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Pusic: "Ich habe Midtjyllands Standards nie so richtig gemocht"

kicker

Herr Pusic, Sie sind Anfang Februar 2015 von Esbjerg zum FC Midtjylland gewechselt, gab es da das mittlerweile berühmte Daten-Scoutingsystem des Klubs bereits?

Das hat ungefähr ein halbes Jahr vorher angefangen, als Matthew Benham, dem auch der FC Brentford gehört, den Klub übernommen hat. Und ich wurde auch so geholt. Ich erinnere mich da an ein paar A4-Zettel mit Daten, die ergeben haben, dass sich die Chancen, mit mir den ersten Meistertitel der Klubgeschichte zu holen, erhöhen würden. Sie wollten sicher gehen, nachdem sie den Titel im Jahr davor noch verspielt hatten.

Die Rechnung ist aufgegangen, mit Ihnen ist der erste Meistertitel gelungen.

Ja, aber es war nicht so einfach. Wie gesagt, in der Vorsaison hatte Midtjylland auch schon fünf, sechs Punkte Vorsprung, die sie am Ende verspielt haben. Aber wir haben dann die wichtigen Spiele im Frühjahr gewonnen und waren zwei Runden vor Schluss Meister.

Und Sie Torschützenkönig.

Ja, aber auch das war nicht so leicht. Ich hatte schon acht Tore für Esbjerg geschossen, wo wir mit Doppelspitze gespielt haben, was meinem Spiel eher entgegengekommen ist. Bei Midtjylland war ich dann Solospitze, das war eine große Umstellung und ist mir gar nicht so gelegen. Trotzdem habe ich acht Tore in 16 Spielen gemacht, das hat gereicht.

Wie sind Sie nach einer weiteren Saison mit 13 Toren bei Jess Thorup auf dem Abstellgleis gelandet?

Den Torschützentitel und meine vielen Tore in Dänemark wollte ich nützen, um mit meinen 28 Jahren bei einem Top-Klub in Europa unterzukommen, aber der Verein wollte mich für viel Geld nach China verkaufen, was ich wiederum nicht wollte. Deshalb bin ich dann nur mehr auf der Bank gesessen, wobei ich nicht glaube, dass das alleine die Entscheidung von Jess Thorup war.

Waren Standards zu Ihrer Zeit auch schon so wichtig im Spiel von Midtjylland?

Ich habe sie nie so richtig gemocht, wollte meine Tore lieber aus dem Spiel heraus schießen, hab' aber dann doch auch viele zweite Bälle verwertet. Damals haben wir 55 Prozent unserer Tore aus Standards erzielt und waren damit die Nummer eins in Europa. Ich glaube vor Atletico Madrid. Ich sehe natürlich nicht mehr jedes Spiel, aber Standards sind immer noch eine große Waffe von Midtjylland. Auch die langen Outeinwürfe - oder eher die zweiten Bälle danach.

Sagt Ihnen der neue Torjäger Franculino etwas?

Das ist ein sehr interessanter Mann, sage ich als Stürmer. Er ist meiner Meinung nach der nächste Rekordverkauf. Der bleibt vielleicht noch bis zum Ende der Saison, dann ist er weg. Er ist ihr gefährlichster Mann, schießt nicht nur viele Tore, sondern kann auch seine Nebenleute in Szene setzen. Aber Midtjylland hat immer wieder super Stürmer. Zu meiner Zeit hatten sie auch eine Akademie in Nigeria, aus der zum Beispiel Paul Onuachu gekommen ist. Er war noch sehr jung und so etwas wie mein Schüler. Ich habe ihm viele Tipps gegeben und er hat dann in Belgien die Liga zerschossen, ist bei Genk Torschützenkönig und Spieler des Jahres gewesen. Heute spielt er bei Trabzonspor.

Haben Sie noch Kontakt?

Nein, jeder geht seinen Weg. Und ich bin einer, der die Leute in Ruhe lassen will. Ich hab' auch noch mit Alexander Sörloth trainiert, der dann für viel Geld zu Crystal Palace verkauft wurde und jetzt für Atletico Madrid spielt. Auch mit Rafael van der Vaart habe ich noch gespielt. Mit ihm habe ich relativ viel unternommen, weil er er ja auch Deutsch gesprochen hat.

Dänen sind in der österreichischen Bundesliga gerade sehr gefragt. Kennen Sie den Grund dafür?

Die Dänen sind nicht die Ballkünstler wie in Brasilien oder am Balkan, aber sie sind gut ausgebildet und wahre Mentalitätsmonster, die geben nie auf. Sie sind für jeden Trainer wertvoll, mit ihnen kannst du nicht viel falsch machen. Das hat man ja gesehen bei Hjulmand, Höjlund und wie sie alle heißen. Auch Rasmus Kristensen, den ich noch bei Midtjylland kennengelernt habe, da war er noch ein junger Bub.

Sie haben mittlerweile die Trainerlaufbahn eingeschlagen, Midtjylland gilt als sehr innovativer Klub, konnten Sie da viel mitnehmen?

Ich habe 2022 beim FavAC als Co- und Individualtrainer angefangen, nachdem ich mich vorher im Beraterjob versucht habe. Aber das Manager-Geschäft ist nicht mein Ding. Ich bin als Profi lange genug herumgezogen, meiner jetzt vierjährigen Tochter wollte ich das ersparen. Dann habe ich letzten Sommer die U 15 beim SKN übernommen, seit 1. September bin ich Co-Trainer beim SV Lafnitz. Ich will den jungen Spielern meine Erfahrungen mitgeben, die ich auf allen meinen Stationen gemacht habe. Am meisten habe ich aber in den schweren Zeiten gelernt. Ich weiß, was ich Stürmern sagen muss, wenn sie drei, vier, fünf Spiele kein Tor geschossen haben, weil ich bei Brann Bergen als Nummer neun die ersten elf Spiele lang kein Tor geschossen habe. Ich habe auch keine 100 Chancen bekommen, ich weiß nicht, ob es überhaupt zwei pro Spiel waren. Ich war das arme Lamm da vorne, das nicht gefüttert wurde und nur hin und her gelaufen ist, um irgendwie an den Ball zu kommen. Und das da oben im Norden, wo es 300 Tage im Jahr feucht ist. Da wirst du depressiv.

Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

2013 hat man noch nicht so viel von Burnout gesprochen, ich weiß nicht, ob ich einen hatte, aber es war auf jeden Fall eine schwierige Zeit. Wenn du in den Medien als Flop abgestempelt wirst, das ist ein Schmerz, den man fühlt, den kann keiner verstehen. Für die meisten ist Fußball doch nur die schönste Nebenbeschäftigung der Welt. Wenn man damit in die Öffentlichkeit geht, wird man als Jammerlappen oder Schwächling angesehen, also behältst du es für dich und grübelst. Ich habe dann Halt bei Gott gefunden. Das war meine Rettung.

Vor drei Jahren hat Sturm das EL-Heimspiel gegen Midtjylland 1:0 gewonnen und auswärts 0:2 verloren. Wie wird's diesmal in Herning ausgehen?

Ich glaube, daheim ist Midtjylland schon leicht im Vorteil, weil Sturm meiner Meinung nach auch etwas schwächer geworden ist. Aber es wird für die Grazer auf jeden Fall einfacher als bei Bodö/Glimt.