In Spanien gibt es noch vier Klubs, die in einer klassischen Vereinsstruktur - die Mitglieder sind die Besitzer und Entscheider - organisiert sind: der FC Barcelona, Athletic Bilbao, CA Osasuna und Real Madrid. Alle anderen spanischen Profimannschaften wurden Anfang der Neunzigerjahre durch ein neues Sportgesetz gezwungen, sich in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Damit sollte die hohe Verschuldung der Klubs bekämpft werden.
Die Mitglieder stimmen ab, aber die Macht liegt bei Perez
Real Madrid und die anderen drei Klubs genießen bis heute Sonderprivilegien, weil sie damals zu den wenigen Vereinen zählten, die profitabel waren - also nicht am laufenden Band Schulden machten. Deshalb ist Real bis heute ein von den Mitgliedern geführter Verein - zumindest auf dem Papier. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Präsident Florentino Perez und seine Entourage die Macht auf sich vereinen und bei Abstimmungen immer wieder mit überwältigender Mehrheit gewinnen.
Trotzdem hat der Präsident nicht freie Hand. Er kann nicht einfach entscheiden, dass Real Madrid ab sofort ebenfalls als Aktiengesellschaft auftritt und sich damit für Investoren öffnet. Derartige strukturelle Veränderungen müssen auf der Mitgliederversammlung beschlossen werden. Und eines steht wohl fest: Die Möglichkeit einer kompletten Übernahme des Klubs durch einen Investor ist nicht das Ziel. Perez möchte lediglich neue Wege ebnen, um Geld von außen in den Verein zu holen, so berichtet es The Athletic.
Die Bundesliga als Vorbild
Es gibt unterschiedliche Ideen, wie das funktionieren könnte. Auch die Bundesliga ist dabei ein Vorbild: Das 50+1-Modell, das in den deutschen Profiligen praktiziert wird, wäre eine Möglichkeit, um die Vereinsstruktur zu wahren und gleichzeitig Investoren mit einzubeziehen. Außerdem wird diskutiert, die Fußballabteilung vom wirtschaftlichen Zweig (TV-Rechte, Stadionumsätze, etc.) zu trennen. In diesem Szenario wäre es für Geldgeber möglich, in diese wirtschaftlichen Teilbereiche zu investieren, während der Fußballklub seine Vereinsstruktur beibehält und weiterhin den Mitgliedern gehört.
Jedoch ist völlig unklar, welchen Weg Präsident Perez, der wohl aktuell ein Referendum für die noch nicht terminierte Mitgliederversammlung (voraussichtlich Ende November) vorbereitet, präferiert. Inwiefern die vorgestellten Umstrukturierungen überhaupt mit dem spanischen Steuer- und Unternehmensrecht vereinbar sind, ist ebenfalls noch ungeklärt.
Wohin die Reise für Real Madrid geht, bleibt also vorerst noch das Geheimnis von Perez und seinen Gefolgsleuten. Nur eines scheint sicher: Es stehen große Veränderungen an.