hatte.

"Ja, ich", sagte sie und grinste schelmisch. "Ich habe gemerkt, wie ich gezogen wurde, und dann dachte ich: Komm, es gibt VAR (in der Frauen-Bundesliga gibt es ihn nicht, Anm. d. Red.), dann nimmst du den Kontakt mal an. Ich weiß nicht genau, wie stark der Kontakt war, aber ich glaube, wenn man im Sechzehner gehalten wird, kann man es mal probieren."

Zu 100 Prozent ernst meinte sie das wohl nicht, wie ihr Gesichtsausdruck verriet. Aber wer wollte ihr die gute Laune auch verdenken? 410 Tage nach ihrem letzten Pflichtspiel tauchte die 23-Jährige wieder auf der Fußballbühne auf. Und nahm neben dem Supercup-Titel aus dem 4:2-Sieg des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg noch allerlei mehr mit.

Tränen in den Augen auf der Busfahrt

Schließlich hatte sie in Karlsruhe nicht nur einen Elfmeter herausgeholt, sondern auch einen verursacht. Kurz vor Schluss kam sie im Sechzehner gegen Lineth Beerensteyn zu spät. Natürlich hatte Oberdorf auch dazu einen Spruch auf Lager. "Besser alles in einem Spiel abarbeiten und gewinnen und einen Titel holen, als das irgendwie auf die Saison zu verteilen", fand sie und war vor allem froh, dass das Knie gehalten hatte. "Die Luft wurde zum Ende ein bisschen dünn, aber ich glaube, das gehört dazu."

Als die Rekonvaleszentin von einem Kreuzbandriss nach etwas mehr als einer Stunde das Feld betreten hatte, war großer Applaus aufgebrandet. Nervös sei sie auf der Bank bis dahin gewesen, gab Oberdorf zu: "Das ging weg, als ich eingewechselt wurde." Generell könne sie das aber nicht so gut, dieses Auf-der-Bank-sitzen. Im Bus sei sie zuvor sehr emotional gewesen und habe Tränen in den Augen gehabt - "weil das jetzt mein erstes Pflichtspiel ist".

Wer die gelernte Defensivspielerin nun auf der Doppelsechs erwartet hatte, wurde aber überrascht. Der neue Bayern-Trainer José Barcala setzte den gefühlten Neuzugang nämlich offensiver ein. "Ich war heute tatsächlich kurz Zehner", bestätigte Oberdorf: "Ich habe mit José im Training immer ein bisschen gescherzt und gesagt, dass ich weiß, was ich da vorne machen kann: Schnittstellenpässe spielen und so. Dann hat er heute gesagt: 'Komm, dann zeig mir mal, was du auf der Zehn kannst.' Hat doch ganz gut funktioniert."

Oberdorf durfte den Pokal als erste in die Höhe recken

Abgesichert von Georgia Stanway und Sarah Zadrazil schaltete sie sich ungewohnterweise vor allem auf der linken Seite immer wieder nach vorne ein. Noch ohne die Selbstverständlichkeit vergangener Tage, klar. Aber mit einer großen Präsenz.

Nach Abpfiff überließen die Teamkolleginnen ihr die Ehre, die Trophäe als erste in die Höhe zu recken. Weder Kapitänin Zadrazil noch Abwehrchefin Magdalena Eriksson übernahmen das, nein, Oberdorf. "Ich wusste davon nichts. Ich habe das in dem Moment erfahren und muss ehrlich sagen: Ich bin gar nicht der Typ, um im Mittelpunkt zu stehen und den Pokal zu nehmen."

Deswegen habe sie ihn auch schnell Zadrazil in die Hand gedrückt und sich weiter hinten positioniert bei den Feierlichkeiten. "Ein schönes Gefühl, eine schöne Wertschätzung vom Team" sei es dennoch fraglos gewesen. Und ein Comeback direkt mit Trophäe erlebt man ja auch nicht alle Tage.