"Über den Sommer wurde mir nichts direkt gesagt, daher war es eine Überraschung für mich. Ich erhielt den Anruf von meinem Agenten 24 Stunden zuvor", blickte David Odogu bei seiner Vorstellung in Mailand auf seinen Wechsel zurück und merkte zugleich an, dass er keineswegs "schockiert" vom Angebot des italienischen Renommeeklubs war. "Ich habe immer an meine Qualitäten geglaubt und ich weiß, was ich kann, ansonsten hätte ich mich einem Klub wie Milan nicht angeschlossen."
Starke Konkurrenz wird der 19-Jährige, der mit der deutschen U 17 sowohl Europa- als auch Weltmeister geworden ist, bei den Rossoneri sicher haben. An erfahrenen Innenverteidigern wie Fikayo Tomori (27), Strahinja Pavlovic (24) oder Matteo Gabbia (25) muss er erstmal vorbeikommen. Odogu hat sich genau das vorgenommen. "Ich möchte in diesem Team ein Startelf-Spieler werden", kündigte der gebürtige Berliner trotz seiner überschaubaren Erfahrung von gerade einmal drei Bundesliga-Einsätzen recht selbstbewusst an.
Zugleich betonte er aber auch, dass er "lernen, hart arbeiten und mich Tag für Tag verbessern" möchte. "Ich bin Innenverteidiger, gehe gerne in Zweikämpfe, möchte zu null spielen und die Abwehr dirigieren. Offensichtlich möchte ich aggressiv und physisch spielen und die Mentalität haben, jedes Spiel gewinnen zu wollen."
Die Mailänder investieren in den Transfer im Gesamtpaket rund zehn Millionen Euro - und werden zudem in Wolfsburg auch einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Eigentlich galt Odogu beim VfL als großer Hoffnungsträger, der als gutes Beispiel des "Wolfsburger Wegs" vorangehen könnte und den Sprung aus der Jugend zu den Profis schafft. Mehr als drei Spiele für die Niedersachsen wurden es nicht, dafür wurde der VfL immerhin gut entlohnt.
Dankbarkeit für Rüdiger-Vergleich
Und der Spieler erhält die Chance, sich bei einem absoluten Renommee-Klub zu beweisen, wo er seinen Landsmann Malick Thiaw, den die Italiener an Newcastle United abgegeben haben, quasi direkt beerbt. Verglichen wird Odogu aber eher mit Antonio Rüdiger von Real Madrid, den er als Vorbild betrachtet. Folglich ist er auch "sehr dankbar", dass er mit dem Nationalverteidiger verglichen wird, "da ich mit derselben aggressiven Mentalität spielen möchte".
Was ihn in Mailand erwartet, darüber ist sich der Abwehrmann im Klaren: "Man weiß, dass es bei einem so großen Verein Druck geben wird, die Erwartungen sind hoch, aber ich nutze das als Motivation. Ich werde meine Leistungen für mich sprechen lassen." Diese will er übrigens unabhängig vom System erbringen, für ihn "spielt es keine Rolle", ob er in einer Dreier- oder Viererkette agiert. Er ist sich auch sicher, dass er viel von Milans Coach Massimiliano Allegri lernen werde.