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Rassismus-Vorfall bei 1860 - Fan aus Stadion geschmissen

kicker

Nach einem Doppelpack von Thore Jacobsen (39., Foulelfmeter, 45.+4) bogen die Löwen in der 72. Minute mit einer 2:0-Führung in die Schlussphase ein, als das Spielgeschehen plötzlich in den Hintergrund rückte: Gäste-Spieler Justin Butler wurde von der Tribüne rassistisch beleidigt und mit einem Becher beworfen.

Schiedsrichter Konrad Oldhafer unterbrach die Partie, nachdem Spieler beider Mannschaften in Richtung der Zuschauer gestikuliert und geschimpft hatten. Der Unparteiische bat beide Mannschaften an den Spielfeldrand und sprach mit den Kapitänen sowie Butler. Der 24-Jährige berichtete nach Angaben von Oldhafer, dass er von der Tribüne mit Affenlauten beleidigt worden sei. "Ich selber hatte keine Wahrnehmung davon. Ich habe dem Spieler gleich signalisiert, dass wir das Thema sehr ernst nehmen", berichtete der Referee später bei MagentaSport.

Wollitz fordert Spielabbruch

Auf dem Feld wurde zwischenzeitlich hitzig diskutiert, ehe die Partie nach knapp zehn Minuten fortgesetzt wurde. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz zeigte wenig Verständnis dafür. "Ich habe zum Schiedsrichter gesagt. 'Wir akzeptieren die Niederlage.' Er kann das Spiel abbrechen, um ein Zeichen zu setzen. Wir reden immer, aber keiner handelt. Das ist traurig für den Spieler und für alle anderen", sagte er bei MagentaSport. "Diejenige Person soll den Affen gemacht haben. Deshalb kam die Hektik auf. Es passiert immer wieder. Egal, wer und egal wo: Wir haben alle nicht die Haltung, um mal ein Spiel abzubrechen."

Oldhafer handelte aber entsprechend der Regel. Im deutschen Fußball wird der Drei-Stufen-Plan der UEFA umgesetzt. Bei rassistischen Vorfällen im Stadion sollen Schiedsrichter das Spiel zunächst kurzzeitig, bei weiteren Vorfällen länger unterbrechen oder in der dritten Stufe abbrechen.

Immerhin: Der betreffende Zuschauer wurde schnell gefunden und des Stadions verwiesen. Zudem solidarisierten sich weite Teile des Münchner Publikums mit Butler - und der Verein veröffentlichte eine Entschuldigung an Butler und Energie Cottbus. "Aufgrund des schnellen Einschreitens von Spielern des FC Energie und des TSV 1860, umstehenden Fans sowie der Fanbetreuung der Löwen konnte der Zuschauer ausfindig gemacht und der Polizei übergeben werden", hieß es. Man bemühe sich um eine Aufarbeitung und werde den Zuschauer mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft ziehen. 1860 stehe für Gleichberechtigung, Vielfalt und Toleranz.

Borgmann: "Das ist erschreckend"

"Das ist erschreckend", kommentierte Cottbus-Spieler Axel Borgmann den Vorfall. "Ich habe Justin gefragt, er hat es mir bestätigt. Es ist traurig, dass es immer wieder Thema ist." Das Spiel sei "dann auch zweitrangig. Uns geht es darum, als Mannschaft geschlossen als Vertreter der Gesellschaft hinter unserem Spieler zu stehen. Es kommt immer und immer wieder vor, das ist traurig und schade. Ich bin froh, dass der Fan identifiziert und aus dem Stadion geholt wurde."

Als diese Nachricht den Schiedsrichter erreicht hatte, habe er mit Butler gesprochen, erklärte Oldhafer. Er habe den Spieler gefragt, ob dieser sich in der Lage fühle, weiterzumachen. Als der Profi dies bejahte, pfiff Oldhafer wieder an. Kurz darauf unterlief King Manu (83.) ein Eigentor, womit die Niederlage für die Cottbuser endgültig besiegelt war.