Ganz abgesehen von Janischs Position, der des offensiven Rechtsverteidigers, sind die Kaderplanungen beim Club lange noch nicht abgeschlossen. Wie im Vorjahr hofft der FCN im August auch hochkarätige Nachzügler, besonders im Mittelfeld. Dass Sportvorstand Joti Chatzialexiou nun auch noch auf der rechten Seite aktiv werden könnte, war vor ein paar Wochen nicht vorgesehen.
Doch kein Jugendkurs?
Im Trainingslager in Südtirol sprach der Nürnberger Funktionär noch vom eingeschlagenen Jugendkurs und einem gewissen Mut, den es benötigt, jenen Weg auch durchzuziehen. "Ich sehe keine Notwendigkeit, diese Position dreifach abzusichern. Wir sind absolut überzeugt von den beiden." Auch deshalb sah man keine Verwendung für Oliver Villadsen mehr, der für 600.000 Euro Sockelablöse zurück nach Dänemark gewechselt ist, weil er zuvor seinen Stammplatz an Eigengewächs Janisch verloren hatte.
Doch Janischs Leistungen in der Vorbereitung waren zuletzt - gelinde gesagt - ausbaufähig. Für den Club ein offenbar unerwartetes Problem. "Erklären musste ich ihm seine Trainingsleistungen. Ich war nicht wirklich zufrieden mit ihm, das weiß er auch. Weil er sich ein gewisses Profil erspielt hat und da nicht ansatzweise hingekommen ist", urteilte Trainer Miroslav Klose am Dienstag im Rahmen der öffentlichen Trainingseinheit über den 19-Jährigen.
"Das haben wir ihm deutlich gemacht. Mir ist wichtig, dass man ihm sagt, dass da mehr kommen muss." Und die geforderte Leistungssteigerung ist in Kloses Augen auch erfolgt, zuerst bei der verlorenen Generalprobe gegen Gladbach und dann am Dienstag im Training, weil Janisch "so trainiert hat, wie ich ihn letztes Jahr die ganze Zeit gesehen habe".
Klose: "Dann bin ich der falsche Trainer"
Dennoch sucht der FCN nach einem Konkurrenten, was angesichts Janischs beinahe nicht vorhandener Profi-Erfahrung (17 Zweitliga-Spiele) auch keine Schande sein muss. Dass Chatzialexiou die rechte Seite schon im Trainingslager abgehakt hatte, wirkt im Rückblick vorschnell - zumal Janischs Rolle längst nicht so gefestigt ist, wie es einst klang.
Klose weiß um Janischs Selbstbewusstsein - und erklärte, warum genau das zum Problem werden kann: "Den musst du kitzeln, deswegen habe ich ihn das letzte Mal als Hund beschrieben. Den musst du immer peitschen, dann kommt mehr raus. Aber wenn er denkt, 'was soll mir jetzt schon passieren und ich werde die nächsten zehn Jahre sowieso Bundesliga-Spieler', dann bin ich der falsche Trainer." Gut möglich, dass sich der selbstbewusste Janisch in seiner Sache zuletzt zu sicher und unantastbar gewähnt hat.
"Tim braucht einen im Nacken und mir wäre es lieber, dass das noch enger ist", beschrieb Klose den Konkurrenzkampf mit dem 18-jährigen Zugang Justin von der Hitz, dessen Art und Weise auf dem Platz eher noch an "Jugendfußball" erinnert, sagte Klose. "Er ist sich nicht so bewusst über die Ballverluste, was die für eine Rolle spielen. Von der Einstellung kann ich ihm aber keinen Vorwurf machen."
Weil zwischen den beiden Berufsanfängern Janisch und von der Hitz - Letzterer hat noch kein einziges Spiel als Profi bestritten - aber offenbar eine solch große Lücke klafft, braucht es externe Verstärkung. Vertrauen ist gut, Konkurrenz offenbar besser - auch wenn das vor wenigen Wochen eigentlich anders klang.