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Oldenburg in der Jäger-Rolle: "Diese Situation ist gar nicht so schlecht"

kicker

Das Jahresende 2025 verlief nicht wie erhofft, doch nach wie vor besitzt der VfB Oldenburg aussichtsreiche Chancen im Kampf um den Aufstieg. Im Interview mit dem kicker sprechen Trainer Dario Fossi und Sport-Geschäftsführer Sebastian Schachten über das Rennen an der Tabellenspitze, Winter-Transfers und Veränderungen im Offensivspiel.

Herr Fossi und Herr Schachten, mit welchen sportlichen Vorsätzen sind Sie in das neue Jahr gestartet?

Dario Fossi: Das machen, was wir in der Hinrunde gemacht haben. Klingt simpel, aber so ist es. Wir haben ein tolles Jahr 2025 gespielt. Leider sind es nur noch 13 Spiele in der Liga, aber wir machen exakt so weiter.

Sebastian Schachten: 2025 war ein sehr intensives Jahr. Ich glaube, die Jungs haben den Urlaub am Ende gebraucht. Jetzt blicken wir wieder nach vorn. Es soll hier erfolgreich weitergehen.

„Die Jungs haben Bock. Sonst wären sie jetzt nicht da, wo sie sind. Sie haben sich schon toll entwickelt. Aber es gibt noch Luft nach oben.“ (Dario Fossi)

"Morgen bin ich eine bessere Version als heute" heißt es seit geraumer Zeit in Ihrem Whatsapp-Status, Herr Fossi. Wie wollen Sie während der Vorbereitung aus dem Tabellenzweiten eine noch bessere Version formen?

Fossi: Für mich bedeutet dies vor allem, dass wir keinen Tag verschwenden. Wenn wir trainieren, müssen wir immer versuchen, eine Nuance besser zu werden. Die Jungs haben Bock. Sonst wären sie jetzt nicht da, wo sie sind. Sie haben sich schon toll entwickelt. Aber es gibt noch Luft nach oben. Wir haben viele Tore geschossen, aber auch viele Chancen liegengelassen. Wir haben Tore nach Standards erzielt, aber auch Tore nach Standards kassiert. 26 Gegentore in 21 Partien sind gut, aber darauf können wir uns nicht ausruhen. Offensiv und defensiv können wir noch besser werden. Daran werden wir intensiv arbeiten.

Das Ende des Jahres verlief mit nur zwei Punkten aus drei Spielen enttäuschend. Ist den Spielern ein wenig die Luft ausgegangen?

Fossi: Beim reinen Blick auf die Ergebnisse haben wir keine Argumente dagegen. Zum Schluss war es schwierig. Die Punkte-Ausbeute war nicht gut, aber trotzdem waren die Leistungen nicht verkehrt. Das Topspiel gegen Meppen war nicht unser bestes Spiel, gegen andere Mannschaften hätte es an diesem Tag trotzdem sicherlich gereicht. Gegen St. Pauli dominieren wir bis zur Gelb-Roten Karte das Spiel. Auch gegen den HSV waren wir klar besser und müssen gewinnen.

Hat die 0:2-Niederlage im Topspiel gegen den SV Meppen den Spielern dennoch einen leichten Knacks verpasst?

Schachten: Nein, das Gefühl hatte ich nicht. Gegen Meppen sind es 50:50-Spiele. Natürlich gab es eine Enttäuschung, aber die musst du im Fußball schnell wegstecken. Die Jungs haben danach rasch wieder nach vorn geschaut.

Fossi: Wenn wir sehen, wie fünf Tage später gegen St. Pauli die erste halbe Stunde läuft, waren wir weit von einem Knacks entfernt. Wir mussten niemanden aufpäppeln.

Jetzt sind Sie nicht mehr die Gejagten, sondern die Jäger. Wie soll es dem VfB gelingen, sich im Meisterschaftskampf am Ende gegen Meppen und Drochtersen durchzusetzen?

Schachten: Ich finde, diese Situation ist gar nicht so schlecht. Wir können alles reinknallen und befreit aufspielen. Das ist aus meiner Sicht erst mal sehr positiv.

Fossi: Bei diesem Punkteabstand finde ich es schwierig, von Jäger und Gejagten zu sprechen. Alles ist in einem Spiel zu regeln. Es ist eher wie bei der Tour de France: Drochtersen und wir sind im Windschatten. Wir wollen jetzt gut aus der Pause kommen. Am Ende schauen wir dann mal, wer das Rennen gewinnt.

Mit 30 Treffern in den ersten acht Partien hat der VfB einen neuen Startrekord in der fünfgleisigen Regionalliga aufgestellt. In den vergangenen sechs Partien gelangen nun nur noch sechs Tore. Wie wird der VfB wieder treffsicherer?

Fossi: Indem wir es trainieren.

Ist es so einfach?

Fossi: Zu Beginn der Saison wusste niemand, wie wir performen. Da haben die Teams uns anders wahrgenommen. Jetzt spielen die Gegner gegen uns nicht mehr wie zuvor, sondern defensiver, abwartender. Das macht es schwieriger. Trotzdem haben wir uns weiterhin viele gute Torchancen herausgespielt. Das ist eine Stärke. Es fehlt ein wenig das Matchglück, auch mal einen reinzudrücken. Wir müssen daran arbeiten, dass die Last nicht auf einem Spieler, sondern auf mehreren liegt.

„Als er nicht mehr kontinuierlich selbst getroffen hat, hat er dafür angefangen, Vorlagen zu geben.“ (Dario Fossi über Stürmer Mats Facklam)

Mittelstürmer Mats Facklam hat seit sieben Partien nicht mehr getroffen. Bekommen Sie ihn wieder in die Spur?

Fossi: Ist es normal, wenn ein Stürmer acht- oder neunmal in Serie trifft? Mats wird viel mit Julian Ulbricht verglichen, weil dieser dann weiterhin getroffen hat. Das ist der falsche Ansatz. Mats ist bei uns an der Entstehung von 25 unserer 55 Tore beteiligt. Als er nicht mehr kontinuierlich selbst getroffen hat, hat er dafür angefangen, Vorlagen zu geben. Mats hatte es zuletzt oft mit zwei, drei Gegenspielern zu tun. Dadurch hatte er natürlich weniger Platz in der Box.

Aber was wollen Sie ändern, damit er auch selbst wieder trifft?

Wir müssen die Box besser besetzen. Nicht nur mit Mats. Daran arbeiten wir.

Holen Sie im Winter noch einen weiteren Stürmer, Herr Schachten?

Schachten: Wir halten grundsätzlich, und unabhängig von der Position, die Augen offen und beschäftigen uns mit dem Markt, haben aber keinen Handlungsdruck. Ohnehin ist das Vertrauen in unsere Mannschaft groß.

Ihr Kader ist für die Ansprüche allerdings dünn besetzt und das Transferfenster nähert sich dem Ende. Müsste die Entscheidung, ob Sie im Winter nachlegen, nicht bereits gefallen sein?

Schachten: Wir haben klare Vorstellungen. Wenn wir diese umsetzen können, werden wir das machen. Aber wir verfallen nicht in Aktionismus, dafür gibt es keinen Grund.

Dem Vernehmen nach möchten Sie gerne auch noch einen Sechser zum VfB holen. Sind also die finanziellen Mittel vorhanden, um in den kommenden Tagen noch mal nachzulegen?

Schachten: Wir können, wie erwähnt, grundsätzlich noch etwas machen. Das Transferfenster ist ja noch ein paar Tage geöffnet.

Droht im Falle eines verpassten Aufstiegs im Sommer ein größerer Umbruch?

Schachten: Das glaube ich nicht. Unser Fokus liegt darauf, diese Mannschaft weiterzuentwickeln. Vielleicht könnten wir dann aber nicht jeden davon überzeugen, den Weg hier weiterzugehen.

„Strukturell müssen wir vorankommen. Auch beim Thema Scouting.“ (Sebastian Schachten über einen möglichen neuen Kaderplaner)

Herr Schachten, im Oktober sind Sie zum Geschäftsführer Sport aufgestiegen. Wollen Sie nun mittelfristig einen Kaderplaner dazuholen?

Schachten: Wir sind ein Verein in der Entwicklung. Strukturell müssen wir vorankommen. Auch beim Thema Scouting. Natürlich gibt es Überlegungen, wie wir uns breiter aufstellen. Wir schauen, was für uns sinnvoll ist.

Wäre jemand, der sich nur auf den Kader und potenzielle Transfers fokussieren kann, eine Unterstützung für Sie, Herr Fossi?

Fossi: Mehr Manpower ist immer besser. Wir sind ein Verein, der den ein oder anderen Meter mehr gehen muss. Ich bin ja nun zum zweiten Mal beim VfB und weiß, wie es noch vor ein paar Jahren hier aussah. Ich werde das auch immer wieder ansprechen, aber es ist ganz eindeutig eine positive Entwicklung erkennbar.

Aktuell müssen auch die Weichen für eine Drittliga-Lizenz gestellt werden. Wie optimistisch sind Sie, dass Sie im Falle eines Aufstiegs im Marschwegstadion spielen könnten?

Schachten: Das Marschwegstadion verfügt über keine Rasenheizung und ist nicht permanent verfügbar. Nach 18:30 Uhr dürfen dort keine Spiele angepfiffen werden. Wir machen aktuell unsere Hausaufgaben. Dann müssen wir abwarten, welche Auflagen es vom DFB gibt.